Die kleinsten sind unsere Größten - Fachkräfteallianz Erzgebirge nimmt Kleinunternehmen in den Fokus

Was würde passieren, wenn die Hälfte der Klein- und Kleinstunternehmen (KKU) im Erzgebirge verschwindet? Wenn man diese Rechnung nur für die Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern im Erzgebirgskreis aufmacht, würde es den Verlust von über 6.600 Betrieben bedeuten, konkret: viele Fleischer, Bäcker, Handwerker aus dem Baubereich, Einzelhändler usw. würden einfach verschwinden. Was dieses Fehlen für die Region an sich bedeuten würde, lässt sich schnell skizzieren. 

 

Dort wo es keine Kleinunternehmen mehr gibt, ist die Lebensqualität nicht mehr da. Immer mehr Menschen würden das Erzgebirge verlassen. Denkbar wäre die Situation schon, denn diese Unternehmen leiden insbesondere unter der fehlenden Verfügbarkeit von Fachkräften, aber auch dem hohen Aufwand an Bürokratie sowie steigenden Steuern und Abgaben. Damit dieses Szenario niemals Wirklichkeit wird, hat sich die Fachkräfteallianz Erzgebirge diesem Thema angenommen. Seit 2014 arbeiten Akteure des regionalen Ausbildungs- und Arbeitsmarktes in einem Netzwerk zusammen, um eine optimale Basis zur Sicherung von qualifizierten Fach- und Führungskräften im Erzgebirge zu schaffen. Termine und Aktivitäten werden seitdem gemeinsam abgestimmt, Projektideen an einem Tisch entwickelt und erprobt. Finanziert über die Fachkräfterichtlinie zur Fachkräftesicherung im Freistaat Sachsen werden seitdem eine Reihe guter Projekte wie das Welcome Center Erzgebirge für Zuwanderer, der Pendleraktionstag für Rückkehrer oder Karriere Dual für Gymnasiasten umgesetzt.

Eine Gruppe, die aufgrund ihrer Größe aber häufig nicht erreicht wird, sind allerdings die Klein- und Kleinstunternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern. Deren Herausforderungen sind aber gleichwohl immens, denn sie können nur auf eine begrenzte Anzahl von Schultern verteilt werden. Vor allem die Chefs dieser Unternehmen kämpfen abwechselnd an jeder Front: als Stratege, Buchhalter, Vertriebler, Entwickler, Controller und nicht zuletzt als Personalverantwortlicher.

Auf Initiative der Fachkräfteallianz Erzgebirge ermittelte eine aktuelle Studie, wie Fachkräftesicherung in kleinen und Kleinstunternehmen besser gelingen kann. Anhand der Studie wurde gezeigt, was erfolgreiche Unternehmen von den weniger erfolgreichen unterscheidet: sie bieten überdurchschnittlich mehr Schülerpraktika und Ferienjobs an, sind auf Messen präsent, nutzen soziale Netzwerke und engagieren sich in der Region. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen sowie die Nutzung der verfügbaren Angebote aller Partner der Fachkräfteallianz sind für diese Unternehmen üblich. Vor allem aber nutzen sie das Spektrum an Möglichkeiten, um Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden und ihnen damit zu zeigen, was sie ihnen wert sind: sei es die Übertragung von Verantwortung an die Mitarbeiter, die Einbindung in unternehmerische Entscheidungen, Weiterbildungen und nicht zuletzt regelmäßige Lohnerhöhungen.

Seitens befragter Fachkräfte wurde deutlich, dass jeder 2. Azubi gern in Unternehmen dieser Größenordnung arbeitet und 65 % im Erzgebirge auf dem Land leben möchten. Die Vorteile, in einem familiären überschaubaren Umfeld zu arbeiten, haben junge Menschen offensichtlich erkannt. Sie mit den richtigen Partnern zusammenzubringen und Unternehmen für die Wertschätzung aller Mitarbeiter zu sensibilisieren, bleibt die weitere Aufgabe der Fachkräfteallianz Erzgebirge.

Die Ergebnisse dieser Studie wurden zum ersten Tag der Kleinunternehmen im Erzgebirge am 6. Februar 2020 präsentiert. Neben der Auseinandersetzung mit der Studie zeigte der Tag darüber hinaus Werkzeuge und Instrumente zur Fachkräftesicherung sowie Ideen zur Umsetzung auf, machte Mut zur aktiven Gestaltung und vernetzte die Teilnehmer.

Um diesen Impuls in die gesamte Region zu tragen, plant die IHK Chemnitz Regionalkammer Erzgebirge gemeinsam mit den Partnern der Fachkräfteallianz eine Roadshow, um UnternehmerInnen direkt vor Ort zu informieren. Der Auftakt findet am 18. März 2020, 18:15 Uhr im Kunsthof Eibenstock statt. Interessenten sind herzlich willkommen.

 

Zitate der Partner

„Kleinunternehmer sind meistens Strategen, Betriebswirte, Vertriebler -  generell einfach Multi-Talente, Chef und Mitarbeiter zugleich. Viele wirtschaftliche Sorgen, u.a. die Suche nach geeigneten Fachkräften, treffen sie einfach härter, da die Aufgaben ohnehin schon auf wenige Schultern verteilt sind. Genau da möchten wir ansetzen und Unterstützung anbieten.“
Jana Dost, Geschäftsführerin IHK Chemnitz Regionalkammer Erzgebirge

„Nicht Multis und Großkonzerne sondern Kleinunternehmer und Mittelständler sind die Stützen der Wirtschaft vor allem in einer ländlichen Region. Dabei haben es die Klein- und Kleinstunternehmen am schwersten auf alle aktuellen Anforderungen zu reagieren und diese umzusetzen. Dazu wollen wir Unterstützung anbieten, aber auch mit helfen, ihre gesellschaftliche und politische Wahrnehmung zu stärken und zu erhöhen.“
Steffen Böttcher, Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft Erzgebirge

„Die Kleinunternehmer sind, nicht nur in unserer Branche, das Herz und das Rückgrat der Region Erzgebirge. Sie zählen zu den wichtigsten Leistungsträgern sowohl wirtschaftlich, ehrenamtlich als auch ideell. Als Teil der Fachkräfteallianz Erzgebirge sehen wir die Studie und den Kleinunternehmertag als ersten wichtigen Schritt hin zur Anerkennung dieser erbrachten Leistung. Wir wollen darauf aufbauen und die Kleinunternehmer auch zukünftig besser unterstützen.“
Frederic Günther, Geschäftsführer Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e. V.

„Bislang kommen viele Maßnahmen zur Fachkräftesicherung aus der Fachkräfteallianz Erzgebirge noch nicht wirklich bei Kleinstunternehmen an. Daran werden wir in Zukunft gemeinsam noch mehr arbeiten.“
Matthias Lißke, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH

 

„Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.“