Vom Gymnasium in den Hörsaal

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Bei der Festwoche anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge in der vorigen Woche war sie noch dabei. Als frisch gebackene 1,0-Abiturientin hat sie das musikalische Großprojekt "Carmina Burana" mitgestaltet. In dieser Woche nun sitzt Anna Köhler aus Wiesa bereits in Dresden an der Universität und startet ihr Medizinstudium. 

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Dabei hat die junge Frau ein besonderes Studienziel: Sie will als Allgemeinmedizinerin wieder in das Erzgebirge zurückkehren. Deshalb hat sie sich auch für eines der 20 Hausarztstipendien beworben, die auch in diesem Studiengang wieder vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz ausgelobt sind.

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Ein Zeitplan, der dem Naturell des Energiebündels entspricht. Denn Zeit vergeuden, ist nicht ihr Ding. So hat sie die zurückliegenden Wochen - einschließlich Sommerferien - genutzt, um ihr dreiwöchiges Pflegepraktikum im Erzgebirgsklinikum in Annaberg-Buchholz zu absolvieren. Das muss jeder Medizinstudent spätestens bei der Anmeldung zur 1. Ärztlichen Prüfung nachweisen. Drei Monate, in denen sie nicht nur Patienten gewaschen und ihnen Essen gereicht, Betten gemacht und Vitalwerte gemessen hat. Drei Monate, in denen sie vor allem viele Erfahrungen gesammelt hat - "und dabei besonders viel Hochachtung vor den anstrengenden, aber so enorm wichtigen Aufgaben einer Schwester" bekommen hat. "Ich habe gelernt, mehr auf Menschen zu achten und zu sehen, was sie gerade gebrauchen könnten - ob es nun eine Flasche Wasser, eine Zeitung oder einfach Zeit zum Zuhören ist", resümiert sie ihren Einsatz auf Station 4.

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Und der Kontakt zur Familie und zum großen Hof im heimischen Wiesa bleibt ja auch - allein schon ihrer Bienen wegen. Denn die Imkerei wegen des Studiums aufzugeben, kommt für die nicht infrage. "Ich habe vor, jedes Wochenende mit dem Zug nach Hause zu kommen. Da dürften bestimmt ein paar Minuten für die Bienen abfallen", sagt sie. Zudem seien die Tiere pflegeleicht: "Man pflegt ein Volk eher zu Tode, als dass man es unterversorgt." Und winterfest hat sie ihre acht Völker ohnehin schon gemacht.

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Quelle: Freie Presse vom 09.10.2019, Antje Flath