Sechs Kapellen gestalten Bergparade mit

Der Annaberg-Buchholzer gilt als der größte sächsische Aufzug seiner Art in der Adventszeit Annaberg-Buchholz. Sie blicken auf mehr als 500 Jahre Bergbautradition - die Mitglieder der Bergknapp- und -brüderschaft Glück Auf Frohnau/Annaberg-Buchholz. Und sie sind jedes Jahr die Gastgeber für die große Abschlussparade des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine. Ihre Musikerinnen und Musiker vom Bergmusikkorps Frisch Glück sind noch nicht so alt: Das Ensemble feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Und es hat etwas, das nur wenige bergmännische Musikvereine in Sachsen haben: eine Frau als Dirigentin. "Das ist auch deutschlandweit eher die Ausnahme", bestätigt Landesbergmusikdirektor Jens Bretschneider.

 

Seit 2004 gibt Diplommusikpädagogin Monika Jahn bei den Bergmusikern aus Annaberg und Frohnau den Ton an - und das nicht nur bei den Erwachsenen, sondern auch beim Nachwuchs. "Ein Glücksgriff", ist man im Verein überzeugt: Nach ihrem Diplom an der Pädagogischen Hochschule in Zwickau hat Monika Jahn von 1971 bis 1989 immer wieder Dirigierkurse an den Hochschulen in Berlin, Leipzig, Weimar und Dresden gegeben. Parallel dazu arbeitete sie von 1973 bis 1991 als Musiklehrerin und Orchesterleiterin im Kreis Altenburg - in ihrer angestammten Heimat Thüringen. Dort ist sie übrigens bis heute als Instrumentallehrerin für das Jugendblasorchester Lucka aktiv. Ähnlich wie in ihrer neuen Heimat Erzgebirge, in der sie sich ebenfalls um die Ausbildung des Orchesternachwuchses kümmert. Es reizt sie, mit Kindern zu arbeiten - "ihnen über die Musik etwas fürs Leben mitzugeben". 1992 hat sie ein zweites Dirigierstudium absolviert - an der Bundesakademie in Trossingen: "Da war ich damals die erste ostdeutsche Absolventin."

 

Ihre ersten Noten hat sie im Alter von acht Jahren auf einem Glockenspiel gespielt. Und zu Noten hat sie nach wie vor eine besondere Beziehung. Widmet sie sich doch intensiv der Erforschung der Bergmusiken weltweit. Ihr Fazit: "Es gibt nirgendwo auf der Welt so viel Bergmusik wie in Sachsen." Mittlerweile hat sie Material aus Kanada und Finnland, aus Nord- und Südamerika, aus Spanien und Italien. Auch ein ganz altes chinesisches Bergmannslied gehört dazu - aus dem 16./17. Jahrhundert, vermutet Monika Jahn. Übermittelt hat es ihr ein deutscher Ingenieur, der in China arbeitet. Doch es sollte etwas dauern, bis daraus eine "schöne Melodie" entstehen konnte, die auch von deutschen Orchestern gespielt werden kann. Denn das Lied war in asiatischen Zahlennoten geschrieben, und bei deren "Übersetzung" konnte der Dirigentin zunächst keiner helfen. Nicht einmal bei der Universität in Leipzig wusste man Rat. Doch irgendwann hielt sie den notwendigen Schlüssel in den Händen und konnte das Notenmaterial übersetzen.

 

Nun wünscht sie sich, dass sich aus ihrem vielen Material vielleicht einmal ein Projekt gestalten lässt mit internationalen Bergmusiken. Für ein Orchester allein sei das aber allein zeitlich zu aufwendig angesichts der vielen Verpflichtungen das ganze Jahr über. Und sie weiß, wovon sie spricht, hat sie doch 2004/2005 das Europaorchester des Thüringer Blasmusikverbandes geleitet: Junge Musikerinnen und Musiker aus Deutschland, Ungarn, der Slowakei, Estland und Tschechien gestalteten gemeinsam Konzerte in Tschechien, Ungarn und Deutschland. Doch nach der Bergparade in Annaberg, die auch für Monika Jahn immer wieder etwas Besonderes ist, gilt ihre ganze Aufmerksamkeit zunächst dem letzten wichtigen Termin des Bergmusikkorps in diesem Jahr: dem traditionellen Abschlusskonzert am Nachmittag des 28. Dezember im Erzhammer in Annaberg. Und das steht dieses Mal ganz im Zeichen des 30-jährigen Bestehens des Musikvereins.

 

Quelle: Freie Presse, 19.12.2011