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Hand aufs Herz

12.05.2019

Der Beginn der Pflegeausbildung für 11 junge Menschen bei der WPA.

Die Fichtelberg-Schwebebahn hält auf dem Gipfel und spuckt an diesem Tag zwei Handvoll Jugendliche und Erwachsene aus. Lachend und scherzend gehen sie in Grüppchen zum wenige Meter entfernten Hotel Fichtelberghaus. Die Unsicherheit am Morgen, was wohl der neue Schritt in die Ausbildung mit sich bringen wird, ist ihnen nicht mehr anzumerken.

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Die elf jungen Menschen erwartet ein Start ins Berufsleben der etwas anderen Art bei der Gemeinnützigen Wohn- und Pflegezentrum GmbH Annaberg-Buchholz (WPA). In den kommenden drei Jahren werden sie zum Koch, zur Bürokauffrau oder zum Altenpfleger ausgebildet. Fabian Lindner ist einer der Neuen, der im August seine Lehre zum Altenpfleger begann. „Der Job soll Spaß machen, was für die Zukunft sein und Qualifikationsmöglichkeiten bieten“, wünscht sich der Annaberger. Für Alexander Schindler ist es wiederum wichtig, von den Kollegen akzeptiert und gut ins Team aufgenommen zu werden. Der Auszubildende hat durch eine vorangegangene Ausbildung zum Sozialassistenten ein Pflichtpraktikum im Bereich Altenpflege im Wohn- und Pflegezentrum absolviert. „Ich war positiv überrascht“, erinnert er sich.

Gemeinnützige Wohn- und Pflegezentrum Annaberg-B. GmbH

WG Adam-Ries 23

09456 Annaberg-Buchholz

Fon : 03733 135-0

Email : info@wpa-anna.de

https://www.wpa-anna.de/startseite/

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Geblieben ist das „schöne Gefühl, die älteren Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt zu unterstützen, ihnen zu helfen, einfach für sie da zu sein.“ Die Dankbarkeit, die er dabei erfährt, motiviert ihn immer wieder aufs Neue. Auch die Lebensweisheiten seiner „Kunden“, wie sie im Unternehmen bezeichnet werden, helfen ihm, alterstypische Probleme viel gelassener zu lösen und auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu achten. Er weiß inzwischen, dass seine Ausbildung unter anderem fundiertes medizinisches Wissen beinhaltet und er auch in vielen anderen Bereichen gut auf die Tätigkeiten einer Pflegefachkraft vorbereitet ist. Der Wunsch, Menschen etwas zu geben und sie auf einem Weg zu begleiten, der für die meisten so lange wie möglich ausgeblendet wird, hat beispielsweise Mary-Ann Kunau bewogen, die Ausbildung zur Pflegefachkraft zu beginnen. Mit seinem innovativen Ausbildungskonzept hat das WPA erste messbare Erfolge: Alle Auszubildenden des letzten Lehrjahres aus dem Bereich der Altenpflege konnten die Lehre so gut absolvieren, dass einer Festanstellung nichts im Wege stand.

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„Der Fachkräftemangel ist deutlich spürbar, gerade in einer Branche wie der Altenhilfe. Das ist nicht nur unser Empfinden, dafür gibt es Fakten und Zahlen“, sagt WPA-Geschäftsführer Björn Buchold. Dass es gerade in dieser Situation unerlässlich ist, selbst für den Fachkräftenachwuchs zu sorgen, ist sein Fazit. „Wir betreiben bereits seit Jahren eine intensive Arbeit in der Azubi-Akquise und -Bindung“, so der 35-Jährige. Er weiß: „Wenn wir die jungen Leute selbst ausbilden, können wir sie im Idealfall nach unseren Vorstellungen formen. Sprich: Sie lernen unsere Philosophie und Werte kennen.“

Wir heißen die Jugendlichen auf diese Weise willkommen.

Mit Bedacht wählt deshalb das Unternehmen seit drei Jahren einen eher ungewöhnlich anmutenden Start für seine Neuen. Im Rahmen einer Azubi-Akademie wird der Nachwuchs des ersten Lehrjahres zu zwei „Impulstagen“ in Deutschlands höchstgelegene Stadt eingeladen. Nach diesen intensiven gemeinsamen Stunden sollen die Neuankömmlinge wissen: Jeder hat im Unternehmen einen wichtigen Platz mit seinen Kenntnissen, seinem Wissen und seinem Engagement. „Wir heißen die Jugendlichen auf diese Weise willkommen.“ Und was sich so simpel anhört, hat einen vielschichtigen Hintergrund: „Der Jahrgang lernt sich kennen, versteht sich als Team und wird im Team aufgenommen. Darüber hinaus schaffen wir Vertrauen und lehren Aufrichtigkeit. Damit professionalisieren wir die Ausbildung nicht nur im Bereich der Vermittlung von Fachkenntnissen. Vielmehr bilden wir auch persönliche, methodische und soziale Kompetenzen aus“, erläutert Björn Buchold, der seit Juni 2015 die Geschicke des Unternehmens führt, das aktuell knapp 400 Mitarbeiter, inklusive 34 Auszubildender, beschäftigt.

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Die neuen Kollegen erfahren das Unternehmen von Anfang an mit all seinen Facetten, denn als Dienstleister ist das WPA sehr viel mehr als das klassische „Pflegeheim“. Es deckt nicht nur alle pflegerischen Bereiche ab – vom ambulanten über den teilstationären Dienst bis hin zur stationären Pflege –, sondern hat beispielsweise schon vor Jahren einen Geschäftsbereich „Zukunftsorientierung und Nachhaltigkeit“ etabliert.

Inzwischen sind die Ängste vorm ersten Arbeitstag bei allen gänzlich verschwunden. Mit Erlebnispädagogin Natascha Heinrich hat das WPA eine externe Trainerin engagiert, die die Auszubildenden weiter über die Zeit ihrer Lehre hinweg begleitet und auch diese Tage am Fichtelberg mit Leben füllt. Sie weiß, wie man junge Menschen begeistert. Gemeinsame Erlebnisse, wie Koch- und Cocktailkurse, bringen nicht nur die jungen Frauen und Männer an diesem Tag in kleinen Teams zusammen, sondern sorgen auch dafür, dass man im Freundeskreis von den Erfahrungen spricht. In einer sich am nächsten Tag anschließenden Fragerunde stellen sich dann die Führungskräfte des Unternehmens der Neugier der Neuen. Auch wenn die Impulstage wie im Fluge vergehen, so bilden sie nur den Auftakt für eine professionelle Begleitung der zukünftigen Auszubildenden des WPA. „Die Azubi-Akademie ist eine über drei Jahre dauernde Ausbildungsergänzung. Sie beschäftigt sich mit weiteren Entwicklungsfeldern von Jugendlichen und fördert beispielsweise eine Kommunikationskultur sowie einen wertschätzenden und vertrauensvollen Umgang miteinander. Sie lehrt darüber hinaus auch, wie ein Verhalten in Konfliktsituationen aussehen kann“, sagt Trainerin Natascha Heinrich.

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Das WPA zeigt durch Aktionen, wie der hauseigenen Azubi- Akademie, dem „Azubi-Fachtag in der Altenhilfe“ und nicht zuletzt der Stelle einer hauptamtlichen Praxisanleiterin, dass Altenpflege keineswegs ein verstaubter Beruf ist. Es begeistert den Nachwuchs für Berufe im Gesundheitswesen und erleichtert jungen Kollegen den Einstieg in den Berufsalltag. Diese Unternehmenskultur kommt am Ende allen zugute, vor allem aber auch den Menschen, die die Hilfe der Jungen am meisten benötigen.

Text: Ariane Grund

Fotos: Bernd März, Susann Brumm


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Diese Gechichte erschien zuerst im Magazin „Herzland - Gedacht.Gemacht.Erzählt“. Hier kannst du das gesamte Magazin online lesen, als PDF herunterladen oder gedruckte Exemplare nach Hause bestellen.

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