Zubringer-Nadelöhr: Baustart im nächsten Jahr ist ungewiss

Die S 258 zwischen Scheibenberg und Elterlein gilt in der Region als Sorgenkind. Die Trasse in Richtung Autobahn ist eng und viel befahren. Ab wann sie erneuert wird, bleibt offen.

VON ANNETT HONSCHA

SCHEIBENBERG/ELTERLEIN - Der Beginn eines der wichtigsten Straßenbauprojekte in der Region steht weiter in den Sternen. Dass die Arbeiten am Autobahnzubringer S 258 zwischen Scheibenberg und Elterlein wie geplant 2012 starten können, wird immer unwahrscheinlicher. Zwar ist die Finanzierung geklärt, aber nach Angaben der zuständigen Landesdirektion Chemnitz besteht nach wie vor kein Baurecht. Das dafür nötige und seit Jahren andauernde Verfahren konnte bislang nicht abgeschlossen werden. Die größten Konflikte bestehen laut Behördensprecher Matthias Schiefer weiter im Bereich Natur-, Gebiets- und Artenschutz. Dieses "brisante Thema" bedürfe einer sorgfältigen Prüfung.

Die Schwierigkeit: Der genannte Abschnitt des Autobahnzubringers, der den Altkreis Annaberg mit der Region Stollberg und der A 72 verbindet, liegt sowohl in einem Vogelschutz- als auch in einem Flora-Fauna-Habitat-Gebiet. Beide Areale sind Teil des europaübergreifenden Systems "Natura 2000", das den Lebensraum- und Artenschutz zum Ziel hat, wie der sächsische Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erläutert. Letzterer sieht daher Defizite beim jetzigen Planungsstand des Straßenbauprojekts. Ein Beispiel: Als Ausgleich von umfangreichen Waldrodungen, die für die teils neue Trasse nötig wären, plane das Straßenbauamt Plauen als Träger Ersatzpflanzungen bei Grünhain und Lauter. In Kooperation mit der Stadt Scheibenberg seien jedoch Flächen in der Nähe angeregt worden, so BUND-Landesgeschäftsführer Wolfgang Riether. Er sieht die Probleme aber generell als lösbar an.

Der Teil zwischen Scheibenberg und Elterlein ist einer von wenigen Abschnitten der S 258, die noch nicht erneuert wurden. Vor allem, wenn auf dem schmalen Stück zwei Laster aneinander vorbeifahren müssen, wird es eng. "Die Strecke ist sehr stark frequentiert", erklärt Peter Ludwig vom Referat Straßenwesen und Verkehr im Landratsamt. Täglich wären darauf etwa 7300 Fahrzeuge unterwegs, 10 bis 15 Prozent fielen in die Kategorie Schwerlastverkehr. Denn die S 258 ist für viele Firmen ein wichtiger Transportweg.

"Der Frust über die jetzige Situation ist schon groß."

Wolfgang Andersky

Bürgermeister von Scheibenberg

Die Situation für Lastkraftwagen ist es auch, die Anlieger Peter Wiesner Sorgen bereitet. Dabei denkt er vor allem an Gefahrguttransporter mit Chemikalien an Bord, sagt der Inhaber von "Wiesners Teichwirtschaft", die sich unmittelbar an der engen Trasse befindet. "Wenn diese Fahrzeuge ausweichen müssen, weil ihnen ein Auto entgegenkommt, wird es gefährlich", schildert er. Zwischen Straße und Rand gebe es stellenweise eine Kluft, die gerade im Winter nicht zu sehen sei. Wolle ein Gefahrguttransporter rechts anhalten, könne es passieren, dass er in eine Schieflage gerät und umkippt. "Das hätte für die umliegenden Naturschutzgebiete schlimme Folgen", so Wiesner, der schon mehrfach brenzlige Situationen auf der Strecke beobachtet hat. Ein Unfallschwerpunkt ist diese nach Einschätzung des Landratsamts aber nicht.

 

Dennoch setzen sich viele seit Langem dafür ein, dass das Nadelöhr verschwindet. "Der Frust über die jetzige Situation ist schon groß", sagt etwa Scheibenbergs Bürgermeister Wolfgang Andersky (Bürgerforum). Dass die Trasse für die Region wichtig ist, könne jeder anhand der Unternehmen sehen, die in der Nähe errichtet oder erweitert worden sind. "Ich nenne nur Takata, Vollmann und Cap Parts ", so Andersky. Daher wolle er seinen Optimismus nicht aufgeben, dass der Bau doch noch 2012 beginnen kann.

 

Das zuständige Straßenbauamt wollte sich dazu nicht äußern. Im Sommer hatte Leiter Frank Weigel von der Bad Schlemaer Zweigstelle der Plauener Behörde aber erklärt, dass ein Start 2012 realistisch sei, wenn bis Ende 2011 das Baurecht vorliegt. Denn erst danach können Aufträge ausgeschrieben werden.

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 13.12.2011