Wie mittelständische Unternehmen Mitarbeiter aufs Land locken

Katja Hillenbrand, Vorstand MICAS AG
Katja Hillenbrand, Vorstand MICAS AG

Junge Fachkräfte zieht es eher in die Städte als in die Provinz. Das ist ein Problem für die Mittelständler im ländlichen Raum. Sie müssen sich einiges einfallen lassen, um potentielle Mitarbeiter aus den Ballungsräumen anzulocken.

 

Noch findet Katja Hillenbrand meist passende Mitarbeiter. Doch die Chefin des Sensorherstellers Micas bekam auch schon Absagen von eigentlich qualifizierten Bewerbern – weil diese lieber in einer Großstadt leben wollen. Wie bei Micas im erzgebirgischen Oelsnitz ist auch anderswo im ländlichen Raum der Fachkräftemangel besonders stark zu spüren. Das zeigen auch Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

 

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Gerade die jungen Familien versucht Micas-Chefin Hillenbrand gezielt anzusprechen. Als zweifache Mutter weiß sie, warum. Überregional bekannt ist das Unternehmen vor allem für seine seit 2009 bestehende Betriebskindertagesstätte in die auch Hillenbrands eigener Sohn ging. Seit 2013 gibt es zusätzlich einen Hort, in dem schulpflichtige Kinder der Mitarbeiter nachmittags betreut werden. Insgesamt stehen 20 Plätze zur Verfügung.

 

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Micas ist sogar schon einen Schritt weiter. Katja Hillenbrand plant dort Betriebswohnungen für die Mitarbeiter– natürlich familien- und altersgerecht. Genau wie Kindergarten und Hort lohne sich das zwar finanziell auf absehbare Zeit nicht. Es sei aber eine Investition in die Zukunft des Unternehmens. Natürlich stelle sie sich manchmal vor, wie viel einfacher es wäre, wenn das Unternehmen an einem anderen Ort zu Hause wäre, sagt Hillenbrand: „Etwa wenn wieder ein Kandidat abgesagt hat, weil er doch lieber nach Dresden wollte.“ Sie selbst möge aber das Erzgebirge: „Die Natur ist herrlich, und die Kinder können draußen spielen“, sagt sie und ergänzt: „Ein Umzug der Firma hat ohnehin nie zur Debatte gestanden.“

 

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Quelle: Markt-und-Mittelstand-Ausgabe 7-8/2017