SERIE: MADE IN ERZ - Spielplätze sind mehr als Schaukeln

Die 15 Mitarbeiter des Spielgeräteherstellers Kriehn wissen, was Kindern gefällt. Schon im zweiten Jahr seines Bestehens knackt das Unternehmen mit dem Umsatz die Millionen-Marke.

VON KATHRIN WEIGERT

PFAFFRODA - In der Produktionshalle der Firma Kriehn in Pfaffroda sieht es aus wie im Bergbaumuseum. Überdimensionale Hämmer aus Holz liegen neben einem Förderwagen und einer Bergmannsfigur. Doch wer genau hinsieht, erkennt: Anfassen ist ausdrücklich erlaubt. Denn was Kriehn herstellt, dient zum Spielen und Toben. "Das hier wird ein Spielplatz zum Thema Bergbau für die Landesgartenschau 2015 in Oelsnitz", erläutert Lydia Kriehn, die mit ihren 21 Jahren bereits Geschäftsführerin ist.

Die junge Frau aus Oederan hat im März 2010 die Spiel, Sport und Freizeit Kriehn GmbH gegründet. Derzeit sorgen 15 Mitarbeiter dafür, dass jeden Tag mindestens ein Spielgerät die Produktionshalle verlässt. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von knapp einer Million Euro, für 2011 rechnet Lydia Kriehn mit 1,4 bis 1,5 Millionen. Bis Ende des Jahres sind die Auftragsbücher gefüllt.

"Derzeit bauen wir drei Spielplätze parallel", sagt Lydia Kriehn. Einer der größten Aufträge bisher war ein Spielplatz für die Mittelschule in Auerbach/Vogtland im Wert von 80.000 Euro. Kriehn produziert und montiert einen kompletten Spielplatz inklusive Bank für Mama und Opa genauso wie einzelne Geräte. Doch die Firma kann nicht nur Spaß. So gestaltete Kriehn die Kuppel des Geiergeheges im Tierpark Berlin, die 15 Meter hoch ist und einen Durchmesser von 25 Meter hat.

Die Spielplätze aus Pfaffroda stehen in ganz Sachsen und überall in Deutschland verstreut. Derzeit werden erste Kontakte zu Vertretern in Polen geknüpft. "Unsere Auftraggeber sind Kommunen und freie Träger von Kindereinrichtungen", legt Lydia Kriehn dar, deren Vater viele Jahre als Handelsvertreter Spielgeräte verkauft hat. "Da war ich oft bei den Einweihungen dabei und habe mir gesagt: Das mache ich später auch", sagt die gelernte Wirtschaftsassistentin, die sich nebenbei zum technischen Betriebswirt weiterbildet.

Gebaut wird nicht nur in, sondern auch an der 1500 Quadratmeter großen Produktionshalle an der Freiberger Straße. Für 350.000 Euro werden derzeit das Dach, die Heizung, Fenster und Fassade erneuert. Für Pfaffroda hat sich Lydia Kriehn bewusst entschieden: "Die Halle stand leer und wir haben unseren Stahlbauer in der Nähe. Pfaffroda ist ein guter Standort, hier fühlen wir uns wohl."

60 bis 70 Prozent der Spielanlagen aus dem Hause Kriehn sind aus Holz. Douglasie, Lärche, Robinie und Eiche kommen als Stamm nach Pfaffroda und werden hier bearbeitet. "Wenn ein Kunde aber Stahl möchte, bekommt er Stahl", verdeutlicht Lydia Kriehn. "Wir bauen individuelle Spielplätze. Wenn wir uns mit den Betreuerinnen eines Kindergartens über deren Vorstellungen unterhalten, kommt oft der Satz: Aber nicht dieselbe Anlage wie im Nachbardorf." So stellt der eine Spielplatz eine Ritterburg mit Türmchen dar, während der andere einen Verkaufsstand integriert hat. "Es ist sehr viel Handarbeit dabei."

"Die Kinder sollen ein Kribbeln im Bauch spüren."

Lydia Kriehn Geschäftsführerin

Grenzen zeigen dem Hersteller nur die Statik und die Vorschriften auf. Da die Anlagen im öffentlichen Bereich stehen, muss Lydia Kriehn sich an europäische Normen halten- damit sich die Kinder beim Spielen beispielsweise nicht die Finger oder den Kopf einklemmen. Daher wird alles von einem unabhängigen Sachverständigen abgenommen.

Der Spaß soll aber nicht verloren gehen. "Kinder sollen trotzdem das Kribbeln im Bauch spüren", meint Lydia Kriehn. Im Trend seien Spielplätze, auf denen die Kinder wirklich etwas machen müssen: klettern, balancieren, musizieren. Schaukeln, Rutschen und Wippen lassen sich dadurch aber nicht von den Spielplätzen vertreiben. Lydia Kriehn: "Die sind Dauerbrenner."

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Zschopauer Zeitung, 21.10.2011