Wirtschaft im Erzgebirge bekommt Brexit schon zu spüren

Viele Firmen in der Region bereiten sich auf einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union vor. Angesichts der Unsicherheiten ist das aber gar nicht so einfach.

Kommt der Brexit oder kommt er nicht? Und wenn ja: Wann und in welcher Form? Das fragen sich derzeit auch viele Unternehmer im Erzgebirge. Die Auswirkungen des geplanten Ausscheidens Großbritanniens aus der EU bekommen sie zum Teil schon jetzt zu spüren. Angesichts der Unsicherheiten sei es schwierig, sich darauf einzustellen, sagen die von "Freie Presse" befragten Unternehmer.

Eher gelassen sieht Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge, dem nahenden Brexit entgegen. Er ist sich sicher: Die hiesige Wirtschaft kann ihn gut verkraften. "Es werden keine Arbeitsplätze verloren gehen", sagt er. Wichtiger als das Vereinigte Königreich seien für das Erzgebirge in Hinblick auf ausländische Absatzmärkte Frankreich, Italien und Tschechien. Gleichwohl ist sich Lißke bewusst, dass zum Beispiel ungeklärte Zollbestimmungen zunächst zu Problemen führen könnten.

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Automobilzulieferer: Quasi wöchentlich setzen sich die Verantwortlichen beim Automobilzulieferer Scherdel in Marienberg mit dem drohenden Brexit und den Folgen auseinander, sagt Karsten Barth, Mitglied der Geschäftsleitung. Der Austritt Großbritanniens aus der EU stelle für den drittgrößten Arbeitgeber im Erzgebirge ein Problem dar. "Wir importieren zwar wenig aus England, haben auf der Insel aber Kunden für unsere Produkte", ergänzt Barth. "Die Auswirkungen kann zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand genau abschätzen."

 

Papierproduzent: Betroffen ist auch die Schönfelder Papierfabrik. Das Unternehmen erzeugt Papier aus Recyclingmaterial und exportiert dieses auf die Insel. Großbritannien zähle zu den größten Abnehmern, sagt Felix Cordier, einer der beiden Geschäftsführer des 120 Mitarbeiter zählenden Unternehmens mit 40 Millionen Euro Jahresumsatz. Felix Cordier geht davon aus, dass es nach dem Brexit einen zeitweisen Rückgang geben wird. Seine britischen Abnehmer hätten sich schon jetzt mit Papier bevorratet. Entsprechend gut sei zuletzt die Auslastung in der Papierfabrik gewesen. Langfristig sieht der Geschäftsführer keine größeren Probleme. Er geht davon aus, dass die offenen Fragen etwa zum Thema Zoll zügig geklärt werden.

 

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Quelle: Freie Presse vom 28.01.2019, Georg Müller und Patrick Herrl


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