Solar-World setzt viele seiner Leiharbeiter vor die Tür

Für die deutsche Solarbranche sind harte Zeiten angebrochen. In Freiberg reagiert der größte deutsche Hersteller mit drastischen Maßnahmen.

VON CHRISTOPH ULRICH

FREIBERG/BONN - Der Bonner Solarhersteller Solar-World reagiert auf den anhaltenden Preisverfall von Solarmodulen mit Umstrukturierungen und Personalabbau. Am Standort Freiberg sind davon die rund 500 Leiharbeiter des Solar-Konzerns betroffen. Nach Auskunft des Unternehmens sollen im Laufe dieses Monats etwa 75 Prozent der Leiharbeitsplätze abgebaut werden. Bereits gestern wurde ein Großteil der Zeitarbeiter vorzeitig nach Hause geschickt.

Solar-World hatte Ende Mai die größte Solar-Modulfabrik Deutschlands in Betrieb genommen und dafür rund 75 Millionen investiert. Gestern teilte Solar-World mit, dass mit dem Anlauf der neuen Fertigung die Jahreskapazität für Solarwafer am Standort auf 1000 Megawatt angestiegen sei. Die Produktion sei auf dem modernsten Stand, so dass ältere Produktionsteile außer Betrieb genommen werden könnten. Damit einher gehe die Reduzierung des zuvor für die Aufbauphase notwendigen Anteils an Leiharbeitsplätzen. Rund ein Viertel der knapp 2000 Beschäftigten waren Zeitarbeiter. Mit den Maßnahmen erreiche Solar-World eine deutliche Kostensenkung und die Steigerung der Produktivität am deutschen Standort.

Ähnlich handelt der Solar-Konzern auch in den USA. Dort konzentriert Solar-World seine Produktion auf den Standort Hillsboro (Oregon). Die Modulproduktion in Camarillo (Kalifornien) wird beendet und komplett in Hillsboro gebündelt. Dadurch sollen die Produktionskosten gesenkt werden. Camarillo bleibt aber ein Vertriebs- und Distributions-Standort.

Vorstandschef Frank Asbeck reagiert mit diesen Maßnahmen auf den starken Wettbewerbsdruck in der Photovoltaik-Branche. Vor allem Hersteller aus China machen den deutschen Solarunternehmen zunehmend zu schaffen. Zudem haben sich in der Branche Überkapazitäten herausgebildet. Hinzu kommt, dass durch den Rückgang der Solarförderung sich die Nachfrage im für die Solarindustrie wichtigen deutschen Markt deutlich abgeschwächt hat. In den USA musste der Solarhersteller Evergreen bereits Insolvenz anmelden.

Für Solar-World sieht Asbeck nach den drastischen Maßnahmen eine gestärkte Wettbewerbsposition. "Wir halten unseren Lohnkostenanteil damit weiterhin bei unter zehn Prozent. Insbesondere in Abgrenzung gegenüber Herstellern, die zunehmend in Billiglohnländer verlagern oder von dort kommen, ist dies von strategischer Bedeutung", sagte der Vorstandschef gestern. Der Solar-World-Konzern gilt als ein weltweit führender Markenhersteller von kristalliner Solarstromtechnologie. Insgesamt beschäftigt Solar-World weltweit rund 3500 Mitarbeiter.

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 03.09.2011