"Ich und mein Holz(heizkessel)"

22.01.2026

Wie die Unternehmensnachfolge der Schönfelder GmbH in Sehmatal geglückt ist.

28 Prozent der Unternehmen, die vor einer Nachfolge stehen, droht das Aus. Hochgerechnet blicken deswegen in den nächsten fünf Jahren über eine Viertel Million Unternehmen deutschlandweit auf die Situation, ihre Türen schließen zu müssen. Das geht aus dem DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2024 hervor. Als Hauptgrund wird neben wirtschaftlichen Unsicherheiten angegeben, keine geeignete Nachfolge zu finden. Unternehmensnachfolge langfristig zu denken, ist ein Ratschlag, den all jene geben, bei denen das Vorhaben geglückt ist – so wie bei der Firma Schönfelder GmbH in Sehmatal.

Uwe Schönfelder war schon immer ein Mann mit Weitblick. Bereits seine Firmengründung im Jahr 1997 plante er von langer Hand. „Ich wollte mich selbstständig machen – aber erst, wenn ich genug Erfahrung habe“, erklärt der Meister des Gas- und Installateurhandwerks. So durchlief er bewusst mehrere Firmen mit unterschiedlichen Produkten und Führungsstilen, übernahm Verantwortung und lernte täglich hinzu – in handwerklicher Praxis und im kaufmännischen Bereich. Gemeinsam mit einem Verkaufsprofi – „Verkauf ist so wichtig im Handwerk“ – ging er schließlich das eigene Unternehmen an unter der Devise: „Gründen ja. Aber: Ich möchte mich abheben vom Rest meiner Branche.“

NISCHE ALS ERFOLGSREZEPT ZUR GRÜNDUNG

Heute ist die Schönfelder GmbH eine feste Größe im Bereich innovativer Holzheiztechnik und überregional bekannt. Nach der Wende boomte die Heizungsbranche – aber der Markt war mit „klassischen“ Produkten bald gesättigt. Während viele sich auf Altbewährtes verließen, suchte Uwe Schönfelder eine Nische. „Uns war klar: Gas und Öl haben ein Ablaufdatum. Wir müssen Mut haben und radikal umdenken und den Schritt Richtung erneuerbare Energien wagen, auch wenn's ein schwerer Weg wird.“ Und das war es, denn Holzheizkessel waren damals bestenfalls etwas für Förster mit eigenem Wald. „Wir haben uns da reingekämpft“, erinnert sich der Unternehmensgründer.

Das Unternehmen steht auf zwei Standbeinen: Zum einen verbaut das aus zehn Mitarbeitenden bestehende Team Holzheiztechnik und erneuerbare Energie von drei ausgewählten, hochwertigen Herstellern, vor allem für Einund Zweifamilienhäuser. Zum anderen entwickelt und produziert Schönfelder Holzheizkessel für gewerbliche Zwecke wie Tischlereien, Land- und Forstwirtschaft sowie Industriebetriebe.

Was die Holzheizkessel von Schönfelder so besonders macht?
Sie bieten ein unabhängiges Heizen mit einem breiten Brennstoffspektrum: von ganzen Paletten über Spanplatten bis hin zu Restholz der Klassen 6 und 7. Was sonst teuer entsorgt werden müsste, wird hier zur sauberen Energiequelle mit einem Emissionsausstoß, der nahezu bei Null liegt. Und Schönfelder baut auch hier auf Langlebigkeit. „Ein Kessel von Schönfelder ist mehr als ein technisches Gerät. Er soll ein Familienmitglied werden – langlebig, zuverlässig, treu“, sagt Felix Schönfelder, der Sohn des Firmengründers und dessen Nachfolger als Geschäftsführer.

VOM NEUGIERIGEN JUNGEN ZUM GESCHÄFTSFÜHRER

Generationenübergreifend denken: Für Uwe Schönfelder ist das nicht nur eine Komponente, die die Produkte betrifft. An seine Nachfolge dachte der heute 61-Jährige schon früh. Dass sie sich in der eigenen Familie, mit dem Sohn, ergeben hat, erweist sich für ihn als Glücksfall. Zu keinem Zeitpunkt wurde Felix gedrängt – aber früh inspiriert. „Mit sechs Jahren war ich das erste Mal mit in der Werkstatt, wo Vater seinen ersten Kessel gebaut hat. Der läuft übrigens heute noch bei uns“, erzählt er. Mit 13 begleitete er ihn auf Messen und tastete sich aus Freude und Neugier an der Sache in ersten eigenen Kundengesprächen an die Thematik heran. Dann ging es Schlag auf Schlag: Ferienarbeit, Praktikum, Ausbildung als Jahrgangsbester, parallel absolvierte er seinen technischen Betriebswirt. Danach zwei, drei wichtige Praxisjahre im Betrieb, dann Meisterschule – ebenfalls als Jahrgangsbester von 200 Mitstreitern. Ende 2022 wurde er zweiter Geschäftsführer, Anfang 2025 übernahm er allein. Insgesamt dauerte die Übergangsphase bei Schönfelders etwa vier Jahre. Es ist ein Zeitraum, den Vater und Sohn als ideal empfinden: „Die langsame und schrittweise Übergabe war für uns sehr wichtig. Bewusst Freiräume zu schaffen, Zeiten, in denen man nicht nur arbeitet, sondern wirklich lernen, Fragen stellen und Verantwortung Stück für Stück übernehmen kann: Das hat uns sehr geholfen, die Herausforderungen zu meistern.“

Ein Kessel von Schönfelder soll ein Familienmitglied werden – langlebig, zuverlässig, treu.

BEIDSEITIGE WERTSCHÄTZUNG ALS OPTIMALE BASIS

„Man hat nur zwei Optionen: Entweder man verkauft – oder man lässt das Unternehmen in der Familie. Klar dachte ich an den vielen Tagen, an denen ich bis in die Abendstunden das Unternehmen aufbaute: Es wäre schön, wenn es in der Familie bleibt“, so Uwe Schönfelder heute. Forderungen an den Sohn stellen, das wollte er nie. Aber die Neugier fördern, ihm Freiraum geben, alle Fragen beantworten und ihn vor allem einbinden in alle Prozesse: Das hat er gemacht, als er spürte, dass beim Sohn das Interesse da war.

Uwe Schönfelder weiß: Vielen Unternehmern fällt es schwer, rechtzeitig loszulassen: „Wenn aber die nächste Generation sich Führung zutraut und alles beherrscht – manches wie die PC-Technik sicher noch besser – warum sollte ich dann nicht abgeben?“ Den Sohn zunächst als zweiten Geschäftsführer einzusetzen, war von Anfang an nur als Übergangslösung gedacht. „Wenn er ewig Zweiter bleibt, ist er doch irgendwie gehemmt.“

Felix Schönfelder weiß seinen Vater im Hintergrund, er sitzt für alle Fragen und Zweitmeinungen nur einen Schreibtisch entfernt. „Es ist gut, dass du noch im Unternehmen bist und ich dich fragen kann: Wie denkst du darüber“, sagt der junge Chef zu seinem Vater. Und auch: „Ich schätze sehr, was du hier aufgebaut hast.“

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