Erzgebirger überzeugen mit Ideen zu Ökologie und Nachhaltigkeit beim eku-Zukunftspreis 2021

Mit dem eku - ZUKUNFTSPREIS 2021 unterstützt das Sächsische Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL) das vielfältige Engagement der Menschen in Sachsen unterstützen und sichtbar machen sowie die Kommunikation mit und zwischen unterschiedlichen Akteuren auf allen Ebenen. Im Juli endete die Bewerbungsfrist. Insgesamt gingen 256 Bewerbungen ein, die in einem mehrstufigen Verfahren durch ein Fachgremium bewertet wurden. Begutachtet wurde nach den Kriterien Umwelt- und Klimaschutzwirkungen, Innovationscharakter, Modellcharakter und Vorbildwirkung, Regionalität und Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten, soziale und ökonomische Wirkungen, Kooperation und Projektplanung. Alle Preisträgerinnen und Preisträgern erhalten ein gestaffeltes Preisgeld sowie eine Urkunde. Anfang Mai werden die erfolgreichen Projekte des eku 2021 in einer öffentlichen Auszeichnungsveranstaltung in Leipzig vorgestellt.

 

Eine Auswahl in der Kategorie "eku-Idee" (Projektideen)

 

Stadt Eibenstock – Holz-Campus Eibenstock (Erzgebirgisches Holz, regional gewachsen – nachhaltig erzeugt – regional verarbeitet – innovativ genutzt)

Anhand der Stadt Eibenstock wird ein übertragbares Konzept zur Nutzung des Themas Holzbau und Holzverarbeitung für die ökologische, ökonomische und soziale Entwicklung einer Kommune/Region erarbeitet und umgesetzt. So können im Bereich der Forstwirtschaft und Holzverarbeitung eine optimale regionale Wertschöpfung sowie hohe Nachhaltigkeitsstandards erreicht werden. Unterschiedliche staatliche, private und kommunale Aktivitäten z. B. im Bereich der Waldbewirtschaftung und Holzverarbeitung im Sinne einer gezielten Wirtschaftsförderung, werden für eine zeitnahe Umsetzung vorbereitet. Die Ansiedlung von Innovationskompetenz hinsichtlich der handwerklichen, industriellen und künstlerischen ressourcenschonenden Anwendung von Holz spielen ebenso eine Rolle, wie ökologisches Produktdesign und zukunftsfähige Holzwerkstoffe. Partner sind die Stadt Eibenstock, Holzbau Kompetenzzentrum Sachsen, Staatsbetrieb Sachsenforst, Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH, Handwerkskammer und IHK Chemnitz  www.eibenstock.de

 

C. F. Rolle Mühle GmbH – Vom Korn zum Laib - Gestaltung nachverfolgbarer Wertschöpfungsketten vom Feld über die Mühle zur Backstube

Das Netzwerk "Vom Korn zum Laib" bringt Betriebe der Landwirtschaft, Mühlen und Bäckereien in Sachsen zusammen, um Produkte mit Gesicht und Ursprung zu entwickeln. Wertschöpfungsketten sollen in der Region transparent vom Feld bis in die Backstube für Verbraucher nachverfolgbar sein. Durch die Kooperation mit Forschungspartnern werden dabei regional typische Getreidesorten im Vertragsanbau wiederentdeckt und durch das Bäckerhandwerk zu regional typischen Produkten mit langer Teigreifung verarbeitet werden können. Das ist identitätsstiftend und hilft Handwerksbäckern und Landwirten dabei, regionale Vielfalt für den Verbraucher nicht nur nachvollziehbar, sondern auch schmeckbar zu machen. Kurze Wege in der Region, Zusammenhalt regionaler Betriebe und Erhalt der natürlichen Biodiversität resultieren aus diesem Projekt. www.rolle-muehle.de

 

Werkform Spielgeräte und Außenmöblierung GmbH – Neue ökologische Holz-Lärmschutzwand mit solarer Energiegewinnung

Die Firma Werkform aus Brand-Erbisdorf hat eine völlig neue Holzlärmschutzwand entwickelt, die deutlich langzeitstabiler ist als herkömmliche Konstruktionen. Dieses Lärmschutzelement bietet neben sehr gutem Schallschutz gleichzeitig Solarenergie für Wohnbebauung, Hospitale, Schulen, Bürogebäude etc. In Holzrahmenbauweise basiert sie auf chemiefreiem, einheimischen Lärchenholz. Mit einem Frevelschutz wird die Verrottungsbeständigkeit deutlich erhöht. Die Rückseite der Lärmschutzwand ist mit einem Solarthermiekollektor bestückt. Die Wand wird senkrecht oder leicht geneigt zur Fahrbahn ausgerichtet, ein Zeichen, dass Solarthermie-Kollektoren nicht zwingend auf Dächern mit bis 45 Grad Neigung ausgerichtet sein müssen – sondern sogar bei tiefstehender Sonne in allen Jahreszeiten maximale Erträge bringen. www.werkform-gmbh.de

 

predEVOLUTION technologies GmbH mit Sitz in Pockau-Lengefeld Energieautarke Aquaponik-Anlage mit regionalem CO2-neutralem Vertrieb

Die regionale Erzeugung sowie direkte Vermarktung von Lebensmitteln ist eine Chance, Ökologie und Ökonomie zu stärken. Das Unternehmen möchte eine Modellanlage aufbauen, die es ermöglicht, nachhaltig Gemüse und Fisch zu erzeugen und direkt zu vermarkten. Kernstück ist eine AquaponikAnlage, um Fischzucht und Pflanzenwachstum in einen Kreislauf zu bringen. Diese Art Anlagen benötigen viel Energie zur Klimatisierung und Umwälzung des Wassers. Ziel ist, den Bedarf möglichst vollständig erneuerbar aus Sonnen- bzw. Windenergie zu decken. Dafür sind eine großflächige Photovoltaik-Anlage und mehrere kleine Windkraftanlagen vorgesehen. Die von der PV-Anlage überdeckte Fläche soll zusätzlich als landwirtschaftliche Nutzfläche genutzt werden. Im Endausbaustadium soll darunter eine autonome Bewirtschaftung durch Roboter erfolgen. So kann ein weiterer Kreislauf entstehen, der z.B. das Futter für die Fische (bspw. Getreide, Paprika, Lupine, Mais, Soja, o.ä) oder weitere Pflanzen erzeugt. Eine teilweise Verschattung des Nutzlandes, Reduktion der Bodenverdichtung, eine bedarfsgerechte Bewässerung, Düngung und Pflege sowie Speicherung überschüssiger Energie und ökologischer Lieferservice der Produkte sind weitere Eckpunkte der Idee. www.predevolution-technologies.de

 

Initiative: Lößnitz Kulturhauptstadt 2025, Apfelgruppe – Lößnitz- Stadt der Apfelbäume

Lößnitz hat eine jahrhundertealte Tradition der bäuerlichen Streuobstwiesen. Besonders im Ortsteil Affalter- dem althochdeutschen Wort für "Apfelbaum"- ist diese Tradition noch gut sichtbar. Die Obstwiesen verlangen mit ihren alten Beständen, die immer weniger Beachtung finden, viel Pflege, Wissen und Wertschätzung durch die Gesellschaft. Es gibt ein steigendes Interesse, die Apfelbäume wieder in den Fokus zu rücken. Immer öfter werden von Privatleuten, aber auch von der Stadt Lößnitz, Baumpflanzungen vorgenommen. Die ländliche Kultur der Apfelbäume wurde u.a. als überregionales Alleinstellungsmerkmal gleichwertig neben die Ortsgeschichte gestellt, indem unter dem Motto "Äpfel und Schiefer" ein von den Bürgern initiiertes Kulturprogramm auf den Weg gebracht werden soll. Bisher wenig angebundene Ortsteile sollen zur Gestaltung des Umfeldes Apfelbäume als Obstwiese erhalten. Es ist ein "Apfelpfad" geplant, später auch eine App. www.stadt-loessnitz.de

 

Landwirtschaftsbetrieb Kai Pönitz Blühendes Erzgebirge - Aufbau von Vermehrungskulturen für gebietseigenes Saatgut von Kräutern und Gräsern unter den Rahmenbedingungen des ökologischen Landbaus

Wird Saatgut einheimischer Kräuter und Gräser in der freien Natur ausgebracht, müssen per Gesetz gebietseigene Herkünfte mit genetischem Ursprung im betreffenden Gebiet verwendet werden. Damit soll die natürliche biologische Vielfalt auch unter sich ändernden klimatischen Rahmenbedingungen gesichert werden. In Sachsen gibt es bislang nur wenige Betriebe, die solche Regiosaaten für wenige sächsische Ursprungsgebiete anbauen. So fehlen z.B. bis heute Anbaubetriebe im Erzgebirge und somit auch Regiosaaten für große Teile des Berglandes, v.a. weil vorvermehrtes Saatgut für den großflächigen Feldanbau fehlt und es kaum Erfahrungen gibt. Im Rahmen des Projektes sollen erstmals für das Erzgebirge gebietseigene Wildpflanzen-Herkünfte nach den Richtlinien des VWW (Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten e.V.) und den Rahmenbedingungen des ökologischen Landbaus in Mutterquartieren vorvermehrt werden. Vorerst sollen ca. 10 bis 15 Pflanzenarten mit je mindestens 200 bis 300 Individuen angebaut und der Anbau nachfolgend sukzessive erweitert werden.

Markus Böttger Honey Hotel Abenteuer

Erholung, Nachhaltigkeit und Gesundheit - All das verbindet das Honey Hotel in Warmbad. Die Idee ist, einen Bauwagen in Form eines kleinen Tinyhouses zu bauen, der von Mensch und Biene zu gleichen Teilen bewohnt wird. Der Gast schläft also quasi "im Bienenstock". Räumlich sind die beiden Bereiche getrennt und eine Stichgefahr damit minimiert, doch durch die Luftlöcher strömt der heilsame Duft nach Honig, Propolis und Blütentracht in den Schlafraum. Die gesunde Wirkung von Bienenduft auf Menschen mit Atemwegserkrankungen oder Nasennebenhöhlenentzündungen ist wissenschaftlich nachgewiesen und kommt in den Behandlungsmethoden der "Apitherapie" schon Jahrtausende lang zum Einsatz. Das Honey Hotel greift diese Methoden auf und verbindet sie mit einem tollen Gesamterlebnis. Tagsüber können die Bienen bei ihrer Arbeit beobachtet oder dem Imker bei der Honigernte über die Schulter geschaut werden.

 

Eine Auswahl in der Kategorie »eku erfolg« (realisierte Vorhaben) 

 

Agrargenossenschaft Lößnitz-Stollberg eG Wiesensalami – eine Produktentwicklung der Gemeinschaft

Die "Wiesensalami - eine Rindfleischsalami im Heubett" steht für eine authentische und sächsische Gemeinschaft. Neben einem Landwirtschaftsbetrieb mit angeschlossener Fleischerei und einer Absatz- und Vermarktungsgemeinschaft mit integriertem Marketing, ergänzt die Gemeinschaft ein Lebenshilfewerk sowie zahlreiche heimische Logistiker. Zielstellung der Partner war die Entwicklung einer regionalen Rindersalami. Es ist ein Produkt für Verbraucher mit hohen ethischen und ökologischen Ansprüchen. Produziert wird klima- und ressourcenschonend nur nach Vorbestellung für heimische Händler, verpackt von Menschen mit Handicap. Die Verpackung ist wiederverwend- und recyclebar. www.agrar-loessnitz.de

 

Textilmanufaktur Seifert UG – Regionale Textilmanufaktur - faire Mode von fairen Frauen

Als Maria Seifert 2017 begann, ihre Damenkollektion ausschließlich in einer kleinen Manufaktur im sächsischen Eibenstock zu produzieren, bestand diese bereits seit vierzig Jahren. Die damalige Besitzerin beschloss im Spätsommer 2019 schließlich, die Manufaktur aus Altersgründen aufzugeben und bot sie Maria Seifert zum Kauf an. Der Respekt gegenüber der Arbeitsleistung der Angestellten, die teilweise seit 1977 in der Manufaktur tätig waren, sowie die Bewahrung ihres Handwerks und des damit verbundenen Know-Hows waren ausschlaggebend für die Entscheidung zur Übernahme. Maria Seifert möchte nun Beständigkeit in die Manufaktur bringen und organisch wachsen. Alles, was in der Mode eigentlich eher nicht funktioniert, ist die Stärke der Manufaktur: lokale und transparente Produktion nachhaltiger Mode und Textilien zu fair kalkulierten Preisen. Aufgrund ihrer Größe und der Nähe zu den Kund*innen kann die Textilmanufaktur hochindividualisiert und flexibel agieren. Langfristig möchte Maria Seifert die Manufaktur über ihre eigene Kollektion sowie eine geplante zweite Herrenlinie tragen. www.textilmanufaktur-seifert.de