Der Herr der Schlüssel

06.07.2021

Christophervanlife: Eine Manufaktur für Individualausbauten für Wohnmobile und Wohnanhänger in Schwarzenberg. Neben dem Einbau sämtlichen Interieurs, das ein Van eben so braucht, gibt es für Gründer und gelernten KfZ-Mechatroniker Christopher Möckel und seinen Mitarbeiter Felix Georgi an einem Van so ziemlich nichts, was sie nicht bauen können.

Regen fällt auf den matschigen Hinterhof vor einer grauen, heruntergekommenen Halle, die Metalltür knarzt schwer in ihren Angeln. Wäre es bereits dunkel, würde dieser Ort wohl zu denen zählen, um die man lieber einen weiten Bogen macht. Unwillkürlich zieht man die Jacke etwas fester, bevor man die Werkstatt betritt. Doch statt Kälte schlägt einem noch an der Tür die heimelige Wärme einer Stube entgegen. “Ich hab mal ein Jahr lang in Kälte gearbeitet, das mache ich nie wieder”, ist einer der ersten Sätze von Christopher Möckel, als er stolz auf seinen Ofen mit dem knisternden Feuer zeigt. So grau die Werkstatt auf den ersten Blick tatsächlich wirkt, will trotzdem kein Unbehagen aufkommen. Die Luft duftet nach Holz, der Boden ist bedeckt von feinen Sägespänen, aus den Boxen schallt Musik und mitten im Chaos steht er - ein glänzender weißer Ford Transit Custom.

Alles, nur nicht von der Stange

Wir befinden uns in der Werkhalle von Christophervanlife, einer jungen Manufaktur für Individualausbauten für Wohnmobile und Wohnanhänger in Schwarzenberg. Neben dem Einbau von sämtlichem Interieur, das ein Van eben so braucht, übernehmen der gelernte Kfz-Mechatroniker und sein Mitarbeiter Felix Georgi auch den Einbau von Fenstern, Standheizungen, Elektro- und Lichtinstallationen, Küchen inklusive Geräten, Solaranlagen und sogar den Bau zertifizierter (Halb)hochdächer samt individueller Dachträgersysteme. “Natürlich können wir keinen günstigen Stangenausbau bieten wie große Unternehmen. Dafür sind all unsere Ausbauten individuell und genau an die Wünsche unserer Kunden angepasst.” Surfer Bernd, wie sie ihn liebevoll nennen, dessen Ford gerade die Werkhalle ziert, bekommt beispielsweise unter dem Bett ein Einschubfach für einen Bierkasten. “Das hat er sich explizit gewünscht, weil er so gern Bier trinkt”, lacht Felix.

Es ist mein absoluter Wille, dass jeder mit einem Lächeln hier raus geht.

So chaotisch die Halle auch erscheint, wird beim ersten Blick ins Auto klar, dass hier Profis am Werk sind. Nach seiner Ausbildung im elterlichen Autohaus arbeitete Christopher mehrere Jahre in einem Autohaus und einem Ralley Team in Österreich, bevor er als Geschäftsführer ins familieneigene Unternehmen zurückkehrte. “Der Anspruch wird immer höher. Wenn man aus einem Autohaus kommt, hat man eine absolute ‘Qualitätsmeise’. Jeder Kunde, der ein Krümel im Fußraum findet, ist unzufrieden. Diesen Qualitätsanspruch übertrage ich in mein Unternehmen. Es ist mein absoluter Wille, dass jeder mit einem Lächeln hier raus geht.” Dennoch braucht es mehr als eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker für anspruchsvolle Ausbauten, wie sie regelmäßig Christophers Werkstatt verlassen. “Unsere Arbeit entstand aus der Praxis heraus. Ich war über viele Jahre hinweg durch den Motorradrennsport fast jedes Wochenende im Bus unterwegs. Felix wohnt von Montag bis Freitag in seinem Van - auch jetzt bei -20°C im Winter. Da merkt man einfach sofort ganz genau, was ein Van braucht und was die Bauteile aushalten müssen.” Die jahrelange Erfahrung beim Bauen und nicht zuletzt Christophers Jahr als Requisitenbauer am Wiener Burgtheater ergänzen das Van-Know How.

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Warum sollte ich Spezialarbeiten selber machen oder gar noch in teure Maschinen investieren, wenn die und das Know-How schon nebenan stehen und man gemeinsam profitieren kann?

Trotzdem gibt es einige Bereiche, in denen Christopher und Felix auf Unterstützung angewiesen sind. So beziehen sie beispielsweise die einzelnen Multiplex-Bauteile für die Möbel von der Firma Woodcore im erzgebirgischen Gornau. “Wir haben mit Woodcore eine Tischlerei, die wirklich alles für unsere Zwecke bauen kann. Statt die Teile also irgendwo billig im Ausland fertigen zu lassen, können wir die Möbelstücke passgenau für jeden einzelnen Van entwerfen und in direkter Abstimmung auf deren CNC-Maschine zuschneiden lassen. Durch die kurzen Wege kann Woodcore auch die Farbwünsche unserer Kunden berücksichtigen.”

Für Christopher und Felix sind es genau diese Nähe und der Zusammenhalt, die die Basis für ihren Erfolg bieten. “Viele große Unternehmen brauchen Jahre für das, was wir hier im Erzgebirge einfach mit einem Handschlag regeln. Das Know-How sitzt hier ja quasi um die Ecke: Eine Tür weiter wohnt ein Kollege, der sich mit Fußböden für jede Beschaffenheit auskennt. Dreihundert Meter weiter einer, der unsere Duschen mit einer speziellen Beschichtung versiegelt, da die im Van viel Bewegung aushalten müssen.” Felix ergänzt: “Ich denke, das ist ein allgemeiner Vorteil ländlicher Regionen. Doch ich habe das Gefühl, dass es im Erzgebirge besonders ausgeprägt ist, dass man so viel geballtes Fachwissen findet und die Leute sich damit wirklich gegenseitig helfen.” Wie bei einem Puzzle fügt sich so bei Christophervanlife buchstäblich ein Bauteil höchster Qualität ins nächste und schafft dabei dennoch ein gänzlich neues und innovatives Produkt.

Christophervanlife

Robert-Koch-Straße 5a

08340 Schwarzenberg

Email : info@christophervanlife.de

https://christophervanlife.de/

Ich denke, das ist ein allgemeiner Vorteil ländlicher Regionen. Doch ich habe das Gefühl, dass es im Erzgebirge besonders ausgeprägt ist, dass man so viel geballtes Fachwissen findet und die Leute sich damit wirklich gegenseitig helfen.

Inzwischen sind seit Christophers Ausstieg aus dem Autohaus-Business und der Gründung seines eigenes Unternehmens im Juni 2020 mehr als 10 ausgebaute Busse aus der Werkstatt gerollt, aktuell zieren 21 (Auto)schlüssel den schweren Bund neben der Tür. Gern denkt er an sein erstes Projekt zurück: “Ich habe damals zum Glück sehr liebe Leute kennengelernt, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, als mein Instagram Account gerade einmal 12 Follower hatte”. Sie vertrauten ihm nicht nur ihren DDR-Qek an, sondern auch 10.000 Euro Budget für dessen Restauration. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man keine Referenzen vorweisen kann, weiß der Gründer. Bei seiner Erzählung, wie er diesen in einen Mini-Airstream verwandelte und die Besitzer beim Abholen tatsächlich Freudentränen weinten, tritt das Leuchten in seine Augen, das man so nur bei wirklich passionierten Menschen sieht. Vor der Tür wartet aber schon das nächste Lieblingsprojekt: Ein sibirientauglicher Komplettausbau für einen Mercedes Sprinter samt Bett, Dusche, doppelter Heizung, speziellen Plätzen für Fahrräder und Hund, Arbeitsplatz mit Monitor  und natürlich einen Dachträger. “Der bekommt eine richtig aggressive, fette Optik.”, schwärmt Felix.

Freiheit made im Erzgebirge

Doch was wäre schon das “Vanlife” ohne “life”? Übrig bliebe vor lauter Arbeit nur noch der Bus, der langsam auf seinem Stellplatz rostet. Da der Gründer sein Firmenmotto “Freiheit made im Erzgebirge” sehr ernst nimmt, ordnet er für alle Beteiligten gemeinsamen Betriebsurlaub im August an. Er weiß, dass zwei Wochen für eine Busreise nicht ausreichen und er möchte nicht, dass alle nur so “herumeiern”. Deshalb gibt es 4 freie Wochen zum Fahren für alle. “Da arbeiten wir lieber den ganzen Juli durch und haben dann Zeit für eine lange Reise.” Sein eigenes Ziel ist Griechenland. Zusammen mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern möchte er endlich in die Wärme. Wer es ihm gleichtun und auch echte Freiheit made im Erzgebirge fühlen möchte, kann in Kürze eines der beiden “Christophervanlife”-Fahrzeuge mieten - komplett ausgebaut natürlich mit allem, was das Camperherz begehrt.

Text & Fotos: Magda Lehnert