SERIE: MADE IN ERZ - Eibenstocker liegen wieder auf Erfolgskurs

Elektrowerkzeugbau-Firma ist nach überstandener Krise fast auf dem alten Stand. Das Engagement in Indien soll zugleich den Stammsitz im Erzgebirge stärken.

VON KJELL RIEDEL

EIBENSTOCK - Ob bohren, meißeln, mischen, fräsen, polieren, schleifen, schrauben, Putz bearbeiten, trennen und sägen oder absaugen: Die Elek-trowerkzeuge GmbH Eibenstock hat eine passende Maschine dafür. Allerdings werden sich die Produkte aus der Bergstadt eher selten im privaten Keller oder Schuppen daheim finden lassen. Dafür auf Baustellen in mehr als 50 Ländern der Welt. Lediglich eine deutsche Baumarktkette führt Artikel mit dem Logo der erzgebirgischen Firma. Und das ist durchaus so gewollt. "Wir konzentrieren uns auf Nischenprodukte speziell für die Baubranche", erklärt Lothar Lässig, der Geschäftsführende Gesellschafter.

Mit dieser Strategie ist das Unternehmen, dessen Aushängeschilder zum Beispiel moderne Maschinen zum Kernbohren mit Diamantbohrkronen, Steinsägen und Rührwerke sind, bisher gut gefahren. Auch durch die jüngste Wirtschaftskrise.

Starkes Wachstum

Zwar blieben die Eibenstocker nicht verschont, rund 40 Arbeitsplätze mussten abgebaut werden. Aber inzwischen hat die Belegschaft mit knapp 200 Leuten den alten Stand fast wieder erreicht. Ein Teil davon ist im noch jungen Betriebsteil in Morgenröthe-Rautenkranz in der Gießerei und CNC-Bearbeitung beschäftigt. Umsatzmäßig werden laut Lässig bis Ende des Jahres ebenfalls Vorkrisenzahlen zu verzeichnen sein. 14 Millionen Euro betrug der Umsatz im ersten Halbjahr 2011.

"Die Krise ist vorbei. Es gibt teils sogar Probleme, Material zu bekommen, weil die Zulieferer voll zu tun haben. Zum Glück sind wir nicht so sehr darauf angewiesen", berichtet der Chef, dessen Firma jährlich rund 150.000 Elektrowerkzeuge und Motoren verlassen. Nach dem Einbruch verzeichnete das Unternehmen im ersten Halbjahr 2010 ein Wachstum von 29 Prozent, in den ersten sechs Monaten dieses Jahres noch einmal 17 Prozent. Dass es so rasant weitergeht, glaubt der 57-jährige Bockauer nicht. "Prognosen sind kaum möglich. Wenn man Dinge wie in Griechenland sieht, wird der Aufschwung wohl nicht anhalten."

Es sei vor allem der deutsche Markt gewesen, der durch die Krise geholfen habe. "Er ist stabil und hat sich zu unserem Schwerpunkt entwickelt. Außerdem werden wir und unsere Qualität inzwischen auch hierzulande immer bekannter", erklärt der sportbegeisterte frühere Auer Ringer, dessen Firmenlogo vor einigen Jahren die Trikots der Zweitliga-Fußballer des FCE zierte.

Chance in Asien

Der Exportanteil der Eibenstocker liegt "nur" noch bei 44 Prozent. "Wir sind auf jedem Kontinent vertreten, wenngleich die EU unser wichtigstes Absatzgebiet ist." Schon lange richtet Lässig den Blick auch gen Asien. So hat er sich jetzt mit 50 Prozent an der Firma Positron in Pune in Indien beteiligt. "Dort wird ein neuer Unternehmenssitz gebaut, um speziell den indischen Markt, aber ebenso den asiatischen insgesamt zu beliefern. Wir können unsere Ideen voll einbringen." Den Inhaber von Positron kenne er seit 20 Jahren. Zudem gebe es in Indien mit seinen mehr als 1,2 Milliarden Einwohnern nur drei Hersteller in dieser Branche. "In China sind es 1000, und die überschwemmen die Märkte mit billigen Produkten", sagt Lässig, der gerade deshalb mit dem indischen Partner auf annähernd deutsche Qualität setzen will - als eine Art Gegenpol. Zugleich sichere das Engagement in Asien Arbeitsplätze am Standort Eibenstock. "Weil wir in Indien zu günstigen Preisen Komponenten für uns fertigen können."

Und der Erhalt seiner Firma im Erzgebirge steht für den Bockauer an erster Stelle. So werden allein in diesem Jahr erneut rund 1,6 Millionen Euro in Eibenstock investiert, etwa für neue Technik. 2012 wird unter anderem das Versandlager erweitert. "Wir sind schuldenfrei, was uns in die Lage versetzt, die Gewinne gezielt wieder ins eigene Unternehmen zu stecken."

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 19.07.2011