Norafin entwickelt beheizbaren Vliesstoff

Ein Blick in die Produktionshalle von Norafin.
Ein Blick in die Produktionshalle von Norafin.

Norafin hat sich mit einer Weltneuheit um den Sächsischen Staatspreis für Innovation beworben - als einziges Unternehmen aus dem Erzgebirge. Die Einsatzmöglichkeiten reichen von Kleidungsstücken bis zum Frostschutz für Windräder.

 

Mildenau/ Dresden. Eine Fahrradjacke, die genau zur richtigen Zeit und an den richtigen Stellen warm hält. Eine Badewanne, deren Rückenbereich eine wohlige Temperatur ausstrahlt. So sieht die Zukunft aus, wenn es nach Norafin Industries mit Sitz in Mildenau geht. Der Vliesstoffhersteller mit 162 Mitarbeitern hat in den vergangenen vier Jahren an einer Innovation - dem 3D-Heizvliesstoff auf Basis von Metallnanopartikeln - getüftelt und sich damit nun beim Innovationswettbewerb der sächsischen Regierung beworben. Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich laut Geschäftsführer André Lang ganz einfach gesprochen ein beheizbarer Vliesstoff. Das heißt, das Fasergebilde wird von Strom durchflossen, ein Widerstand und dadurch Wärme erzeugt. "Wir haben mit verschiedenen Metallfasern experimentiert und welche gefunden, die so etwas können", erklärt Lang. Die Metallnanopartikel - also winzig kleine Metallteile - wurden an Fasern angebracht, mit einem Anschluss versehen und dadurch eine beheizbare Fläche geschaffen.

 

Schnelles Aufheizen garantiert

 

Die Vorteile: schnelles Aufheizen, gleichmäßige Wärmeverteilung, gute Anpassung an Formen jeglicher Art, Saugfähigkeit und Erhalt der Funktion selbst bei kleinen Beschädigungen, die unter anderem durch die Verarbeitung auftreten können.

 

Der neuartige Vliesstoff kann innerhalb weniger Sekunden von 20 auf bis zu 100 Grad erhitzt werden. Mittlerweile laufen laut Lang sogar Versuche, Temperaturen von bis zu 400 Grad zu erreichen. Diese werden nötig, um zum Beispiel spezielle Behälter zu fertigen, in die Stoffe gefüllt werden können, die nur bei hohen Temperaturen ihren flüssigen Zustand behalten. Aber die Anwendungsbereiche sind prinzipiell vielfältig und reichen vom Formenbau bis zur Medizintechnik. So können mit Hilfe des Vliesstoffes Abdeckungen für Scheinwerfer eines Pistenbullys gefertigt werden, die aufgrund ihrer Beheizbarkeit starke Temperaturschwankungen ausgleichen können und so Defekte vermindern. Die Frostschutzfunktion könnte auch bei Windrädern und Flugzeugen zum Einsatz kommen. Aber auch im Formenbau wird der Vliesstoff bereits genutzt, um das Aushärten der einzelnen Schichten zu beschleunigen. Ein zweiter großer Anwendungsbereich wird laut dem Geschäftsführer die Textilbranche sein. Auf den individuellen Bedarf abgestimmte Temperatureinstellungen bei Sport- und Outdoor-Kleidung sowie in Schuhen seien denkbar.

 

Quelle: Freie Presse am 19.05.2015 (Denise Märkisch)