Was Räucherkerzen mit Siemens zu tun haben

Chemnitz/Neudorf. Seit kurzem beschäftigt sich Automatisierungsexperte Marcel Rüdiger von Siemens auch mit der Produktion von Räucherkerzen. Die kleinen und zumeist schwarzen Kegel, die beim Abbrennen Wohnzimmer in weihnachtliche Düfte hüllen, werden in der Regel im Erzgebirge hergestellt. Ein großer Teil stammt aus der Manufaktur von Jürgen Huss aus Neudorf. [...] Neuerdings haben einige seiner Räucherkerzen an der Unterseite statt einer ebenen Fläche ein 1 bis 1,5 Millimeter breites Loch, in das ein Metallstift hineingesteckt werden kann. Vorteile: Die oft recht wackeligen Kegel fallen nicht um, sie brennen sauber und sicher ab und hinterlassen keine schwarzen Scheiben auf dem Boden. Voraussetzung ist allerdings ein Räuchermann oder -haus mit Metallstab. Huss selbst habe in seine Produkte einen solchen Stab bereits eingebaut.

 

In der Vergangenheit wurden die Löcher allesamt per Hand in die Kerzen gebohrt. "Eigentlich ein Unding", so Huss, der per Zufall auf die Idee kam. "Ich habe einfach mal selbst ein Loch hineingemacht. Das Ergebnis war verblüffend", sagt er.

 

Weil ihn seine Entdeckung nicht mehr losließ, entwickelte der gelernte Maschinenbauer eine Spezialmaschine - etwas, das es auf dem Markt bislang noch nicht gegeben hat, wie er stolz betont. Doch für die Produktion musste der Herstellungsprozess noch automatisiert werden. An einen Großkonzern wie Siemens habe er dabei anfangs gar nicht gedacht. Dann lernte er über einen Freund allerdings Marcel Rüdiger kennen, der sich die Verhältnisse vor Ort anschaute und ab Mai dieses Jahres die Steuerung baute - die erste "Siemens-Automatisierung in einer Manufaktur-Umgebung", wie dieser betont.  "Mit der Automatisierung kann etwa eine Räucherkerze pro Sekunde hergestellt werden", sagt Rüdiger.

 

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Quelle: ​Freie Presse vom 07.12.2017, Jürgen Werner