Spitznamen Erzgebirgischer Dörfer

04.12.2020

Das Erzgebirge ist einzigartig - nicht zuletzt wegen seiner Mundart. Und mancher Ort ist weithin bekannt. Manchmal auch nur unter anderem Namen. Kleine Rivalitäten zwischen den Einwohnern erzgebirgischer Dörfer hat es wohl schon immer gegeben- diesem Humor sind auch die Spitznamen für benachbarte Gemeinden entsprungen. Die Rede ist  von Sandhusn, Pfaarsammellaasern, Quarkquetschern, Staarn, Hodrlumpen und Mondputzern. Welche Geschichte und welcher Ort steckt aber hinter diesen Spitznamen?

Neundorf. [Staarndorf]

Die Neundorfer mussten früher in die Kirche nach Schönbrunn gehen. Den weiten Weg legte man gemeinsam zurück, in bestimmter Anzugsordnung mit schwarzem Hut, Schoßrock und eng anliegenden schwarzen Hosen. Kam diese Gruppe im Kirchenstaat über die Falkenbacher Höhe und hoben sich als Silhouette gegen die helle Sonne ab, so sollen die Leute vor der Kirchentür gesagt haben: "S' sieht grod aus wie e Haardl Staarn. Aus diesem Grund findet sich der Star auch im Ortswappen wieder.

Geyer. [Sandhusn]

 Als der Bergbau keine Einkommensquelle mehr darstellte, sollen  die arbeitslosen geyrischen Väter mit ihren Kindern und Säcken voller Sand durch die Nachbarorte gezogen sein, um das feine Material zu verkaufen. Auch wenn die Geyrischen heute ohne den Sand auskommen, ihre Sandhosen tragen sie dem Namen nach immer noch.

Grumbach. [Mondputzer]

Dieser Spitzname stammt noch aus der Bergbauzeit. Im Frohnauer Hammer wurden Silbermünzen geprägt, welche von den Grumbacher Handwerkern poliert und veredelt wurden. Gold war das Zeichen für die Sonne und Silber das Zeichen für den Mond. So sind die Grumbacher zu ihrem Namen gekommen, der sich auch im Ortswappen wiederspiegelt.

Tannenberg. [Hodrlumpen]

Eines Tages verstarb ein Landstreicher zwischen Schönfeld und Tannenberg. Daraufhin entbrannte ein Streit welcher Ort den Toten zu bestatten hatte. Dieser ging zu Lasten der Tannenberger aus, welche seitdem scherzhaft Hodrlumpen gerufen wurden.


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Mildenau. [Pfaarsammllaaser]

Mildenau war einst das größte Bauerndorf des oberen Erzgebirges. Jeder Siedler bekam ein Stück Land und jeder benötigte Dünger um sein Feld zu bestellen. So gab es eine allgemeine Aufforderung „Pfaarsammln aufzulaasn“ (Pferdeäpfel einzusammeln) um der großen Nachfrage gerecht zu werden. Die Mildenauer waren ihrer Zeit voraus, denn Pferdemist gilt heute als hochwertiger Bio-Dünger und wird hochgehandelt.

Mauersberg. [Quarkquetscher]

Die Mauersberger Bauern lieferten Quark nach Annaberg zum Bau der St. Annenkirche als Zugabestoff zum Mörtel. So kam es, dass Mauersberg auch "Quarkstadt" genannt wurde und die Einwohner den Titel „Quarkquetscher“ bekamen.

Streckewalde. [Pflaumendorf]

Als junger Ehemann, war es laut der Ortssatzung verpflichtend, mindestens 6 Obstbäume auf einem erworbenen Grundstück zu pflanzen. Deshalb erfasste eine Obstbaumzählung  im Jahr 1900, 950 Pflaumenbäume im kleinen Streckewalde.

Königswalde. [Schladorf]

In Königswalde wurde schon immer gern und gut gefeiert. So auch im ehemaligen Gasthof zum Ratsgericht, später Volkshaus. Die Schachter aus der Wismutzeit hatten an Geld keine Not und so geriet auch die ein oder andere Feier außer Kontrolle. Aber wie immer ist am nächsten Tag wieder alles in bester Ordnung. Nur der Name „Schladorf“ ist den Königswaldern geblieben.

Zschorlau. [Mondputzer]

Noch eine Gemeinde „Mondputzer“ im Erzgebirge, mit ganz anderem Ursprung. Eine Eiskalte Nacht, ein Vollmond und Hochprozentiges spielen hier eine Rolle. In der Schänke herrschte reges Treiben und der Alkohol muss ebenfalls reichlich geflossen sein. Draußen jedoch fiel das Thermometer weit unter Null und der Mond zeigte sich am nächtlichen Himmel in voller Pracht. Auf dem Heimweg stutzte ein Trunkenbold über den Vollmond der ihn aus einer gefrorenen Pfütze her anblickte. Und schickte sich sogleich an, den spiegelnden Mond zu putzen, dieses Treiben blieb nicht unbemerkt. Und die Kunde vom nächtlichen Mondputzer verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Noch heute feiern die Zschorlauer ihren Spitznamen. 

ERZähl uns gern weitere Geschichten und Ursprünge von Suppen, Ziegnbaa und Katzenfrassern, wir nehmen das gern mit auf.

Quelle: "Sperrguschn" von Karl-Heinz Melzer