Alter Stolln soll Weltkulturerbe werden

Mit einem Bergwerk, in dem die Wismut nach Uranerzen gesucht hat, will sich Lichtenau bei Frankenberg an der "Montanregion Erzgebirge" beteiligen. Der Betreiberverein hält davon jedoch nicht viel.

VON FRANZISKA PESTER

LICHTENAU - Eine Beteiligung am Weltkulturerbe-Projekt ist für die Traditionen des Bergbaus in Lichtenau eine besondere Wertschätzung. Diese Ansicht vertraten die Mitglieder des Lichtenauer Gemeinderates bei ihrer jüngsten Sitzung mehrheitlich. Das Gremium entschied daher, Verhandlungen über die Aufnahme des Besucherbergwerks "Wismut-stolln" im Ortsteil Biensdorf in die Liste der Städte und Gemeinden aufzunehmen, die sich als "Montanregion Erzgebirge" um den Titel Unesco-Weltkulturerbe bewerben.

"Ich habe Bedenken, dass dann nur noch Instandhaltungsmaßnahmen möglich sind."

Lutz Mitka Vereinschef

"Eine Beteiligung Lichtenaus an diesem Projekt kann für uns und den Bergbau in unserem Gebiet nur von Vorteil sein. Wir dürfen diese Chance nicht verpassen", sagte der stellvertretende Bürgermeister, Gert Eidam (CDU). Schon seit mehreren Monaten werde in der Gemeinde über eine Beteiligung an der Bewerbung um den Weltkulturerbe-Titel diskutiert. "Ich bin froh, dass wir uns jetzt doch noch dazu entschieden haben, mitzumachen. Noch können wir auf den fahrenden Zug aufspringen", so das Vize-Gemeindeoberhaupt. "Die Region des Besucherbergwerkes ,Wismutstolln', die in Trägerschaft des Vereins ,Hülfe des Herrn' liegt, bietet sich als Einzeldenkmal an, in die Montanregion Erzgebirge aufgenommen zu werden", findet auch Gemeinderatsmitglied Stephan Lazarides. Sollte es zu einer Beteiligung Lichtenaus kommen, müsste die Gemeinde sich genau wie die übrigen Mitstreiter finanziell an den Vorbereitungen der Bewerbung um den Unesco-Titel beteiligen. "Nach ersten Schätzungen würde uns das 2870 Euro kosten. Das ist kein hoher Betrag und ich denke, die Wertschätzung, die unser Besucherbergwerk durch den Titel erfahren würde, ist dies allemal wert", so Eidam.

Lutz Mitka, der Vorsitzende des Vereins "Hülfe des Herrn", der den Stollen seit 1990 erforscht und als Besucherbergwerk unterhält, ist jedoch gegen eine Beteiligung am Weltkulturerbe-Projekt. Sollte die Montanregion Erzgebirge den Titel bekommen, erwarte er keine Verbesserungen beim Erhalt bergmännischer Traditionen, sondern fürchtet eher Restriktionen, die die Vereinsarbeit behindern könnten, warnte er im Vorfeld der Entscheidung. "Ich habe Bedenken, dass wir als Verein den Stollen dann zukünftig nicht mehr in der Form erforschen und untersuchen können, wie wir es jetzt tun, sondern lediglich Instandhaltungsmaßnahmen möglich sind", beschrieb Mitka seine Sorgen. Reine Pflegearbeiten würden die Vereinsmitglieder aber nicht motivieren, sich weiterhin mit dem Bergbau in der Region zu beschäftigen. Lutz Mitka hat daher Angst, dass der Verein "Hülfe des Herrn" durch einen Unesco-Welterbetitel in seiner Existenz gefährdet ist. "Des Weiteren habe ich darauf hingewiesen, dass Lichtenau eigentlich gar nicht zum Erzgebirge gehört sondern geografisch gesehen das Erzgebirgsvorland ist", erläutert er.

Die Entscheidung des Gemeinderates, sich am Welterbeprojekt zu beteiligen, werde er aber akzeptieren und mittragen. "Ich werde mich da nicht quer stellen, hoffe aber, dass die Gemeinde den Verein weiterhin in seiner forschenden Tätigkeit unterstützt", so Mitka.

Im Jahr 1949 hatte das sowjetisch-deutsche Bergbauunternehmen Wismut den Stollen in Biensdorf aufgefahren, um zu prüfen, ob in der Region Uranerze abgebaut werden können. Die rund zweijährige Suche verlief jedoch erfolglos, sodass der Stollen 1951 durch eine Sprengung wieder verschlossen wurde.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Stollberger Zeitung, 23.11.2011