Überraschungen in 3D

Einzigartige Adventskalender aus Ehrenfriedersdorf

Von Bernd Appel

Ehrenfriedersdorf Hochkonjunktur herrscht in diesen Tagen in den Räumen der Ehrenfriedersdorfer Firma Inopac Weber & Weber: Tausende von Adventskalendern werden in Handarbeit gefaltet, befüllt und zusammengeklebt. "Mit Maschinen geht das nicht, deshalb kann das keiner so schnell nachmachen", erläutert Frank Weber, der gemeinsam mit Ehefrau Claudia die Firma aufgebaut hat. Nicht nachgemacht werden darf auch die originellste Entwicklung der Ehrenfriedersdorfer: Sie haben als einzige in Deutschland dreidimensionale Adventskalender im Sortiment - zum Beispiel Autos und Lokomotiven, aus denen die tägliche Schokoladen-Portion von allen Seiten her entnommen werden kann. Das Patent für das dazu notwendige 3D-Füllteil im Inneren haben sich die Erzgebirger schützen lassen. "Es gab wohl eine Firma in Dänemark, die etwas ähnliches gemacht hat", berichtet Weber. "Aber mit unseren detailreichen Ausführungen hat sich das nicht vergleichen lassen." Insgesamt 19 Adventskalender werden in Ehrenfriedersdorf konfektioniert, jährlich kommen zwei bis drei neue heraus. Die Ideen entwickelt der 51-jährige Firmenchef. Als gelernter DDR-Bürger sei er das Tüfteln gewöhnt, meint der Ehrenfriedersdorfer, der zu DDR-Zeiten als Elektriker im Verpackungsmittelkombinat gearbeitet hat: "Und es macht richtig Spaß." Neueste Idee ist ein Kalender in Weihnachtsmannform mit Drehknopf: Per Drehung kann man die süßen Überraschungen herauspurzeln lassen.

Das erwachsene Publikum kommt nicht zu kurz: Teekalender mit verschiedenen Sorten haben die Ehrenfriedersdorfer sich ebenso einfallen lassen wie Kaffeekalender, in denen sich Instantkaffee, schokolierte Kaffeebohnen und leckeres Gebäck verbergen. Für die Gestaltung der Motive arbeiten die Webers mit einer Zschopauer Agentur zusammen: "Unser Produkt ist also echt Erzgebirge." Mithilfe eines Computerprogrammes und eines Plotters werden die Konstruktionen der Kalender erstellt, bei Bedarf kommt ein Laser zum Einsatz. "Vorläufertechnik aus dem Westen gab es schon im Kombinat", berichtet Weber. Nach der Wende engagierte sich die Familie zunächst im Lebensmittelgroßhandel. "Bis Mitte der 1990-er lief das gut, dann wurde die Marktsituation schwieriger." Die Webers suchten ihre Nische im Geschenksektor, übernahmen eine Zuckertüten-Produktion und

fanden mit den Adventskalendern die ideale Ergänzung des Sortiments. Diese machen inzwischen zirka drei Viertel der Produktion aus. Auch die Laserbearbeitung, etwa die Gravur von Stiften, Holzartikeln und ähnlichem, gehört zum Angebot.

Die originellen Kalender aus Ehrenfriedersdorf werden über Partner in ganz Deutschland verkauft, das Unternehmen ist bei bekannten Kauf- und Versandhäusern gelistet. Inopac-Produkte führen zum Beispiel Geschäfte in Stollberg, Zschopau, Freiberg oder Chemnitz. In Ehrenfriedersdorf gibt es einen Werksverkauf. Aber im Heimatort sei man vergleichsweise wenig bekannt. Ein ganz wichtiger Termin ist für Frank Weber die Süßwarenmesse in Köln, auf der die Firma im Januar zum zehnten Mal ausstellt. Denn die Kunden warten schon auf neue Ideen für die Saison 2011.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 06.11.2010