Im Traditionsbetrieb riecht's seit fast 130 Jahren nach Schnaps

Seit 1882 floriert das Spirituosen-Geschäft in Crottendorf. Am Tag des traditionellen Handwerks dürfen Neugierige auch in die Produktion schauen.

VON PETRA KADEN

CROTTENDORF - Der Schnellhefter mit den handgeschriebenen Rezepturen könnte auf den ersten Blick auch aus der Küche einer kreativen Hausfrau stammen. Ein zweiter offenbart allerdings, dass mit Zutaten wie Wermut, Angelika-Wurzel, Kakaoschalen oder Pomeranzenfrüchten kaum klassische Hausmannskost entsteht. Was Firmenchef Peter Ficker in den Händen hält, sind die Rezepte jener Kräuterliköre, für die die "Grenzwald-Destillation Otto Ficker GmbH" weit über das Erzgebirge hinaus bekannt geworden ist.

"Mein Großvater hat die Firma 1933 übernommen", sagt der heutige Inhaber mit Blick auf das alte Foto, das zusammen mit anderen historischen Aufnahmen ein Stück Geschichte des Crottendorfer Familienunternehmens dokumentiert. Als Otto Ficker ins Geschäft mit den Spirituosen einstieg, existierte dieses bereits seit 1882. Der gelernte Destillateur kreierte Klassiker wie den Grenzwald-Kräuterlikör, der sich bis heute größter Beliebtheit erfreut.

"Wir probieren immer wieder neue Rezepturen aus."

Peter Ficker Firmenchef

Doch auch ein Traditionsbetrieb wie die Grenzwald-Destillation muss mit der Zeit gehen. "Wir probieren immer wieder neue Rezepturen aus", erklärt Peter Ficker. "In diesem Jahr haben wir zum ersten Mal Gin hergestellt. Auch bei den fruchtigen Likören und Bränden ändern sich die Vorlieben der Kundschaft. Diesen Wünschen kommen wir entgegen, indem wir regelmäßig Neuheiten auf den Markt bringen", erläutert der 55-Jährige die Philosophie. An oberster Stelle steht für den Fachmann dabei die Qualität der Zutaten. "Wir verwenden zur Produktion unserer Schnäpse sogenannten Neutralalkohol", erklärt der Crottendorfer den Werdegang des hochprozentigen Genussmittels: "Die Kräuter beziehen wir aus dem Großhandel, die Mischung erfolgt nach überlieferten Rezepturen von Hand in unserer Kräuterkammer." Die befindet sich im Obergeschoss des idyllisch gelegenen Anwesens an der Oberwiesenthaler Straße und enthält so ziemlich alles, was dazu dient, einem Kräuterlikör das gewisse Etwas zu verleihen. Dazu gehören exotische Zutaten genauso wie jene Kräuter, die wild auf Wiesen und an Feldrändern wachsen. Doch nicht nur die Mischung macht's: Nach den Erfahrungen von Peter Ficker ist auch die Lagerung sowohl der Rohstoffe wie auch der daraus hergestellten Ansätze für den Geschmack wichtig. Deshalb ist der Firmenchef froh, dass er seine Alkohol-Kräuter-Mixturen, die die Grundlage für den späteren Schnaps bilden, in Behältern aus Steinzeug lagern kann. "Heute werden solche Gefäße nicht mehr produziert", bedauert er und ist sich sicher, dass sie im Gegensatz zu neuen Modellen aus Kunststoff oder Edelstahl den Geschmack der Liköre positiv beeinflussen.

Zehn Mitarbeiter sind bei der Grenzwald-Destillation beschäftigt, die Jahresproduktion liegt bei etwa 120.000 Litern. Rund 30 Sorten werden in den schrittweise modernisierten und erweiterten Räumen hergestellt, in die laut Firmenchef grob geschätzt seit der Wende rund eine halbe Million Euro investiert wurden. Mit einer Mischung aus traditionellen und neu kreierten Produkten behauptet sich das Unternehmen Ficker seit fast 80 Jahren erfolgreich am Markt.

Zum Tag des Handwerks am kommenden Sonntag ist neben dem Schnapsmuseum erstmals die Produktionsstätte an der Oberwiesenthaler Straße 7 geöffnet. Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 13.10.2011