Erzgebirger verhelfen altem Wahrzeichen zu neuem Glanz

Ein Walthersdorfer Unternehmen restauriert den Chemnitzer Saxonia-Brunnen. Er war jahrzehntelang nicht in Betrieb.

VON ANNETT HONSCHA

WALTHERSDORF - Für kurze Zeit beherbergt der kleine erzgebirgische Ort Walthersdorf ein tonnenschweres Wahrzeichen. Auf dem Gelände der Firma Sigma Naturstein wird der Chemnitzer Saxonia-Brunnen restauriert - ein Stück Geschichte der Stadt, das allerdings jahrzehntelang im Verborgenen bleiben musste. Seit mehreren Wochen nun arbeiten Fachleute in dem Crottendorfer Ortsteil den steinernen Zeitzeugen wieder auf. Und zwar Teil für Teil. "Einige fehlende müssen auch neu gefertigt werden", sagt Firmenchef Matthias Fritzsch. Zusammen bringen sie es auf ein geschätztes Gewicht von mehr als 40 Tonnen.

Von Reinigen bis Schleifen

Es sind ganz verschiedene Arbeiten notwendig, um den Saxonia-Brunnen zu restaurieren. Da ist am Anfang das aufwändige Reinigen, um die Steine von teils hartnäckigen Ablagerungen zu befreien. "Dafür werden sie mehrfach mit einem Spezialmittel eingestrichen und wieder abgespült", erklärt der Betonsteinmeister. Außerdem müssen Lücken mit passenden Granitstücken - sogenannten Vierungen -geschlossen werden, wofür als Verbindungsmittel Epoxidharz zum Einsatz kommt. Letzteres dient auch dazu, kleinere Bruchstellen auszubessern. "Weiterhin werden die Oberflächen zum Teil nachgeschliffen und poliert", sagt Fritzsch. Aufgrund der Dimension sei es auf jeden Fall ein außergewöhnlicher Auftrag, fügt er hinzu.

Wasserspiel für Johannisplatz

Ausgelöst hat diesen der Investor Claus Kellnberger, der Transport und Restaurierung bezahlt. Sein Wunsch ist, dass das Wasserspiel in einigen Wochen am Chemnitzer Johannisplatz sprudelt. In dem Karree lässt der Regensburger mehrere Häuser sanieren und neu bauen. "Der Brunnen ist mein Geschenk an die Chemnitzer", hatte er zum Beginn der Arbeiten an dem Wahrzeichen gesagt. Vom Erzgebirge nach Chemnitz wird das Bauwerk wieder in Einzelteilen zurückkehren - mithilfe von Kran und Tieflader. Für eine spätere stabile Verbindung sollen unter anderem Edelstahlklammern und spezielle Abdichttechniken sorgen. Der Aufbau werde voraussichtlich im Mai erfolgen, sagt Sigma-Chef Fritzsch, der das Unternehmen mit seinem Sohn Markus leitet.

Zwar kommen heute bei solch einer Restaurierung moderne Werkzeuge wie Trennschleifer oder große Maschinen wie Brückensägen zum Einsatz. Aber vieles werde noch auf althergebrachte Weise mit Meißel und Stockhammer gemacht. Dabei haben es die Walthersdorfer beim Saxonia-Brunnen mit verschiedenen Materialien zu tun. "Die oberen Teile bestehen aus rötlichem skandinavischen Granit, die unteren aus Lausitzer", erläutert der Senior-Chef. Figuren, die das Chemnitzer Ensemble einst zierten, werden aber zumindest vorerst nicht nachgebildet.

Restaurierung nur ein Standbein

Die Sigma Naturstein GmbH, die mit den beiden Chefs neun Mitarbeiter hat, verarbeitet generell Gesteine aus der ganzen Welt. Zum Beispiel Sandstein aus Pirna, Granit aus Polen, Portugal und Indien oder Quarzit aus Brasilien. Der Bereich Restaurierung ist zudem nur ein Standbein der 2001 neu gegründeten Firma, in der schon mehrere Steinmetze ausgebildet worden sind. Diese fertigt auch Treppen, Arbeitsplatten, Natursteinböden und Grabmale an. Die Kunden dafür kommen aus einem großen Einzugsgebiet - von Dresden bis Plauen. Ihre Spuren haben die Walthersdorfer aber auch an vielen großen Gebäuden schon hinterlassen. Zum Beispiel an der Fassade der Annaberg-Buchholzer Manufaktur der Träume oder am Schloss Freudenstein in Freiberg, wo die Erzgebirger Sandsteinarbeiten ausführten. "Den Haupteingang vom Berliner Adlon-Hotel haben wir ebenfalls umgearbeitet", sagt Steinmetzmeister Markus Fritzsch. (mit grit)

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 01.04.2011