Marienbergern bringt das Faschingsgaudi Bares

Mit selbst entwickelten Bastel-Sets auf Basis von Zellstoff-Watte will der Papier-Verarbeiter PFF neue Zielgruppen erreichen. Um die Maschinen auszulasten, fällt tonnenweise Konfetti an.

VON CAROLA BENZ

MARIENBERG - In einem separaten Raum im ersten Stock der Marienberger Firma Papier in Form und Farbe (PFF) steht eine Maschine, die aus festem farbigem Papier den Wegwerfartikel schlechthin macht. "Raus, raus!", ruft Arbeiter Roy Scheffler, bevor er die Konfettistanze mit einem Knopfdruck in Gang setzt. Unter ohrenbetäubendem Lärm beginnt der Automat sein Werk.

Scheffler schließt die Tür und lässt die Maschine rattern. Im Nachbarraum schaltet er die Abfüllanlage ein. Das Konfetti kommt über eine Rohrleitung an der Decke hier an, durchläuft noch eine Reinigung und fällt dann in Foliebeutel. "In der Hauptsaison vor Fasching füllen wir vor allem Zehn-Kilo-Säcke ab. Die sind für die Konfettikanonen beim Karneval in Köln und den anderen großen Umzügen", sagt Scheffler. Aber auch Vereine aus der Umgebung hätten das beinahe unentbehrliche Faschingszubehör kiloweise abgeholt.

Scheffler muss darauf achten, dass die Abfüllung nicht ins Stocken gerät und dass die Stanze immer genug "zu fressen" hat. Das Papier wird in langen Bahnen von einem Gestell abgerollt und kurz vor der Maschine mehrlagig zusammengeführt. Die Werkzeuge im Innern machen daraus winzige Kreise und Sterne. "Im Prinzip nutzen wir das Papier hundertprozentig aus", sagt Geschäftsführer Joachim Brand. Bei Bedarf laufe noch eine kleinere Stanze, die Fehlchargen aus der Papierindustrie verarbeite.

Drei Hersteller in Deutschland

Die Vorstellung, dass Konfetti auch mit dem Bürolocher herzustellen wäre, wäre für den in der Papierbranche groß gewordenen Industriemeister wohl nicht einmal belustigend. Er muss an Produktivität und Effektivität denken und 16 Beschäftigten ein Auskommen sichern. Für Konfetti gebe es gerade mal drei Hersteller in Deutschland, sagt Brand. Meist komme es als Billigprodukt aus dem Ausland. Bei PFF diene der Kapazitätsauslastung und werde etwa sechs Monate im Jahr nebenbei gefertigt.

Der sogenannte Partybedarf macht bei der Papier in Form und Farbe ein Drittel der Produktion aus, ein weiteres Drittel sind Bastel- und Kreativ-Artikel und der Rest Industrie- und Laborbedarf. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz rund eine Million Euro, 2012 sollen es 1,2 Millionen Euro werden. Der Exportanteil belief sich zuletzt auf 72 Prozent. Die Kunden sitzen in vielen Ländern Europas.

 

Die Spezialität der Marienberger Firma Papier in Form und Farbe sind Teile aus Zellstoffwatte, beispielsweise Wurfkugeln, Laborstopfen und Trägermaterial für chemische Produkte. Dabei werden die Zellstoffbahnen durch Stahlschablonen geführt und in Sekundenschnelle zur entsprechenden Form gepresst und verklebt. Die zwei- bis dreischichtig arbeitenden Automaten und die Formvorlagen wurden im Unternehmen selbst entwickelt und bis zur Produktionsreife gebracht.

Bastelsets auch für Therapien

Was auf den ersten Blick wie Massenware ohne besonderes Know-how aussieht, hat es in sich. "Bei Labor- und Bastelartikeln entscheiden die Kunden in der Reihenfolge Qualität, Lieferfähigkeit und Preis", sagt Brand. "Wir verarbeiten hochwertige dünne Zellstoffbahnen, die nur wenige Hersteller anbieten." Auch sei das Unternehmen nach Richtlinien für Spielwaren zertifiziert.

Gemeinsam mit Andreas Fleischer, einem der derzeit gefragtesten erzgebirgischen Designer, hat PFF eine Bastelserie auf der Basis unterschiedlicher Zellstoffkörper entwickelt. Die weißen Kugeln, Eier, Kegel lassen sich beliebig und fantasievoll bemalen und später zu allerlei Getier und anderen Figuren zusammensetzen. Brand ließ für die Marienberger die Marke "Kreativa" beim Deutschen Patent- und Markenamt eintragen.

Auf der internationalen Fachmesse Creativeworld Ende Januar in Frankfurt/Main hätten Katzen-, Hunde-, Hasen- und Schneemannfamilie bei Einkäufern eine große Begeisterung hervorgerufen, sagt Brand. Der Geschäftsführer sieht zunehmenden Bedarf für die Fantasie anregenden Produkte nicht nur in Kindergärten und Schulen, sondern auch zunehmend bei Anwendungen in der Ergotherapie beispielsweise für ältere und kranke Menschen. (dapd)

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 20.02.2012