Alltag mit Aussicht

28.09.2021

Zu Gast bei der Sauberg-Wirtin in Ehrenfriedersdorf

Was die „Vugelbeern“ mit dem Sauberg und einem Kopf voller Ideen zu tun haben.

Der Wind bläst einem um die Ohren, verwirbelt die Haare und entspannt den Blick. Denn den kann man schweifen lassen über die bergige Landschaft, das Grün des Waldes am Berghang gegenüber und das malerisch eingebettete Ehrenfriedersdorf. Wir stehen zusammen mit der ersten Vugelbeerkaiserin Constance Brosell über der Bergstadt auf dem Sauberg, neben ihrem „Vugelbeerbaam“. Den hat sie selbst zur Eröffnung ihrer Sauberg-Klause vor zwölf Jahren gepflanzt. Ein kleines Bäumchen noch. Zurzeit über und über mit verführerisch roten Vogelbeeren übersät.

Im Zeichen der gesunden Vogelbeere

Das Tal liegt vor uns. Das ehemalige Bergwerk auf dem Sauberg mit Förderturm haben wir im Rücken. Die Zinngrube ist heute Teil des UNESCO-Welterbes und als Besucherbergwerk Anziehungspunkt für Familien und Welterbe-Touristen. Schon im 13. Jahrhundert wurde hier in der Grube Zinn gewonnen – bis zum 3. Oktober 1990. Fünf Jahre später nahm das Besucherbergwerk offiziell seinen Betrieb auf. In einem der ehemaligen Schachtgebäude befindet sich Constances Reich – die Sauberg-Klause. Vom „Vugelbeerbaam“ geht es hinein in die urig gemütliche und dennoch moderne Gaststube.

Und hier gibt es laut Constance Brosell „saugute Sachen“, schmunzelt die quirlige Frau in ihrem Kaiserinnenkleid. Sie rückt die Schärpe über der weißen Bluse zurecht und strahlt übers ganze Gesicht. Ihre Augen leuchten immer, egal, ob sie schnell in der Küche verschwindet oder mit den Urlaubern am Nachbartisch spricht: natürlich über das Bergwerk am Sauberg, ihre Funktion als Vugelbeerkaiserin und auch über die ihr liebste Beere – die Vogelbeere.

Constance Brosell wurde wegen ihrer Leidenschaft zu der roten Frucht in Lauter zur 4. und 5. Vugelbeerkönigin von 1999 bis 2001 gewählt. Jetzt bekleidet sie das Amt der Kaiserin, die 2018 erstmals aus allen bisherigen Königinnen gekrönt wurde. Ich höre sie am Nachbartisch schwärmen: von der gesunden Vitamin-C-Bombe und verschiedenen Leckereien, die aus der Vogelbeere gezaubert werden können.


Guter (Berg-) Geist des Unternehmens

Wenn Constance Brosell erzählt, spürt man ihre Leidenschaft für die Gastronomie. Es sprudelt nur so aus ihr heraus – voller Herzlichkeit und manch typisch erzgebirgisch derbem Humor. Sie ist nicht nur Hausherrin, sondern auch der gute Geist des Unternehmens. Auch im Krisenjahr 2020 behält die 43-Jährige ihren Mut. Den Kopf trotz aller Schwierigkeiten in den Sand stecken? Für das Organisationstalent keine Option.

Andere hatten eine Milchflasche. Ich hatte einen Zapfhahn zum Spielen!

Das Arbeiten in der Gastronomie – aber auch die Liebe zur Heimat – ist ihr in die Wiege gelegt. „Andere hatten eine Milchflasche. Ich hatte einen Zapfhahn zum Spielen!“, schmunzelt sie. Ihre Eltern haben das Berghotel auf dem Annaberger Pöhlberg betrieben. Seit Constances 11. Lebensjahr ist sie eng mit der Gastronomie verbunden. Und so zog es sie selbst Jahre später einfach ein paar Berge weiter auf den Ehrenfriedersdorfer Sauberg.

Ein Kopf voller Ideen im Sinne des Gastes

Sie ist Gastronomin durch und durch. Ob hier auf dem Sauberg oder seit 2016 in ihrem „Hotel Am Markt“ in der Bergstadt. Und wegen ihrer Liebe zur Gastronomie hat sie die Corona-Zwangspause auch zum Planen genutzt. Sie wollte nicht jammern, sondern machte eben mit ihrer positiven Art weiter. Kurzerhand wurden Außer-Haus-Essen und Wohnmobil-Menüs kreiert, Kabarett-Abende auf Abstand geplant, genauso der traditionelle Vugelbeer-Wild-Brunch oder auch die Hutzenabende. Kultur ist ihr wichtig, die holt sie deshalb auf den Berg. Besonders beliebt sind ihre kulinarischen Abenteuer. So stehen, neben  Kabaretts und Theater, bis Jahresende weitere Höhepunkte auf dem Plan: von Magic-Dinner mit Zauberkünstler, über Ost-West-Brunch bis hin zu Weihnachtsfeier-Sauberg-Sorglos-Specials.

Je verrückter die Idee, desto mehr Spaß macht uns deren umfassende Umsetzung!

Die Bandbreite der Kochkunst ist groß: Orientalische Köstlichkeiten werden genauso aufgetischt wie Schlachteplatten. Hinzukommen ein Bockbierfest, Martinsgänse und echte kulinarische Zauberkünstler, die den Gaumen der Gäste mit ihrer Molekularküche verwöhnen. Was ihr Erfolgsrezept ist? „Erst wenn unsere Gäste glücklich sind und unser Haus mit einem Strahlen verlassen, dann sind auch wir zufrieden! Und außerdem: Je verrückter die Idee, desto mehr Spaß macht uns deren umfassende Umsetzung!“

Sauberg Klause

Am Sauberg 1A

09427 Ehrenfriedersdorf

Fon : +49 37341 493964

Email : post@sau-berg.de

www.sau-berg.de

Schwache Momente einer Autorin

Während des Interviews läuft mir gleich mehrmals das Wasser im Mund zusammen. Immer dann, wenn die Küchentür aufschwingt, schwebt ein neuer verführerischer Duft in den Gastraum. Mal duftet es würzig nach Sauerbraten, dann wieder nach Kartoffel-Karotten-Ingwer-Suppe oder auch nach süßen Verführungen.

Beim Lesen der Karte muss ich schmunzeln. Denn viele Gerichte erinnern durch ihren Namen an die Nähe zum Besucherbergwerk. Da heißen Lachsröschen z.B. Weiberarsch. So nannten die Bergleute früher ihre Schaufel. Es gibt auch einen Steiger zum Essen – hier ist es ein Wild- Burger.

Doch immer wieder werde ich vom Lesen abgelenkt – ein besonders süßer Duft erreicht meine Nase. Das Halbgefrorene aus der Vogelbeere mit warmen Zimtpflaumen trifft schließlich genau meinen Geschmack. Süß und herzhaft zugleich zergeht es wie ein Traum auf der Zunge. Meine Geschmacksknospen dürfen explodieren. Constance Brosell liebt und genießt es, Gäste zu umwirbeln, ihnen – genauso wie mir –eine schöne und sehr geschmackvolle Zeit zu zaubern.

Text: Manja Kraus-Blechschmidt
Fotos: Désirée Scheffel

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