30.04.2026
Wie mit Mut, Messwerten und Machermentalität das Unternehmen Gantner die Energiewende mitgestaltet
Garagen sind das Symbol amerikanischer Start-up-Geschichten. In Zwönitz war es ein leerstehender Schuhladen, der am Anfang einer Erfolgsgeschichte stand: Hier beginnt im Jahr 2010 die Geschichte der Gantner Instruments Environment Solutions GmbH . Das Unternehmen entwickelt unter anderem Hard- und Software zur Steuerung großer Solarparks.
Geschäftsführer und einziger Mitarbeiter
Das Unternehmen startet 2010 mit einem Mitarbeiter und einen Geschäftsführer. Und das in Personalunion: Jörg Scholz , ein gelernter Betriebs-Mess-, Steuer- und Regeltechniker. Erst ein paar Monate später kommen zwei Fachkräfte hinzu, die bis heute zum festen Stamm des 65-köpfigen Teams gehören. 15 Jahre später liefert Gantner in 52 Länder, zählt große Netzbetreiber zu seinen Kunden und erwirtschaftet rund 30 Millionen Euro Jahresumsatz. Bis 2028 will Jörg Scholz die Größen von Team und Umsatz verdoppeln. Mit der Technologie in Hard- und Software, die in Zwönitz entwickelt wird, werden erneuerbare Energiekraftwerke, insbesondere Solar-Großanlagen, überwacht, gesteuert und analysiert.
Der Energiepark Witznitz, der größte zusammenhängende Solarpark Europas bei Leipzig, ist das größte Projekt, an dem Gantner mitwirkte. „Unsere Kunden sind große Netzbetreiber, die mit Energie Geld verdienen müssen. Das ist ein hartes Business“, sagt Scholz. „Und dafür muss die Qualität der Einspeisung stimmen. Kurz gesagt: Wir sorgen dafür, dass die Anlage die Leistung erbringt, die gebracht werden soll.“ Da kommen gut mal 200.000 Messwerte pro Minute zustande, die in einer Cloud über 30 Jahre gespeichert werden. „Das ist echtes Big Data“, wie der Unternehmer betont. Die Software, die Gantner entwickelt, wird meist für Jahrzehnte lizenziert, die Hardware ist auf Langlebigkeit ausgelegt. Neueste Entwicklungen im Bereich Cybersecurity für kritische Infrastruktur sichern Energieanlagen zunehmend auch vor digitalen Angriffen. Und neue Wege mit neuen Geschäftsfeldern sichern zudem das eigene Unternehmen, machen resilient.
Zwönitz als Technologiestandort
Was nach der Arbeit eines globalen ITUnternehmens klingt, wird zu 100 Prozent in Sachsen entwickelt und zu 100 Prozent im Erzgebirge gefertigt. Ein großer Teil der Partner – 40 Prozent – sitzt sogar in Zwönitz selbst. „Manche Firmen kennt man vor Ort oft lange gar nicht, dabei stecken gerade darin die größten Potentiale“, erklärt Scholz. Man müsse diese Hidden Champions unbedingt kennenlernen. Jörg Scholz gelingt das am besten über das Mitwirken in Netzwerken wie dem Förderkreis des FC Erzgebirge Aue oder der IGA Industrie - und Gewerbevereinigung Westerzgebirge e.V.. Für Scholz liegt in der regionalen Verankerung ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Kurze, agile Wege, schnelle Kommunikation, tiefes Vertrauen – das macht Gantner so effizient. So bleibt auch die wirtschaftliche Wertschöpfung in der Region. Und dann fügt er noch hinzu: „Ich denke, auch unsere deutsche Genauigkeit ist für unsere Branche ein absoluter Wettbewerbsvorteil.“
INTERNATIONALES TEAM MIT HEIMATBEZUG
Auch in Sachen Fachkräfte geht das Unternehmen seinen eigenen Weg. Geschäftssprache im Unternehmen ist überwiegend Englisch. Um für die Kommunikation mit den Kunden aus 52 Ländern fit zu sein, bietet das Unternehmen einmal wöchentlich Sprachkurse an – mit einem „Native“, also einem Muttersprachler, für unterschiedliche Level. Untereinander geht es sprachlich allerdings viel bunter zu, denn bei Gantner arbeiten Fachkräfte aus zwölf Ländern, darunter Tschechien, Spanien, Mexiko, Indien und Philippinen. „Jede Mentalität bringt einen landestypischen Spirit mit, das ist absolut spannend“, findet Scholz. „Sie schließen für uns Fachlücken und von den hiesigen Mitarbeitenden werden sie gut angenommen.“
Unsere Partner sind immer wieder von drei Dingen begeistert: der erzgebirgischen Wirtschaft, unserer Landschaft und der Sicherheit hier.
WACHSEN MIT WEITBLICK – CHANCEN ERKENNEN
Seit dem Umzug ins Zwönitzer Gewerbegebiet 2017 hat sich das Unternehmen vier Mal erweitert. Erst im September wurde eine neue, 1.200 Quadratmeter große Fertigungshalle – für Lager, Montage und optimierte Logistik eröffnet. Trotzdem bleibt die Fertigung bewusst auf konstantem Niveau und soll nicht wachsen, denn: „Das können unsere Partner doch viel besser.“ Dass Scholz 2010 ausgerechnet in der damals noch jungen Branche der erneuerbaren Energien gründete, erforderte Mut. Denn was heute eine Branche mit Zukunft ist, war damals keineswegs naheliegend. „Aber wir haben es einfach gemacht“, sagt er heute.
Dieser Mut hat sich ausgezahlt. „Unternehmer müssen sich mehr trauen, gerade wir im Erzgebirge verkaufen uns oft unter Wert.“ Augenöffnend sind für Jörg Scholz jedes Mal Kundenbesuche aus dem Ausland – alle zwei bis drei Wochen ist das der Fall. „Unsere Partner sind immer wieder von drei Dingen begeistert: der erzgebirgischen Wirtschaft, unserer Landschaft und der Sicherheit hier.“ Trotz aktueller Unsicherheiten in einigen Bereichen bleibt Scholz zuversichtlich: „Erneuerbare Energien sind aktuell ein sicherer Wachstumsmarkt. Aber wichtig ist, nicht auf einem Thema stehen zu bleiben und an immer neuen Ideen zu arbeiten.“



