Erzgebirge will selbst für das Welterbe zahlen

Seit 1998 bemüht sich die Region, den Sprung auf die Liste der Unesco-Welterbestätten zu schaffen. Landkreise und Kommunen wollen die Anschubfinanzierung stemmen.

VON GABI THIEME

FREIBERG - Das Erzgebirge ist dem Ziel, ab 2014 mit ausgewählten Objekten der 800-jährigen Bergbaugeschichte zum Unesco-Weltkulturerbe zu gehören, einen Schritt näher gekommen. 23 Bürgermeister der Region haben auf einer Konferenz in Freiberg ein klares Votum dafür abgegeben, die Trägerschaft für das Projekt zu übernehmen und die Finanzierung des Vorhabens bis zur Antragstellung 2013 gemeinsam mit den beteiligten Landkreisen Erzgebirge und Mittelsachsen aus eigener Kraft zu stemmen. Es geht dabei um ein Finanzvolumen von 1,3 Millionen Euro. Sachsens Regierung hatte im März eine solche Zusage zur Bedingung der Bewerbung gemacht. Nach langer Zurückhaltung war der Freistaat damals erstmals inhaltlich auf das Vorhaben eingegangen. Die Landesregierung stimmte einem Zeitplan zu, der die offizielle Bewerbung 2013 vorsieht. Zur Bedingung machte sie ferner, dass die wirtschaftliche Entwicklung des Erzgebirges durch den Welterbestatus nicht behindert werden darf.

Erzgebirge derzeit auf Platz 4

Der Landrat von Mittelsachsen, Volker Uhlig (CDU), sprach auf der Konferenz am Mittwoch von einem klaren Signal an die Landesregierung: "Irgendwann kommt die Regierung nicht mehr umhin, das Vorhaben zu unterstützen und auch Haushaltsmittel dafür einzustellen." Das Kabinett hatte sich nach dem Verlust des Welterbetitels für das Dresdner Elbtal 2009 wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke stark zurückgenommen, obwohl es das Vorhaben "Montanregion Erzgebirge" 1998 selbst auf die Warteliste der Unesco gesetzt hatte. Inzwischen rangiert das Vorhaben auf Platz 4 der deutschen Vorschlagsliste. Im Sommer werde die Reihenfolge neu festgelegt, dabei habe die Montanregion Chancen, weiter nach vorn zu rücken, berichtete Projektkoordinator Helmuth Albrecht von der TU Bergakademie. In der Regel stimme die Welterbekommission pro Jahr einem Vorschlag zu.

52 Objekte bislang ausgewählt

Das Besondere des sächsischen Projekts besteht darin, dass es sich um eine Kulturlandschaft mit voraussichtlich 52 Objekten und Ensembles zur Bergbaugeschichte handelt. 35 liegen auf deutscher Seite zwischen Altenberg im Ost- und Schwarzenberg im Westerzgebirge, 17 weitere auf böhmischem Territorium. Nicht einmal 0,1 Prozent der Fläche des Erzgebirges sind davon berührt. Insofern seien die Bedenken einiger Politiker unbegründet, man würde dem Erzgebirge eine Käseglocke überstülpen, die Investoren abschreckt, sagte Albrecht. Marienberg, Olbernhau und Schneeberg haben durch entsprechende Stadtratsbeschlüsse bereits grünes Licht für die Einbindung ihrer Objekte gegeben. In Annaberg, Freiberg, Brand-Erbisdorf, Oelsnitz/E. und Jöhstadt fällt die Entscheidung demnächst. Bis März 2012 sollen dann auch den restlichen 13 Kommunen entsprechende Projektstudien zur Diskussion und Abstimmung vorliegen.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 29.04.2011