Kleinstes Porzellan kehrt mit neuer Geschichte ins Erzgebirge zurück
Eine Porzellangeschichte mit Lößnitzer Wurzeln
Hinter dem Projekt steckt eine Geschichte, die viele Menschen im Erzgebirgsort seit Jahrzehnten bewegt. Zwischen 1911 und 1913 entstand in Meißen ein Porzellanservice aus 142 winzigen Teilen. Jedes Stück war etwa so klein wie ein Fingernagel. Ab 1929 war das Service im Lößnitzer Bahnschlösschen zu sehen. In den 1960er Jahren wurde es in die damalige Bundesrepublik gebracht. Später gelangte es zu einem Antiquitätenhändler. Ältere Einwohner aus Lößnitz machten sich viele Jahre danach auf die Suche nach dem besonderen Porzellan – und fanden es tatsächlich wieder.
2009 kam das Miniaturservice für eine Sonderausstellung zum Salzmarkt zurück ins Erzgebirge . Fast 3.000 Besucher sahen sich den kleinen Schatz damals an. Doch die Freude hielt nicht lange. 2012 wurde der Antiquitätenhändler in Süddeutschland überfallen. Das Porzellan verschwand. Sein Wert lag bei mehr als zwei Millionen Euro. Selbst eine Belohnung von 80.000 Euro brachte keinen Erfolg. Bis heute fehlt von dem historischen Service jede Spur.
Neues Miniaturservice entsteht im Erzgebirge
Nun bekommt die Geschichte eine Fortsetzung. Uli Aigner fertigt eine moderne Fassung des historischen Services samt Mobiliar. Beteiligt sind die Stadt, die Lößnitz MAKERS, Aussteller von „Purple Path en miniature“ und der Heimatverein. Die ersten Stücke stehen inzwischen öffentlich in der neuen Vitrine. Ihr Standort schafft zugleich einen Bezug zu zwei ganz anderen Arbeiten Aigners. Ihre monumentalen Porzellanobjekte mit den Nummern 3501 und 3502 kamen im Kulturhauptstadtjahr nach Lößnitz und gehören zum Purple Path . Damit treffen im Erzgebirgsort sehr große und sehr kleine Porzellanarbeiten aufeinander. Während die beiden großen Objekte durch ihren Durchmesser auffallen, knüpft das Miniaturservice an eine lokale Geschichte an, die mehr als 100 Jahre zurückreicht.
Patenschaften sollen alle 142 Teile sichern
Für die Fertigung des gesamten Services werden weitere Patinnen und Paten gesucht. Rund 90 Patenschaften bestehen bereits. Das Ziel sind 142 Miniaturen – genau so viele Teile besaß das historische Vorbild. Auch eine weitere Idee steht bereits im Raum: ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Ob es dazu kommt, ist noch offen. Fest steht dagegen schon jetzt: Mit dem neuen Miniaturservice bekommt Lößnitz ein Stück seiner Porzellangeschichte zurück – neu geschaffen und getragen vom Einsatz vieler Menschen im Erzgebirge.