Rektor sieht neues Institut als Wegmarke

Die TU Bergakademie Freiberg profiliert sich weiter als Ressourcen-Uni. Das Helmholtz-Institut, das ab Juli in der Kreisstadt starten soll, ist dazu ein wichtiger Schritt.

VON STEFFEN JANKOWSKI

FREIBERG - Professor Bernd Meyer, der Rektor der TU Bergakademie, hat allen Grund, stolz zu sein. Die in dieser Woche vom Senat der Helmholtz-Gemeinschaft verkündete Entscheidung, gemeinsam mit der Freiberger Hochschule ein Helmholtz-Institut für Ressourcentechnologie Freiberg zu gründen, sei für ihn "eine persönliche Wegmarke als auch eine Bestätigung der Leistungsfähigkeit der Universität", erklärte der 59-Jährige gestern.

Der Rektor erinnert sich noch sehr gut an den Vor-Ort-Termin am 9. Mai: "Wir haben die hochkarätig besetzte Gutachtergruppe unter Leitung des Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft, Professor Jürgen Mlynek, von Freiberg überzeugt." Nun stehe einer gemeinsamen Gründung, wie von Anfang an geplant, nichts mehr im Wege. "Das Vertrauen des Helmholtz-Senats hat uns in unserem Kurs als Ressourcenuniversität bestätigt", freute sich Meyer.

Die Bergakademie und der materialwissenschaftliche Forschungsbereich im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) werden sich perfekt ergänzen, urteilte auch Professor Roland Sauerbrey, der wissenschaftliche Direktor des HZDR. "Zudem steuern wir biologische Expertise bei für die Entwicklung effizienter biotechnologischer Verfahren zur Gewinnung, Aufbereitung und zum Recycling seltener Erden und anderer Spurenelemente. Die räumliche Nähe erlaubt den zukünftigen Mitarbeitern zudem die Mitnutzung der Großgeräte im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf."

An der TU Bergakademie Freiberg wird in den vier Themengebieten Geo, Material, Energie und Umwelt gelehrt und geforscht. In der Wertschöpfungskette genießt dabei eine nachhaltige Stoff- und Energiewirtschaft einen besonderen Stellenwert. Das Konzept einer Kooperation beider Einrichtungen war im vergangenen Jahr auch von einer Gutachterkommission des Bundesforschungsministeriums sehr positiv bewertet worden. Immerhin will der Bund das neue Ressourceninstitut mit fünf Millionen Euro pro Jahr unterstützen.

"Das Institut schließt eine wichtige Lücke in der außeruniversitären Forschungslandschaft in Deutschland", erklärte Gründungsdirektor Jens Gutzmer. Dabei gehe es besonders um neuen Technologien für die Rohstoffverwertung von der Erkundung bis zum Recycling, so der Freiberger Professor weiter. Das sei auch eine Ergänzung der 2010 gegründeten Deutschen Rohstoffagentur an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. Bereits ab nächstem Monat soll ein Aufbaustab zunächst im Freiberger DBI einziehen. In fünf Jahren soll das Institut auf etwa 100 Mitarbeiter wachsen.

Als Sitz ist dann das Gizef-Gebäude an der Chemnitzer Straße 40 im Gespräch. In dem Komplex war zu DDR-Zeiten das Forschungsinstitut für Aufbereitung (FIA) tätig. Die Zerschlagung dieser Einrichtung nach der Wende wird von Eingeweihten als Fehler gesehen. Ihr Auftrag ähnelte dem des neuen Helmholtz-Instituts, das an Technologien zur Erkundung, Gewinnung und Nutzung mineralischer und metallhaltiger Rohstoffe sowie zum Recycling forschen und entsprechende Fachkräfte ausbilden soll.

Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf hat vier Standorte in Dresden, Freiberg, Leipzig und Grenoble und beschäftigt rund 800 Mitarbeiter. Ihnen stehen sechs Großgeräte mit teils einmaligen Experimentiermöglichkeiten zur Verfügung. Geforscht wird unter anderem zum Verhalten von Materie unter dem Einfluss hoher Felder und in kleinsten Dimensionen, zu Tumorerkrankungen sowie zum Schutz von Mensch und Umwelt vor technischen Risiken.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 08.06.2011