Die Energie aus der Umwelt

25.10.2022

Wärmepumpensysteme aus dem Erzgebirge

Der rasante Anstieg der Energiekosten belastet Unternehmen auch im Erzgebirge dramatisch. Wohin die Entwicklung geht, ist aktuell nicht absehbar. Also heißt die Devise: Runter mit den Energiekosten – und das möglichst schnell. Im Erzgebirge gibt es Unternehmen, die sich seit Jahren mit alternativen Lösungen auf dem Markt behaupten.

Die Unternehmen Pulsotronic-Anlagentechnik GmbH in Stollberg, Norafin Industries (Germany) GmbH in Mildenau, Normteile Lindner GmbH in Ehrenfriedersdorf und die Ihle Strumpf GmbH in Wolkenstein haben eines gemeinsam – sie haben Wärmepumpen der Firma „Jörg Lerchner – Alternative Heizsysteme“ (Lerchner) aus Annaberg-Buchholz im Einsatz. Jörg Lerchner hat sein Unternehmen 1999 im Technologieorientierten Gründer- und Dienstleistungszentrum (GDZ) in Annaberg-Buchholz gegründet. Zu Beginn hauptsächlich in den Bereichen Heizungstechnik, Sanitärinstallation, Lüftungs- und Klimaanlagen tätig, gewann das Thema Wärmepumpen und alternative Energienutzung stetig an Bedeutung für das Unternehmen, auch für die Klimatisierung im industriellen Einsatz. Dies zog immer mehr gewerbliche Kunden zu Lerchner.

Jörg Lerchner - Alternative Heizsysteme

Sperlingstraße 11

09456 Annaberg-Buchholz

Fon : +49 3733 / 67 90 07

Email : info@alternative-heizsysteme.de

www.alternative-heizsysteme.de

Mit seinem direktkondensierenden Wärmepumpensystem wird der Umwelt Wärme entzogen und effizient in den Heizvorgang eingebracht. Jörg Lerchner erklärt das Prinzip am Beispiel des Kühlschranks: „Das Gerät entzieht Lebensmitteln Wärme und gibt diese über Kühlrippen an seiner Rückseite in den Raum ab. Die Wärmepumpe arbeitet ähnlich, nur in umgekehrter Richtung: Hier wird zum Beispiel der Fertigungshalle mit wärmeerzeugenden Anlagen Wärme entzogen, um damit Büroräume zu heizen. An die Stelle der Kühlrippen tritt das Heizungssystem des Unternehmens.“

Das funktioniert auch bei aus der freien Umwelt gewonnener Wärme, die einem Verdampfer zugeführt wird. Hier findet der Wärmeaustausch mit einem Arbeitsmittel mit extrem niedrigem Siedepunkt (-30 bis -50 °C) statt. Damit wechselt das FCKWfreie Kältemittel vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand. Im nachfolgenden Verdichter wird das gasförmige Arbeitsmittel stark komprimiert. Dadurch erhöht sich die Temperatur auf ein für Heizzwecke nutzbares Niveau und die entstandene Wärmeenergie wird über den Kondensator direkt in den Heizkreislauf abgegeben. Über ein Entspannungsventil wird das Arbeitsmittel anschließend dekomprimiert und stark abgekühlt: Es wird wieder gasförmig und der Kreislauf beginnt von vorn.


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Im industriellen Einsatz sind die Wärmepumpen in der Lage, auch ein niedriges Temperaturniveau der Abwärme zu nutzen, das zum Heizen oder zur Brauchwassererwärmung geeignet ist. So kann die Abwärme von Anlagen und Maschinen oder aus Serverräumen in Büros zum Beheizen, aber ebenso zum Kühlen im Gebäude genutzt werden. Die Vorteile sind schnell bei den Energiekosten spürbar – ca. 20 Prozent können eingespart werden. Unter optimalen Rahmenbedingungen sinken die Betriebskosten um bis zu 50 Prozent. Die Wärmepumpen beziehen dazu 75 bis 80 Prozent der Energie aus der Umwelt (Wärmerückgewinnung) und haben somit das größte CO2- Einsparpotential aller Heizsysteme. Die Erzeugung von heißem Wasser ohne zusätzlichen Energieaufwand funktioniert mit Brauchwassertemperaturen von 60 bis 70 Grad Celsius.

Der Einsatz von Wärmepumpen hat die Abhängigkeit von Gas im Bürobereich beseitigt.

Genau diese Anwendung wird unter anderem bei der Norafin Industries (Germany) GmbH (Norafin) in Mildenau für die Bereitstellung von Duschwasser beim dreimaligen Schichtwechsel täglich genutzt. Zwei Wärmepumpen von Lerchner sind in dem Unternehmen für hochwertige technische Vliesstoffe bereits seit mehreren Jahren im Einsatz. Die Abwärme aus Elektroschalträumen und Produktion wird in der kühlen Jahreszeit ebenfalls für die Heizung der Büros genutzt. André Lang, der Geschäftsführer von Norafin, sagt: „Die Entscheidung für den Einsatz von Wärmepumpen schon vor zehn Jahren hat uns nicht nur Kosten für fossile Primärenergien gespart, sondern auch die Abhängigkeit von Gas im Bürobereich beseitigt.“

Bei der Normteile Lindner GmbH in Ehrenfriedersdorf ist seit kurzem eine Wärmepumpenanlage von Lerchner im Einsatz. „Mit der Installation und dem Betrieb sind wir bisher sehr zufrieden“, bescheinigt Andreas Viertel, Assistent der Geschäftsleitung: „Die Entscheidung für die Anlage fiel schon vor längerer Zeit, da die Energiekosten bereits damals langsam, aber stetig stiegen. Das System nutzt gerade im heißen Sommer die Abwärme unserer Anlagen zum Kühlen der Fertigungshalle.“ Im Winter wird die Abwärme dann für die Heizungsunterstützung eingesetzt.

Der Einbau einer Wärmepumpe dauert etwa ein bis zwei Wochen. Ist die Anlage allerdings komplexer, zum Beispiel mit Kühlung, sollten die Unternehmen mit vier bis sechs Wochen planen. Die größte Herausforderung aktuell ist wie in vielen Fertigungsunternehmen die Materialbeschaffung, bei der es für Spezialteile schon zu Lieferzeiten von bis zu einem dreiviertel Jahr kommt. Hier bleibt Jörg Lerchner aber seiner Maxime treu, überwiegend „made in Sachsen“ einzukaufen: „Darauf legen wir sehr viel Wert.“

Buchtipp: „Wärmepumpen für Heizung und Warmwasser“

Was ist das Beste für das eigene Haus – eine Luft-, Grundwasser- oder Erdwärmepumpe? Was leisten diese Anlagen und wie energieeffizient sind sie? Was ist an behördlichen Vorgaben zu beachten und welche Fördermittel gibt es? Der neue Ratgeber der Stiftung Warentest (erschienen am 15.11.2022) verschafft den Überblick.

Autor ist der der Wärmepumpenexperte Hans-Jürgen Seifert aus Lößnitz. Er ist Inhaber eines Ingenieurbüros für Wärmepumpensysteme, hat jahrzehntelange Erfahrung mit der Technik und bringt als Sachverständiger für Wärmepumpenanlagen jede Menge Praxiswissen aus erster Hand ein.

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