Zwönitzer Roboter schießt Bilder in der Unterwelt

Unter Österreichs Hauptstadt Wien liegen Tausende Kilometer Gänge, die teils unerforscht sind. Hightech aus dem Erzgebirge soll das jetzt ändern.

Klick-klick-klick. Stakkatoartige Geräusche künden davon, dass irgendwo in diesem unterirdischen Gang etwas vor sich geht. Ein seltsames Gerät steht auf einem Stativ, macht ruckartige Bewegungen und gibt immer wieder ein Klicken von sich. Es handelt sich um einen Fotoroboter, der selbsttätig Bilder seiner Umgebung schießt, in diesem Fall von einem gemauerten Ziegelgang unter dem Chemnitzer Kaßberg. "Auf dem fertigen Bild können Sie den kompletten Gang sehen, jeden einzelnen Ziegel davon", sagt Roland Clauss. Er ist Vertriebsleiter bei der Clauss Bild- und Datentechnik GmbH aus Zwönitz. Das mittelständische Unternehmen ist auf Vermessungs- und Fototechnik spezialisiert, stellt unter anderem Geräte her, mit denen sich extrem scharfe 360-Grad-Panoramabilder aufnehmen lassen. Auf den Fotos aus den Kaßbergkellern ist hinterher nicht nur jeder Ziegel zu erkennen. Auch jede Fuge und jeder Riss im Material. Etwa 25.000 Euro kostet solch ein Apparat, sagt Roland Clauss.

Entwickelt wurde dieser Fotoroboter im Auftrag der Stadt Wien. Im Einzugsgebiet der Donaumetropole verlaufen viele Kilometer Gänge und Wasserkanäle. Letztere sollen jetzt fotografisch erfasst werden. "Wir wollen den Zustand der Kanäle dokumentieren, um beispielsweise feststellen zu können, ob sich Stollen verformen oder Risse aufweisen", sagt Lothar Eysn vom Wiener Stadtvermessungsamt. Nachdem der Roboter den Test in den Kaßbergkellern bestanden hatte, wurde er letzte Woche erstmals in den Wiener Untergrund geschickt.

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Quelle: Freie Presse vom 13.11.2018, Mario Ulbrich