Immer um den Erfolg gerungen

12.11.2019

Lothar Lässig ist Geschäftsführer und Inhaber von Elektrowerkzeuge GmbH Eibenstock. In 80 Länder der Welt liefert er seine Produkte. Weltgewandter Unternehmer und tief verwurzelter Erzgebirger, begeisterter Ringer und Fußballfan, treuer Sponsor und Teamplayer, Kämpfer und Visionär – er ist ein Mann mit vielen Facetten.

Es ist Mitte September, ein warmer, sonniger Frühherbsttag. Ein Tag wie gemacht für ein gutes Gespräch: mit Lothar Lässig. Seine Firma, die Elektrowerkzeuge GmbH Eibenstock, vor wenigen Tagen den 100. Geburtstag feierte. Auf dem Werksgelände reihen sich dicht an dicht die Hallen. Durch eine Glasfassade betritt man das Treppenhaus zum Bürobereich. Überall lacht frisches, helles Grün zwischen Schwarz-, Grau- und Holztönen. Eine markante Firmenfarbe, die Gebäude, Produkte und Logo prägt.

Lothar Lässig begrüßt mit einem kräftigen Händedruck. Nicht übermäßig, sondern wohldosiert. Aber man ahnt, dass in der Hand die Kraft eines Schraubstockes steckt. Er war Leistungssportler im Ringen. Ein kraftvoller Kampfsport, der vom Athleten ganzen Körpereinsatz verlangt. Und mentale Stärke. Darüber wird später zu reden sein. Zuerst dreht sich das Gespräch ums Business. Gerade kommt Lothar Lässig aus einem Geschäftsführer-Meeting des Hotels „Am Bühl“ in Eibenstock, an dem er auch beteiligt ist. Familie Lässig ist eine Unternehmerfamilie durch und durch. Ehefrau Karin führt die Firma Vakuum Technik im Industriegebiet, wo auch Tochter Diane und Schwiegersohn Michael tätig sind. Lothar Lässigs Sohn Thomas verantwortet bei Elektrowerkzeuge GmbH Eibenstock das Marketing und Vertriebscontrolling.

Elektrowerkzeuge GmbH Eibenstock

Auersbergstr. 10

Auersbergstr. 10 Eibenstock

Fon : +49 37752 5030

Email : office@eibenstock.com

www.eibenstock.com

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Doch bis dahin war es ein langer Weg. Seit 1984 arbeitet Lothar Lässig hier im Unternehmen, 1985 wird er Direktor. Mit der Wiedervereinigung 1990 geht die Firma in den Besitz der Treuhand. Ungewissheit liegt über dem Werksgelände: Wird es weitergehen? Zum Glück gelingt 1993 die Reprivatisierung. Die Erben des ehemaligen Besitzers übertragen Lothar Lässig 52 Prozent der Firmenanteile. Auf die Frage, wie viel Mut er dabei gebraucht habe, beginnt er in nachdenklichem Ton zu erzählen: „Das Unternehmen war zum damaligen Zeitpunkt nichts wert. Viele aus der Branche sagten zu mir, ich hätte keine Chance, erfolgreich zu sein. Das werde ich nie vergessen. Aber: Das hat mich so angestachelt, dass ich es allen beweisen wollte. Auch meinen Mitarbeitern. So haben wir 1993 mit 24 Leuten neu angefangen.“

In der Welt gefragt, im Erzgebirge zu Hause

Erstes Produkt waren die elektrischen Bohrmaschinen, ein Kernprodukt der Firma seit Jahrzehnten. Daraus ließen sich Rührwerke für die Bauindustrie entwickeln, die im Nachwendebauboom dringend gebraucht wurden. Das Wissen der Mitarbeiter war das einzige Kapital der Firma. Maschinen waren veraltet, die Gebäude baufällig. Im Rückblick hat sich das harte Ringen um den Neubeginn gelohnt. Heute beschäftigt Lothar Lässig weltweit 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in seiner Unternehmensgruppe, allein am Standort Eibenstock 280, im Hotel 70. Beinahe unglaublich: Geliefert wird in 80 Länder der Welt. In Indien baute Lässig ein Werk auf, das nur für den indischen Markt produziert.

Wie es einem Mittelständler gelingen kann, so eine gute Marktposition zu erringen, beantwortet Lässig schnell: „Wir haben es geschafft, 100 Prozent Eigenkapital zu erwirtschaften und sind damit unabhängig von den Banken.“ Hinzu komme die hohe Fertigungstiefe, erläutert er. Alle Produkte konzipiert und fertigt die Firma größtenteils im Haus, vor allem die Herzstücke, die Motoren und Wellen für Antriebe. Zulieferteile beziehe er bei regionalen Lieferanten, etwa Kunststoff für die Gehäuse. In der Welt gefragt, im Erzgebirge zu Hause:

Ich bin mit meiner Heimat verbunden. Deshalb möchte ich auch, dass sich die Wirtschaft hier entwickelt.

„Produkte sind wie meine Kinder.“

Beim Rundgang durch die Produktion zeigt sich, dass Werkzeuge zu bauen keine reine Männersache ist. Die Frauenbeschäftigungsquote ist hoch, gerade in der Montage, wo viel Fingerfertigkeit gefragt ist. An einem Regal mit Gehäusemustern lässt sich erahnen, wie das Produktspektrum in den 25 Jahren seit Neugründung gewachsen ist: mehr als 1.000 Typen an Elektrowerkzeugen für sämtliche Berufsgruppen im Handwerk. Neben Vielfalt ist Internationalität ein Markenzeichen des Unternehmens. Erst die Tage zuvor war Lothar Lässig bei Kunden in der Schweiz.

Aber er reise nicht mehr so viel wie früher, meint er, das übernehme jetzt ein weiterer Geschäftsführer. Er konzentriert sich auf die Produktentwicklung. „Produkte sind wie meine Kinder. Da stecken meine Ideen drin, die ich mit den Mitarbeitern zur Serienreife entwickle“, schwärmt Lässig. Innovation ist die Leidenschaft des Diplom-Ingenieurs: „Das macht mir Spaß: Wenn man eine Idee hat, entwickelt diese zu einem guten Produkt und kann das dann verkaufen.“ Vor Jahren brachten Lässig und sein Team den weltweit ersten Betonschleifer mit vibrationsfreiem Griff auf dem Markt.

„Von weltweiten Trends kann auch das Erzgebirge profitieren.“

Wer so viele Märkte bedient, hat immer das Ohr am Kunden. Als Visionär spricht er, wenn er vom enormen Wachstum in Indien berichtet, wie schnell sich das Land entwickelt, wie viel dort gebaut wird: „Von weltweiten Trends kann auch das Erzgebirge profitieren. Wir müssen gute Produkte bauen und verkaufen.“ Die Welt sei klein geworden, sinniert Lässig, Asien hole enorm auf. „In diesen Märkten müssen erzgebirgische Firmen präsent sein. Da steckt großes Potenzial drin.“ Zu den Chancen des Mittelstandes befragt, sagt Lässig knapp:

Du musst deine Nische finden. Und dort musst du sehr gut sein.

Sehr gut sein – das ist Lothar Lässigs Anspruch, heute wie früher. Er war von 9 bis 50 Jahren als Ringer aktiv gewesen. Jetzt spielt er hobbymäßig zweimal die Woche Fußball: „Sport fördert Zusammenhalt. Es macht keinen Unterschied, ob du Unternehmer oder Angestellter bist.“ Für ihn ist es Ehrensache, den Sport in der Region zu unterstützen.

Wenn es mir gutgeht, dann will ich auch etwas in die Region zurückgeben, in der ich aufgewachsen und erfolgreich geworden bin“

sagt Lässig. Seit Jahren fördert er den Ringer-Nachwuchs und die Fußballprofis vom FC Erzgebirge Aue. Drei Saisons war Elektrowerkzeuge GmbH Eibenstock sogar Trikot-Sponsor. „Aue und das Erzgebirge würden viel weniger Leute in Deutschland kennen, wenn es nicht den FCE in der 2. Liga gäbe“, sagt Lässig überzeugt.

Als ehemaliger Präsident des FCE hat er großen Anteil daran, dass der Verein schuldenfrei und das neue Stadion auf den Weg gebracht wurde.

Lothar Lässig in seiner Zeit als aktiver Ringer.

Dieses Zusammenspiel der Menschen zeichnet für ihn das Erzgebirge aus. Heimat ist ihm wichtig – und seinen Leuten im Betrieb auch. „Ich bin in Bockau geboren und wohne noch da und werde auch dort bleiben.“ In puncto Lebensqualität und Lohnniveau habe sich viel entwickelt. In seinen Unternehmen hat Lässig ein Prämiensystem verankert, das Anreize schafft. Die Personalfluktuation sei niedrig. Kürzlich zeichnete er zwei Mitarbeiter für 40 und 45 Jahre Betriebszugehörigkeit aus. Dies ist ein Aspekt der Erfolgsgeschichte, ein anderer die permanente Investition. Auf der Baustelle an der Zufahrt entsteht das neue Schulungszentrum für die Fachhändler, die Elektrowerkzeuge aus Eibenstock verkaufen. Übernachtet wird während der Schulungstage im Ferienhotel „Am Bühl“.

„Ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft“

„Wir sind der einzige Bohrmaschinenbetrieb auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, den es noch gibt. Niemand hat an unseren Erfolg geglaubt, nur wir selbst.“ Ein Ringer gibt eben nie auf, lässt sich nicht so schnell auf die Matte drücken, sondern kämpft. Das hat ihm als Unternehmer geholfen. „Der Leistungssport hat mich geprägt“, meint Lässig. Er hat den Betrieb 1993 mit 40 Jahren übernommen, jetzt ist der 66 Jahre alt. Vom Ruhestand will er nichts wissen. „Ich werde mich auch mit 70 noch einbringen. Sicher werde ich kürzertreten und auf mein gutes Team vertrauen.“

Sein Team geht ihm über alles. Über Jahrzehnte hat er es aufgebaut, Menschen weitergebildet, Chancen eingeräumt, Verantwortung übertragen. Bei Elektrowerkzeuge GmbH Eibenstock arbeiten viele Erzgebirger, die als junge Leute weggegangen waren und als gute Fachleute wieder in die Region zurückkamen. Darauf wird Elektrowerkzeuge GmbH Eibenstock auch die nächsten Jahre gegründet sein. Lothar Lässig sagt dann diesen Satz, der absolute Gewissheit ausstrahlt: „Ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft hier.“

Text: Carsten Schulz-Nötzold

Fotos: Georg-Ulrich Dostmann


Alle Infos zum Magazin „Herzland“

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Herzland 2019 / © Mockup psdgraphics

Diese Gechichte erschien zuerst im Magazin „Herzland - Gedacht.Gemacht.Erzählt“. Hier kannst du das gesamte Magazin online lesen, als PDF herunterladen oder gedruckte Exemplare nach Hause bestellen.

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