Operation am "Herzstück" des Pappenwerks

Zwei Drittel der Kartonmaschine durch neue Teile ersetzt - Investitionsvolumen von 10,5 Millionen Euro

Von Beate Kindt-Matuschek

Es ist vergleichbar mit einer Operation am offenen Herzen, was derzeit einer der

Hallen des Kartonagenwerks in Schwarzenberg passiert. Denn die riesige Kartonmaschine ist das "Herzstück" des Unternehmens. Und dieses schlägt schon seit vielen Jahrzehnten. Jetzt wird es für gut 10,5 Millionen Euro für die nächsten Jahrzehnte flott gemacht. Dafür musste die Produktion auf der Maschine jedoch gestoppt werden. Das geschah am letzten Sonntag im August. "Zeitgleich rückten die Handwerker an und begannen mit der Demontage der Teile", erzählt Christian Bleyl, der seit 1995 Geschäftsführer des Werkes ist.

 

Seit zwei Jahren gehören die Schwarzenberger zur heutigen Schumacher Packaging GmbH. Mit der Demontage begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn: Bereits am 21. September soll der Startschuss für den Probebetrieb fallen. "Etwa zwei Drittel der Maschine werden erneuert. Ausgewechselt werden die Rundsiebe und die Pressen für die Pappenherstellung. Auch der Längst- und Querschneider wird erneut", erläutert Bleyl die technischen Einzelheiten. Doch die neuen Bauteile bedürfen teilweise "fundamentale" Veränderungen für ihre Standsicherheit. Deshalb wirbeln derzeit nicht nur Mechaniker der Spezialfirmen durch die Halle, die sowohl die neue Rundsieb- und Pressenpartie der Kartonmaschine einbauen, sondern auch Statiker, Baufachleute, Stahl- und Rohrleitungsbauer sowie Elektriker. "Etwa 120 Handwerker verschiedenster Gewerke arbeiten momentan hier - und das in drei Schichten", so der Kartonagen-Chef.

Die Uhr tickt für ihn besonders laut und hörbar, wenn die Maschine steht. Denn damit steht die Herstellung. Die Weiterverarbeitung der Pappe läuft indes weiter. Zum einen wurde mit Blick auf die Stillstandszeit der Maschine vorproduziert. Zum anderen Rohpappe von Fremdherstellern zugekauft. "Etwa eine Monatsproduktion", schätzt Bleyl. Das sind ungefähr 3000 Tonnen Pappe. Deren Verarbeitung zu Kartons in verschiedensten Größen, mit den unterschiedlichsten Aufdrucken und für etliche Auftraggeber läuft also unbenommen von der Großbaustelle im Kartonwerk weiter. Angesicht der vollen Auftragsbücher kommt der Stillstand der Maschine zwar ungelegen, aber mit Blick auf die gehobenen Ansprüche der Kunden, müsse dieser Schritt jetzt erfolgen, heißt es. Christian Bleyl spricht von einem "wahnsinnigen Boom", der auf dem Gebiet der Verpackungsmittelindustrie derzeit spürbar sei. "Völlig konträr zur Absatzflaute im vergangenen Jahr", wie der Geschäftsführer des Schwarzenberger Unternehmens erfreut feststellt. "Jetzt macht sich bemerkbar, dass beispielsweise in der Schweiz Werke vom Markt genommen wurden. Werke mit einer Jahresproduktion von 120.000 Tonnen."

 

Eine Steigung der Produktionskapazität und eine Erhöhung der Qualität der Pappe sind das Ziel der laufenden Investition: Waren es bislang rund 35.000 Tonnen Pappe, die im Kartonagenwerk Schwarzenberg pro Jahr hergestellt wurden, so sollen es künftig 45.000 Tonnen sein - mehr Masse und mehr Klasse. "Wir brauchen diese höherwertige Qualität beispielsweise für die Herstellung von Obst- und Gemüsestiegen", erklärt der Chef. Die Nachfrage aus dieser Branche sei enorm gestiegen. Gerade für den Transport von Obst und Gemüse bedarf es einer hohen Festigkeit des Materials. Und auch die Bedruckbarkeit der Pappe werde sich verbessern. Bislang sei die Schwarzenberger Pappe nur bedingt für den Offset-Druck geeignet gewesen. Das wird sich ändern. Der Markt will bunte Kisten. Das riesige Monstrum von Maschine stammt übrigens aus dem Jahr 1936, wurde aber mehrfach modernisiert. 1976 erfolgte die letzte Veränderung an der Maschine in ähnlicher Größenordnung, weiß Bleyl.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 07.09.2010