Familie Konrad im unterwegs im Wald unweit ihres neuen Grundstücks.

Wenn ein Urlaubsschwarm zur Dauerliebe wird...

10.01.2023

dann sind Berliner im Erzgebirge gut angekommen.

Thorsten Konrad ist ein waschechter Berliner. Er ist in der Hauptstadt geboren und hat vierzig Jahre dort gelebt. Doch nun kehrt er der Spreemetropole den Rücken – und zieht mit seiner Familie ins Erzgebirge .

Alles begann mit einem Urlaub . Thorstens Frau Jeannine stammt aus Lauta in „Randsachsen“, wie sie selbst sagt, und verbrachte als Kind ihre Ferien und Projekttage oft im Erzgebirge. „Stundenlang sind wir mit einem Förster durch den Wald gestreift, und im Winter ging’s in die Berge zum Skifahren.“ Ein Gefühl, das sie auch ihrer Familie weitergeben wollte, mit der es sie nach Berlin gezogen hatte. „Mein Mann ist ein echter Hauptstädter“, lacht die 42-Jährige. „Und weil er nicht damit groß geworden ist, sonntags mal eben Ski zu fahren, dachte ich, kleine Berge tun es auch.“ So buchten sie vor einigen Jahren ihren ersten Winterurlaub im Erzgebirge – erstmal nur zum Schlittenfahren.

Mensch, wenn wir hier ‘ne Wohnung hätten

Aus einem Erzgebirgs-Urlaub wurden viele. Jedes freie Wochenende zog es die Berliner nach Oberwiesenthal – auf Dauer ein ziemlich teures Unterfangen. Eines Tages sagte Thorsten aus Spaß zu Jeannine: „Mensch, wenn wir hier ‘ne Wohnung hätten …“ Mal fix das Handy rausgeholt und nachgeguckt – und tatsächlich gab es in Oberwiesenthal eine Wohnung ganz nach ihrem Geschmack günstig zu kaufen. Thorsten fackelte nicht lange: „Wir sparen die Hotelkosten und sind viel flexibler“ – und zack war die Wohnung gekauft. „Danach sind wir flügge geworden“, erzählt er. „Nach und nach entdeckten wir die Gegend rund um Oberwiesenthal und schwärmten weiter aus. Und alles, was wir sahen, hat uns so fantastisch gefallen, dass wir immer schlechtere Laune hatten, wenn wir wieder zurück nach Berlin fuhren.“

Seine Frau pflichtet ihm bei: „Wir waren zu jeder Jahreszeit im Erzgebirge – die Natur ist immer wunderschön. Alles ist so unberührt: wilde Wege, überall wächst Moos, ein wildes Bächlein plätschert über die Wurzeln, hier findest du einen Pilz, dort einen Stein, und dann funkeln die noch so schön …“ Ihre Augen leuchten, während sie erzählt. „Wenn du zu Fuß läufst, lernst du die Gegend richtig kennen. Alles, was wir sahen, gefiel uns so gut, dass wir gern für immer hier leben wollten.“

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Zänkisches Bergvolk? Von wegen!

Doch dafür war die Wohnung in Oberwiesenthal zu klein. Also schaute sich die junge Familie nach einer größeren Bleibe um, die sie schließlich in Ehrenfriedersdorf fand. Die Mietwohnung hier soll nur eine Zwischenstation sein – denn die Konrads wollen bauen. Ein eigenes Haus im Grünen – welcher Städter träumt wohl nicht davon? Ein Grundstück in Jahnsbach, einem Ortsteil von Thum, haben sie schon gefunden. Mit den zukünftigen Nachbarn verstehen sie sich blendend, wie überhaupt mit den Menschen hier. „Zänkisches Bergvolk? Von wegen!“, lacht Thorsten. „Wir haben wirklich alles hier erlebt – nur nicht diese Vorurteile.“

Alles, was wir sahen, gefiel uns so gut, dass wir gern für immer hier leben wollten.

Dass sie mal ein Haus bauen würden, wäre in Berlin undenkbar gewesen. „Das ist für uns wie ein Sechser im Lotto“, strahlt Jeannine. „Uns war bewusst, dass unser Plan nicht einfach umzusetzen ist – und doch hat alles wunderbar geklappt: Wohnung, Arbeit, Schule und nun noch das Grundstück für ein eigenes Haus hier in Thum. Wie oft haben unsere Berliner Freunde ungläubig gefragt: ‚Das könnt ihr doch nicht wirklich machen!‘ Und jetzt schaut’s euch an, wie gut es geht!“


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„Thum hat alles geboten, was wir uns gewünscht hatten“, schwärmt Familie Konrad. „Eine hübsche Kleinstadt, nicht weit von Chemnitz, wo wir beide problemlos einen neuen Job bei der Bundesagentur für Arbeit gefunden haben, bei der wir auch schon in Berlin beschäftigt waren. Die Schule ist im Ort, es fährt ein Bus, man kann gut einkaufen, hinter uns liegt ein riesiger Wald, die Greifensteine sind ganz in der Nähe und der Geyersche Teich lädt zum Baden ein.“

Sohn Florian geht seit August in Thum aufs Gymnasium – mit dem Wechsel in die fünfte Klasse passte auch das gut ins Leben, denn in Berlin wäre er ebenfalls in eine völlig neue Klasse gekommen. „Florian spielt Eishockey, und die Chemnitz Crashers haben ihn sofort ganz toll aufgenommen“, freut sich seine Mama. „Er hat sich super eingelebt – nur mit dem Dialekt hat er manchmal noch zu kämpfen. Als er am zweiten Tag aus der Schule nach Hause kam, sagte er: ‚Mama, die sprechen hier wirklich ganz anders!‘ – nur um mir dann zu erzählen, dass er heute zwei ‚Bescher‘ Wasser getrunken hat – mit einem schönen harten ‚sch‘, wie man es im Erzgebirge eben sagt“, lacht sie.


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Berlin passt nicht mehr zu uns.

Vermissen sie die Hauptstadt? „Berlin ist zu einer Lebenseinstellung geworden“, sagt Thorsten, der sein ganzes Leben dort verbracht hat, „und die passt nicht mehr zu uns. In Berlin brauche ich anderthalb Stunden für zwölf Kilometer – in der Zeit ist Jeannine vom Erzgebirge bis zu ihrem Vater in die Lausitz gefahren.“ „Oh ja“, ergänzt Jeannine schmunzelnd, „wenn meine Chemnitzer Kollegen einmal in Berlin mit dem Auto zur Arbeit gefahren wären, würden sie die Landstraße hier ganz anders genießen.

Im Erzgebirge ist jede Autofahrt ein kleiner Urlaub. Wenn ich früh die halbe Stunde nach Chemnitz unterwegs bin, genieße ich jede Sekunde. Wie die Sonne früh über die Bergspitzen schaut – so was siehst du in Berlin nie. Der Blick in der Großstadt ist wirklich eingeschränkt, überall immer nur Häuserwände. Hier kann ich weit übers Land blicken. Besonders im Herbst ist das eine Wohltat fürs Auge. Was man hier alles an Farben erleben kann, das gibt’s in keiner anderen Gegend.“ „Das Erzgebirge ist pure Entschleunigung“, stimmt Thorsten ihr zu. „In der Stadt lebst du im Dauerstress. Alles hat lange geöffnet, also geht man abends spät noch einkaufen. Hier ist dann eben geschlossen – also ist es auch mal gut.“

Am meisten freuen sie sich auf die Weihnachtszeit , wenn alles so schön funkelt und angestrahlt ist – nicht so bunt wie in Berlin, sondern still und dezent in hellem Licht. Natürlich ist die Familie voll ausgestattet mit Schwibbögen und Nussknackern und Räuchermännchen – wie es sich für echte Erzgebirger gehört. „Wir sind hier angekommen“, lächeln die Konrads und nehmen sich in den Arm. „Das Erzgebirge erinnert mich an meine Kindheit“, sagt Jeannine. „Hier habe ich das gefunden, was ich für meinen Sohn immer wollte.“ Und Thorsten meint: „Jeannine hat immer zu mir gesagt, in der Großstadt kann ich nicht alt werden. Und am Ende war ich der treibende Keil, der da rauswollte. Ich hätte echt was verpasst in meinem Leben, wenn ich immer nur in Berlin geblieben wäre.“

Text: Sylva-Michéle Sternkopf
Fotos: Anna Werner


3 Tipps:

Was ich mich vor dem Umzug aufs Land fragen sollte...

1

Wie komme ich von A nach B?

Tatsächlich wird hier ein Auto gebraucht. Wenn du nicht gern hinterm Steuer sitzt, solltest du den Schritt noch einmal überdenken. Das musst du einfach wissen – sei es, um ins Büro zu fahren oder vielleicht, das Kind zum Hobby zu bringen.

2

Wie kann ich vor Ort neue Kontakte knüpfen?

Ankommen und sich heimisch fühlen, gelingt am besten im Beisein von anderen Erzgebirgern. Die findest du in unzähligen Vereinen von Sport, Kultur bis zum Bergbau . Denn die Vereinslandschaft ist im Erzgebirge so groß wie kaum anderswo.

3

Wie viel Nähe zur Stadt brauche ich auf dem Land?

Auch das ist eine Frage, die du dir stellen solltest bei der Wohnortwahl. Von Jahnsbach aus ist die kleine Großstadt Chemnitz mit all ihren Angeboten nur 30 Minuten entfernt, Leipzig und Dresden nur 1,5 Stunden.