Nickelhütte macht der Auer Innenstadt Dampf

Das Hüttenwerk am Schwarzwasser verarbeitet nicht nur Metalle. Von hier aus werden auch mehrere Betriebe und viele Wohnungen mit Fernwärme versorgt. Das gilt bundesweit als vorbildlich.

180 Meter hoch ragt der Schornstein der Nickelhütte aus dem Auer Tal. Weißer Dampf kräuselt sich am blauen Himmel: Gereinigte Abgase, 140 Grad Celsius heiß, sodass sie an der Luft kondensieren. Ein paar Stationen zuvor hatten die Dämpfe noch 850 bis 1100 Grad. "So kommen sie aus dem Schmelzprozess", sagt André Härtel, der Leiter des Heizhauses der Nickelhütte. Seine Abteilung liegt zwischen Schmelze und Schornstein. Im Heizhaus wird aus der Abgashitze umweltfreundliche Fernwärme, die Teile der Auer Innenstadt versorgt.

"Wir liefern 13 Gigawattstunden im Jahr nach außen", sagt Geschäftsführer Henry Sobieraj. "Das erspart der Umwelt 3500 Tonnen Kohlendioxid, die freigesetzt würden, wenn unsere Abnehmer konventionelle Gaskessel nutzen würden."

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Als Ende Oktober in Hamburg die Kupferhütte Aurubis ein gleichartiges Projekt in Betrieb nahm, schwärmte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher, dies sei einzigartig in Deutschland. Durch die Nutzung der industriellen Abwärme verringerten sich die Kohlendioxid-Emissionen erheblich. Aurubis schickt Fernwärme über eine 3,7 Kilometer lange Leitung in die Hafencity. Die Firma kann 160 Gigawattstunden bereitstellen und bis zu 8000 Haushalte beliefern.

In Aue wird dies bereits seit Jahren praktiziert. "Unsere Fernwärmetrasse ist zwar nur 1,8 Kilometer lang und die Energiemenge geringer, doch wenn man die Betriebsgröße sieht, ist unser Projekt ebenbürtig", sagt Geschäftsführer Sobieraj. Aurubis hat mehr als 6300 Mitarbeiter, die Nickelhütte rund 400.

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Quelle: Freie Presse vom 29.11.2018, Mario Ulbrich