Erzgebirge kürt sein Lieblingswort: 603 Stimmen für „Verhuhnebibeln“
Rund 2.500 Stimmen für erzgebirgische Mundart
Bereits seit 2017 sucht der Erzgebirgsverein gemeinsam mit der „Freien Presse“ jedes Jahr ein besonderes Wort aus der Region. Zum zehnten Jubiläum stand die Aktion unter dem Motto „Mei arzgebirgsches Lieblingswort“. Rund 500 Wortvorschläge gingen ein. Davon kamen etwa 65 in die engere Auswahl. Anschließend bestimmte eine Jury aus bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Sport und Kultur die zehn Begriffe für die Abstimmung. Dazu gehörten unter anderem Rodlerin Julia Taubitz , Skisprung-Legende Jens Weißflog und Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch sowie des Regionalmanagement Erzgebirge.
Rund 2.500 Menschen beteiligten sich an der Wahl im Internet, per Postkarte oder E-Mail. Mit 603 Stimmen gewann „Verhuhnebibeln“ deutlich vor „zammnammsch“, dem erzgebirgischen Ausdruck für sparsam. Den dritten Platz belegte „Dingrich“, die Bezeichnung für einen seltsamen Mann.
Ein Wort aus Omas Sprachschatz gewinnt
Der Vorschlag für das Siegerwort stammt von Stefanie Möckel aus Schönheide. Sie verbindet damit persönliche Erinnerungen: „Meine Oma hat es öfter verwendet. Deshalb habe ich es genommen.“ Auch die Kinder des Thumer Schnitz- und Klöppelvereins hatten sich für diesen Ausdruck entschieden. Für Carmen Krüger, Kulturwartin des Erzgebirgsvereins, war das eine Überraschung: „Ich hätte nicht gedacht, dass die Kinder ‚verhuhnebibeln‘ raussuchen.“ Die Wahl zeigt, wie die erzgebirgische Mundart verschiedene Generationen verbindet.
Woher kommt eigentlich „Verhuhnebibeln“?
Der Ausdruck hat eine lange Geschichte. Seine Wurzeln liegen im sächsisch-thüringischen Sprachraum. Er geht vermutlich auf die „Hohlhippe“ zurück, eine hohle, teils kegelförmige Waffel. Die Verkäufer dieser Süßigkeit wurden „Hohlhipper“ genannt. Sie sollen sich gern mit ihren Kunden geneckt haben. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit der Ausdruck „verhohnepiepeln“. Über die sächsische Mundart gelangte das Wort ins Erzgebirge und erhielt dort seine eigene Aussprache.
Auch außerhalb der Region ist der Begriff bekannt. Bereits 2013 wurde die obersächsische Variante „forhohnebibln“ zum schönsten sächsischen Wort des Jahres gewählt.
Mundart-Gala im Erzgebirge begeistert 320 Gäste
Die Verkündung im Volkshaus Thum war auch in diesem Jahr ein gut besuchtes Fest der erzgebirgischen Sprache. Die 320 Plätze waren innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Die Bergkapelle Thum eröffnete das Programm mit dem Steigerlied. Anschließend sorgten die Erzgebirgsgruppe Ehrenfriedersdorf, die Fiedler-Spechte und die Sauberger Draackfink’n für musikalische Unterhaltung.
Durch das Programm führten Carmen Krüger, Robby Schubert und Regine Seifert. Sie stellten die zehn Wörter vor und erzählten Geschichten aus dem Erzgebirge. Für den Erzgebirgsverein steht bei der jährlichen Wahl der Erhalt der regionalen Sprache im Mittelpunkt. „Es ist ganz wichtig, dass wir Erzgebirger nicht unsere Sprache verlieren“, betonte Carmen Krüger.
Die Aktion wird deshalb auch in den kommenden Jahren fortgesetzt. „Verhuhnebibeln“ löst nun das Vorjahreswort „Huscherle“ ab. Dieses bezeichnet ein kleines, gemütliches Feuer im Ofen. Mit dem neuen Siegerwort erhält die erzgebirgische Mundart erneut viel Aufmerksamkeit. Zugleich bleiben alte Ausdrücke im Gespräch und werden an jüngere Generationen weitergegeben.