Jahrhundert-Tradition geehrt: Annaberger Kät wird Teil des immateriellen UNESCO-Kulturerbes

Die deutsche Schaustellerkultur ist seit März 2026 immaterielles Kulturerbe. Mit dieser Entscheidung würdigt die Deutsche UNESCO-Kommission gemeinsam mit Bund und Ländern eine lebendige Tradition. Davon profitiert auch die Annaberger Kät – das größte Volksfest im Erzgebirge und eines der ältesten Volksfeste Deutschlands. Jährlich zieht die Annaberger Kät hunderttausende Besucher nach Annaberg-Buchholz . Das Volksfest ist fest im kulturellen Leben des Erzgebirges verankert. Generationen von Schaustellerfamilien prägen die Veranstaltung bis heute.

Über 500 Jahre Tradition im Erzgebirge

Die Geschichte der Annaberger Kät reicht bis ins Jahr 1519 zurück. Damals wurde ein Friedhof außerhalb der Stadtmauern mit heiliger Erde aus Rom geweiht. Eine päpstliche Bulle stellte den Annaberger Gottesacker dem „Campo Santo“ in Rom gleich. Ab 1520 entwickelte sich zum Trinitatisfest eine Wallfahrt nach Annaberg. Nach der Reformation wandelte sich das Fest. Aus der religiösen Wallfahrt entstand zunächst ein sommerliches Totenfest. Später entwickelte sich daraus ein Jahrmarkt mit Fahrgeschäften und Buden. 1869 zog die Kät auf die Schützenwiese oberhalb des Schutzteiches um. Der Name „Kät“ leitet sich von der mundartlichen Aussprache des Wortes Dreieinigkeit – „Dreiaanigkät“ – ab.

Schaustellerkultur verbindet Generationen

Mit der Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes wird die Schaustellerkultur besonders gewürdigt. Volksfeste vereinen handwerkliche, technische und künstlerische Fähigkeiten. Gleichzeitig schaffen sie Orte der Begegnung für Menschen aller Generationen. Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch erklärt: „Volksfeste sind nicht nur Orte des Vergnügens, sie sind Erinnerungen an Kindheit, an leuchtende Augen, an den Duft von gebrannten Mandeln und das Gefühl von Gemeinschaft. Hinter all dem stehen Schaustellerfamilien, die oft seit Jahrzehnten – manchmal seit Jahrhunderten – ihr Leben dieser besonderen Kultur widmen.“

Auch die Schausteller selbst sehen in der Anerkennung eine wichtige Wertschätzung. Rico Illgen, Vorsitzender des Mittelsächsischen Schaustellerverbandes Chemnitz, betont: „Volksfeste sind weit mehr als Unterhaltung. Sie sind lebendige Orte der Begegnung, an denen Traditionen weitergegeben werden und Gemeinschaft entsteht.“

Die KÄT steht heute für Tradition, Gemeinschaft und gelebtes Brauchtum im Erzgebirge. Die Aufnahme der Schaustellerkultur in das immaterielle Kulturerbe unterstreicht diese besondere Bedeutung und rückt das größte Volksfest im Erzgebirge erneut in den Mittelpunkt.