Spezialisten mit hERZ: Auto-Umbau für Menschen mit Handicap

07.09.2021

Behindertengerechte Spezialfahrzeuge aus dem Erzgebirge sind deutschlandweit gefragt

Denkt man an die Automobilindustrie in der Region Chemnitz, denkt man an Tradition, Zukunft und an namhafte Marken. Doch abseits davon gibt es durchaus kleine Unternehmen, die in dem Bereich großes leisten. Ein Unternehmen ist die REHA Automobil-Technik GmbH in Zschorlau. Es ist eins von ganz wenigen in Deutschland, das sich darauf spezialisiert hat, Fahrzeuge behindertengerecht umzubauen. 

Für Geschäftsführer Matthias Schuster, der seit nunmehr 30 Jahren das Unternehmen im Erzgebirge führt, ist es eine Herzensangelegenheit, dass Menschen mit Behinderung als Selbst- oder Mitfahrer mobil bleiben. „Jedes unserer Fahrzeuge ist eine Spezialanfertigung, denn es wird ganz individuell auf den Kunden angepasst“, erzählt er. Je nach Auftrag kann solch ein Umbau zwischen 800 und 90.000 Euro kosten. Kostenträger, wie die Agenturen für Arbeit, die Rentenversicherungen, das Integrationsamt oder die Berufsgenossenschaften helfen in vielen, aber leider nicht in allen Fällen bei der Finanzierung dieser Vorhaben. Die Fertigungszeit variiert in der Regel zwischen ein paar Tagen bis zu zwei Monaten.

Jedes unserer Fahrzeuge ist eine Spezialanfertigung, denn es wird ganz individuell auf den Kunden angepasst.

Seine Kunden kommen nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus dem Ausland. „Ein Kunde kam zum Beispiel aus Gibraltar. Er hatte uns im Internet gefunden“, erzählt der Geschäftsführer nicht ohne Stolz. Natürlich läuft ein Kundengespräch bei der REHA Automobil-Technik GmbH etwas anders ab, als in einem Autohaus. „Man muss sich Zeit nehmen, denn neben dem Grad der Behinderung ist wichtig, zu analysieren, welche Beeinträchtigungen der Fahrer dadurch hat. Dann liegt es an uns, auf Grundlage vorliegender Gutachten und der Erkenntnisse des persönlichen Gespräches technische Möglichkeiten zu finden, damit das Fahren mit bestehendem Handicap möglich ist. Beachten muss man auch, ob eine Krankheit vorliegt, die dazu führt, dass sich der Zustand des Fahrers im Laufe der Zeit verändern wird“, erzählt Schuster, der in den 30 Jahren viel über das Thema gelernt hat und der regelmäßig bei Ärzten und Wohlfahrtsverbänden Vorträge hält. 

Man muss sich Zeit nehmen, denn neben dem Grad der Behinderung ist wichtig, zu analysieren, welche Beeinträchtigungen der Fahrer dadurch hat.

Wenn die Basics geklärt sind, geht es an die Recherche, welche Teile für das Fahrzeug benötigt werden. Die Palette ist breit und reicht von mechanischen Handbedienungen und Gaspedalverlegungen bis hin zu elektronischen Fahrsystemen mit speziellen Lenkrädern und Joysticks für Lenkung, Gas und Bremse sowie Sprachsteuerungen für die elektrischen Funktionen, aber auch Schwenksitze sowie Lifter und Rampen für den Rollstuhltransport.

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Was sich zunächst einfach anhört, sind hochkomplexe Systeme, die in ein Auto – ganz egal welcher Marke – eingepasst werden müssen. Dafür sorgen bei der REHA-Automobil-Technik GmbH insgesamt sieben Mitarbeiter. Damit der Kunde mit den entsprechenden technischen Finessen klar kommt, arbeitet er außerdem eng mit einer Fahrschule zusammen, die Menschen mit Behinderung zum Führerschein führt oder auch Fahrproben bzw. -stunden mit den dafür individuell umgebauten Fahrzeugen auf Wunsch durchführt.

Unsere Auftragsbücher sind jedenfalls voll und zufriedene Kunden der beste Beweis für gute Arbeit.

Dass der Bedarf an behindertengerechten Fahrzeugen groß ist, kann der Geschäftsführer nur bestätigen: „Sicher bereiten mir der Chipmangel oder verspätete Lieferungen von Bauteilen zunehmend Sorgen. Unsere Auftragsbücher sind jedenfalls voll und zufriedene Kunden der beste Beweis für gute Arbeit.“ 

Text & Fotos: Dieser Beitrag erschien zuerst bei der IHK Chemnitz