Ordner sollen helfen, Wünsche zu ordnen

Eine passende Arbeit für sich zu finden, ist sicher nicht leicht. Berufswahlpässe sollen Schülern diese Entscheidung erleichtern.

VON BEATE KINDT-MATUSCHEK

SCHWARZENBERG - Nur etwa ein Drittel der in der Aula des Brecht Gymnasiums in Schwarzenberg versammelten Neuntklässler hebt die Hand. Vorausgegangen war dieser zögerlichen Reaktion die Frage von Beratungslehrerin Heike Neubert, wer denn schon eine Vorstellung von seinem Traumberuf hat.

Für einige ist "zumindest die Richtung klar". Ein Großteil aber zuckt auf die Frage nach dem Weg im Anschluss ans Abitur nur mit den Schultern. "Studieren", sagen die meisten. Doch was, liegt noch völlig im Nebel. Um diesen Nebel allmählich zu lichten, erhalten die jungen Leute neuerdings einen sogenannten Berufswahlpass. Dieser kostet etwa fünf Euro und wird vom Wirtschafts- und Gewerbeverein Schwarzenberg finanziert. Es handelt sich um einen Ordner, der helfen soll, die Wünsche und Vorstellungen der Schüler zu ordnen.

"Sie werden mehrfach Gelegenheit haben, in die Berufswelt reinzuschnuppern. Das geschieht über Praktika wie über Exkursionen", sagt Beratungslehrerin Heike Neubert. Sie klemmt sich mit Kollegin Cornelia Förster dahinter, dass die Heranwachsenden möglichst frühzeitig einen Einblick in die Berufswelt erhalten. Aufgezeigt werden auf diese Weise denkbare Wege. Bislang verlief der Lebens- und Schulweg der Mädchen und Jungen beinahe im Selbstlauf. Bei jedem Schritt und jeder Entscheidung war der Ratschlag der Lehrer und Eltern ausreichend. Doch irgendwann gilt es, eine höhere Hürde zu überwinden: die der Berufs- oder Studienwahl.

 

Gegliedert in fünf große Kapitel, bietet der Ordner noch viel Platz für eigene Erfahrungsberichte und Notizen. Denn die Jugendlichen sollen darin alles dokumentieren, was ihnen wichtig erscheint und so Einschätzungen sammeln. Daraus ergibt sich dann allmählich ein Bild, das den jungen Leuten ihre Stärken und Schwächen, Vorlieben und Interessen vor Augen führt - und schließlich den Weg zum richtigen Beruf oder Studium weist.

Teil 4 der Akte geht sogar noch einen Schritt weiter: Er ist gedacht für den Blick in die Zukunft. Weil zu einem Studium ja vielleicht auch eine eigene Wohnung nötig ist, für die man einen Mietvertrag braucht. Die Pässe sind also ein erster Schritt für den Start ins selbstbestimmte Leben.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 20.10.2011