Heizung produziert nebenbei auch Strom

Von 73 Firmen, die sich um den 16. Sächsischen Innovationspreis bewerben, kommen neun aus dem Erzgebirge. Vergeben wird der Preis am 6. Juli. "Freie Presse" stellt die Kandidaten aus dem Erzgebirge vor. Heute: die Wätas EPS Energy Power Station GmbH Olbernhau mit ihrem Mini-Blockheizkraftwerk.

 

VON MARTINA BRANDENBURG

 

OLBERNHAU: Die Lösung liegt im Niedrigtemperaturbereich. Egal, ob normale Außentemperaturen oder grimmiger Frost - das Miniblockheizkraftwerk der Wätas EPS Energy Power Station GmbH Olbernhau braucht im Gegensatz zu konventionellen Heizsystemen statt 80 bis 95 Grad Celsius gerade mal 35 bis 45 Grad Celsius Vorlauftemperatur - so wie in etwa bei einer Fußbodenheizung. "Dadurch verlieren wir weniger Energie", erklärt Geschäftsführer Torsten Enders.

 

Das Mini-BHKW ist vordergründig eine Heizung. Ein mit Erdgas betriebener Motor treibt einen Generator an, der Strom produziert. Die dabei entstehende Abwärme wird zum Heizen genutzt. Das Gerät kann zudem gleichzeitig rund 60 Grad Celsius warmes Duschwasser produzieren. Der Vorteil des Minis gegenüber den bisher erhältlichen größeren Blockheizkraftwerken: Es arbeitet effizienter. "Viele haben derartige, meist überproportionierte Anlagen im Keller stehen", sagt Vertriebsassistentin Ulrike Gerstner. "Bei diesen verpufft die Wärme-Energie im Sommer nutzlos." Der Wätas-Mini mit einer Größe von 1,30 mal 1 mal 0,8 Metern hingegen orientiere sich an den Außentemperaturen und springe nur bei Heizwasserbedarf an. 

 

Mit Anschaffungskosten von 14.500 Euro ist das Mini-Blockheizkraftwerk gegenüber modernen Brennwertheizungen eine teure Angelegenheit, die sich in einem Einfamilienhaus erst nach rund fünf, sechs Jahren amortisiert, räumt Vertriebsmitarbeiterin Ulrike Gerstner ein: "Der Gasverbrauch ist ähnlich hoch wie bei einer konventionellen Heizungsanlage. Jedoch werden die Heizkosten durch den selbst produzierten Strom quasi quersubventioniert. Die Ersparnis beträgt zurzeit rund 25 € Cent pro Kilowattstunde Strom. Außerdem wird die Stromerzeugung mit einem Bonus von 5,11 Cent pro Kilowattstunde von der Kraft-Wärme-Kopplungsförderung entgolten. Bei Pensionen und kleinen Gewerbebetrieben rechnet sich der Kauf erheblich schneller."

 

Zehn Stück der Mini-Blockheizkraftwerke hat die Wätas im vergangenen Jahr verkauft, weitere Bestellungen liegen vor. Doch die Wätas will ihren Mini noch kleiner hinbekommen. "Wir arbeiten derzeit an einem noch kleineren Gerät für Wohnungen", legt die Vertriebsassistentin dar. "Wir hoffen, dass es vom Deutschen Brennstoffinstitut Freiberg im kommenden Jahr zertifiziert werden kann." 

 

Obwohl sich die aus vier Firmen sowie dem Institut für angewandte Energieeffizienz bestehende Wätas-Gruppe auch künftig vordergründig als Hersteller von Wärmetauschern und Wärmepumpen sieht, wird sie sich auch der Entwicklung anderer Geräte widmen. "Unser Ziel ist ein energieautarkes Haus, das unabhängig von der öffentlichen Versorgung funktioniert", blickt Torsten Enders voraus.

 

Innovationspreis: 

Bewerben konnten sich kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten und Sitz im Freistaat Sachsen. Über die Vergabe der Ehrungen mit einem Preisgeld von insgesamt 60.000 Euro entscheidet eine Jury aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Zudem gibt es zwei mit je 5000 Euro dotierte Sonderpreise. Neben der Commerzbank vergeben dieses Jahr erstmals die sächsischen Handwerkskammern einen Sonderpreis.

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Marienberger Zeitung, 21.06.2011