Feuer und Eis

18.12.2019

Im Erzgebirge, unmittelbar an der tschechischen Grenze, liegt der nachweislich kälteste bewohnte Ort in Deutschland: Kühnhaide. Ausgerechnet hier geht es jedoch richtig heiß her. Für den Feuerwerksproduzenten Blackboxx Fireworks hat sich Kühnhaide nämlich als der ideale Standort herausgestellt. Das hat verschiedene Gründe.

Feuerwerkskörper für höchste Ansprüche

Andreas Voigt hat es der Liebe wegen nach Kühnhaide verschlagen. Er selbst stammt aus Bad Schlema. Der 48-Jährige ist Gründer und Inhaber von Blackboxx Fireworks. Das Unternehmen ist eines der wenigen in Deutschland, das Feuerwerkskörper für Profifeuerwerker und seit einigen Jahren auch für Privatkunden entwickelt und verkauft. In der Profiszene genießen die Produkte aus Kühnhaide weltweit großes Ansehen. Sie zeichnen sich durch Innovationsgeist, Kreativität und einen hohen Qualitätsanspruch aus und stecken voller Leidenschaft.

Da habe ich angefangen mit Zutaten aus der Apotheke und einem Chemiebuch rumzuexperimentieren.

Diese Leidenschaft entwickelte sich bei Andreas Voigt in der Kindheit. „Mit acht oder zehn Jahren hat es mich gepackt“, erzählt er, „das ganze Jahr über habe ich Geld gespart und Silvester entgegengefiebert.“ Bald reichte ihm das nicht mehr aus. „Da habe ich angefangen mit Zutaten aus der Apotheke und einem Chemiebuch rumzuexperimentieren.“ Doch in der DDR waren die Möglichkeiten begrenzt und sein Interesse ließ mit der Zeit etwas nach. Das änderte sich schlagartig mit der Wende. Voigt konnte seine Leidenschaft nun voll ausleben.

Blackboxx Fireworks GmbH

Kirchgasse 3b

09496 Marienberg OT Kühnhaide

Fon : +49 37364 8295

Email : info@blackboxxfireworks.de

www.blackboxxfireworks.de

Nichtsdestotrotz sind es sehr liebenswürdige und ehrliche Menschen. Wir kommen hier sehr gut mit den Kommunen und den Behörden klar.

1990 gründete er dann sein Unternehmen – als Autohandel. „Das hat in Kühnhaide mit seinen 600 Einwohnern natürlich richtig geboomt“, schildert er mit einer guten Portion Ironie die Anfänge seines Unternehmens. 1997 machte er das Hobby zum Beruf. Voigt begann den Handel mit Pyrotechnik, 1998 baute er die erste Lagerhalle und schloss seine Ausbildung zum Feuerwerker ab. „In unserer Anfangszeit wurde ich als Spinner abgetan. Damit muss man leben – so ist die Mentalität der Menschen hier“, erinnert sich Andreas Voigt lachend. „Nichtsdestotrotz sind es sehr liebenswürdige und ehrliche Menschen. Wir kommen hier sehr gut mit den Kommunen und den Behörden klar.“ Ein wichtiger Aspekt für sein Unternehmen, für das strenge Sicherheitsvorschriften und Auflagen gelten. Wegen der Explosionsgefahr muss er besondere Sicherheitsabstände zu angrenzenden Wohngebäuden einhalten.

Nicht trotz, sondern wegen seiner Abgeschiedenheit der ideale Standort

Die Abgeschiedenheit von Kühnhaide, kombiniert mit dem guten Verhältnis zu den Behörden, erweist sich heute als klarer Standortvorteil. Ein weiterer Vorteil ist, dass die nächste größere Stadt nicht allzu weit entfernt ist. Gerade einmal 15 Minuten braucht man bis nach Marienberg mit seinen 13.500 Einwohnen.

Neben der Lagerung und dem Vertrieb findet in Kühnhaide vor allem die Entwicklung neuer Produkte statt. Die einzelnen Komponenten werden mit viel Kreativität und Erfahrung am Bildschirm zusammengestellt und anschließend getestet, bis alles passt. Dafür betreibt das Unternehmen ein eigenes Testfeld vor Ort. Wichtig ist für Voigt, dass am Ende ein Feuerwerksprodukt steht, das sich durch besondere Farbkombinationen und Effekte von der Masse abhebt und das die Zuschauer so noch nicht gesehen haben. „Wenn sie Silvester an den Himmel schauen, ist alles rot und grün mit etwas Glitzer. Diese Farben und Effekte lassen sich einfach und günstig herstellen. Aber sie sind auch langweilig“, erläutert Voigt.

Wie es besser geht, demonstrieren Voigt und sein Team jährlich im April bei einer Produktpräsentation. Feuerwerker und Händler aus aller Welt zieht es dann ins benachbarte Wolkenstein, um die neuesten Kreationen und Highlights mit eigenen Augen zu sehen. Die Plätze für die Veranstaltung sind beim Fachpublikum heiß begehrt und regelmäßig innerhalb kürzester Zeit vergeben.

Um die Qualität seiner Produkte sicherzustellen, prüft das Unternehmen nicht nur, wie vorgeschrieben, die Sicherheit seiner Produkte. Mit einem eigens entwickelten Prüfverfahren stellt es sicher, dass die Zuschauer tatsächlich die versprochenen Farben und Effekte in der gewünschten und versprochenen Qualität zu sehen bekommen. Ein Aufwand, den kein anderer Anbieter betreibt. Auch sonst hebt sich Blackboxx Fireworks von der Konkurrenz ab. Zum Beispiel mit einem patentierten, wiederverwendbaren Abschusssystem, das deutlich weniger Müll verursacht und dadurch ökologisch nachhaltiger ist als Konkurrenzprodukte.

Allen kann man es sowieso nicht recht machen

Und dann sind da noch die Namen. „Die meisten Anbieter verwenden englische Fantasienamen. Wir geben unseren Produkten deutsche Bezeichnungen. Die sind eingängiger.“ Da gibt es zum Beispiel die „Fette Elke“. „Klar, der Name eckt an und polarisiert natürlich. Aber erstaunlicherweise finden es gerade Menschen witzig, die selber recht korpulent sind“, schmunzelt Voigt. Völlig unstrittig ist hingegen der „Erzengel“ – seit Jahren DER Verkaufsschlager im Erzgebirge.

Seit einigen Jahren arbeitet das Unternehmen bei der Fertigung mit chinesischen Produzenten zusammen. Dieser Schritt wurde mit der Entwicklung des patentierten Abschusssystems notwendig. Für die Zusammenarbeit mit den chinesischen Partnern hat Blackboxx Fireworks in China ein eigenes Büro mit einigen freien Mitarbeitern.

Ich kann mich auf die Leute hier verlassen

In Kühnhaide selbst sind zehn feste Mitarbeiter beschäftigt. Die meisten von ihnen schon seit vielen Jahren. Eine Fluktuation gibt es kaum. Das liegt auch daran, dass Voigt großen Wert auf ein gutes Miteinander legt und seinen Mitarbeitern Achtung entgegenbringt. „Unsere Mitarbeiter bringen die fachliche Qualifikation und ein starkes moralisches Rückgrat mit. Ich kann mich auf die Leute hier verlassen. Wenn ich sonntags einen Mitarbeiter brauche, weiß ich, es ist jemand da. Umgekehrt ist es für uns völlig in Ordnung, wenn jemand mal nicht kommen kann, weil er einen wichtigen Termin hat. Das beruht auf gegenseitigem Verständnis und Vertrauen. Im Grunde sind wir wie eine große Familie.“

Über Fachkräftemangel braucht sich das Kühnhaider Unternehmen derzeit keine Gedanken zu machen. Nicht zuletzt der gute Ruf in Fachkreisen sorgt dafür, dass sich Bewerber zum Teil aus ganz Deutschland melden. Die Leidenschaft für Feuer, Farben und die Feuerwerkskunst zieht sie ins Erzgebirge an den kältesten bewohnten Ort Deutschlands.

Text: Phillipp Senge

Fotos: Bernd März


Alle Infos zum Magazin „Herzland“

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Herzland 2019 / © Mockup psdgraphics

Diese Gechichte erschien zuerst im Magazin „Herzland - Gedacht.Gemacht.Erzählt“. Hier kannst du das gesamte Magazin online lesen, als PDF herunterladen oder gedruckte Exemplare nach Hause bestellen.

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