Photokina zeigt Neuheiten aus Sachsen

Hersteller investieren in Entwicklung

Von André Wirsig

 

Köln. Man muss schon genau hinsehen: Während in Sichtweite des Standes von Berlebach Stativtechnik aus Mulda (bei Freiberg) lautstark nichts weniger als die Revolution der 3D-Fotografie angekündigt wird, haben die Sachsen ein paar echte Innovationen aufgebaut. Die neuen Stativköpfe aus dem Hause Berlebach kommen als Baukastensystem daher. "So etwas hat kein anderer Hersteller im Programm", sagt Wolfgang Fleischer, der Inhaber der kleinen Manufaktur, deren guter Ruf sich vor allem auf die heute fast exotischen Holzstative aufbaut. Entsprechend groß war das Interesse der Konkurrenz aus Fernost schon am ersten Messetag. "Wir können nicht verhindern, dass jemand das nachbaut", weiß Wolfgang Fleischer. "Wir müssen mit unseren Innovationen eben immer ein Tick schneller sein." Der Erfolg gibt Fleischer recht. Erst diese Woche zur Photokina vorgestellt, können sich die neuen Profi-Neiger aus Sachsen schon mit dem ersten Testsieg schmücken. Um eine solche herausragende Präzision anbieten zu können, haben die Muldaer in den vergangenen fünf Jahren eine halbe Million Euro in die Metallverarbeitung investiert. Zwei Jahre Entwicklungszeit stecken in den neuen Stativköpfen. Und gedanklich ist Wolfgang Fleischer deshalb schon bei der nächsten Photokina 2012. Schon vor der aktuellen Messe brauchte Berlebach nicht über Nachfragemangel klagen. "Wir sind gut ausgelastet", so Fleischer. "Aber die Photokina ist eine Weltmesse und da gehören wir hin." Mehr als die Hälfte der Stative und -köpfe aus Mulda gehen in den Export.

Ebenfalls sächsisch bescheiden war der Auftritt der Dr. Clauss Bild- und Datentechnik aus dem erzgebirgischen Zwönitz. Aber auch der hatte es in sich: Am ersten Messetag präsentierten die Spezialisten für digitale Panoramafotografie mit einem so genannten objektorientierten laserphotogrammetrischen Aufmess-System eine Weltneuheit. "Dabei wird nicht nur ein Panoramabild aufgenommen, sondern gleichzeitig per Laser der Raum erfasst", erläutert Ulrich Clauß. So lassen sich später am Computer ganz einfach die so fotografierten Räume virtuell nachbauen. Die dritte Dimension bei den Bildern war ohnehin das beherrschende Thema des diesjährigen Branchentreffs. So präsentiert die Dresdner Firma Pentacon erstmals einen Prototyp der Praktica DMMC-3D. Die handliche Foto- und Videokamera kann gleichzeitig zwei Fotos aufnehmen und somit Eindrücke auch räumlich festhalten. Der Clou: Zum Betrachten der Fotos auf dem Kameradisplay ist keine Spezialbrille nötig. Gleiches gilt für den digitalen 3D-Bilderrahmen, den Pentacon passend dazu vorstellt. Die Markteinführung ist indes noch nicht endgültig entschieden. "Wir wollen hier die Reaktionen des Fachpublikums testen", so Aurich. Wenn die Resonanz positiv ist, soll die 3D-Praktica Anfang 2011 für knapp 200 Euro in die Läden kommen. Bereits erhältlich ist eine andere Neuheit aus Dresden. So gibt es mit der orangen DPix 5000WP die erste unterwassertaugliche Kamera mit dem Traditionsnamen Praktica.

Die Dresdner Firma Pentacon Feinwerktechnik gehört schon fast zum Inventar der weltgrößten Fotoschau. Schon bei der ersten Messe 1952 präsentierten sich die Dresdner Kamerabauer am Rhein. Mit den bekannten Marken "Praktica" und "Exakta" genießen die Sachsen auch heute noch einen guten Ruf in der Branche. "Wir erwarten Vertretungen aus 30 Ländern an unserem Stand", sagt Pentagon-Sprecher Thomas Aurich. Die Nachfrage sei ungebrochen. "Unsere Auftragsbücher sind voll." Am neuen Produktionsstandort in Dresden müssen die 160 Mitarbeiter Sonderschichten schieben. "Wir stellen deshalb auch wieder ein", sagt Aurich.

 

Am Jahresumsatz von reichlich 30 Millionen Euro macht der Vertrieb von Kameras der Marke Praktica heute immer noch den Löwenanteil aus. Aber auch die anderen Geschäftsfelder entwickeln sich gut. Mit den in Dresden gebauten Spezialscannern mischen die Sachsen ausgerechnet den japanischen Markt auf. "Der neue Pentacon Scan 7000, den wir hier auf der Photokina vorstellen, hat eine Auflösung von 400 Megapixeln", sagt Aurich. Das ist etwa das Hundertfache einer einfachen Digitalkamera. "Auf dem japanischen Markt haben wir nur zwei Wettbewerber, die überhaupt diese Auflösung schaffen", sagt Aurich. Solche Spezialgeräte werden vor allem in Museen zur Digitalisierung ihrer Archivbestände eingesetzt.

Service:

Noch bis zum Sonntag ist die Photokina in Köln, Messeplatz 1, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eine Tageskarte kostet 27 Euro.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 23.09.2010