Luft aus Bienenstöcken hilft Atemwegen

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In einem Bienenstock herrschen 35 Grad Celsius und hohe Luftfeuchtigkeit - ideal für die Ausbreitung von Krankheiten. Einige Substanzen scheinen das allerdings zu verhindern. Das macht die Luft auch für Menschen interessant.

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Um diese Luft anwendbar zu machen, entwickelte Jürgen Schmiedgen von 2013 bis 2016 einen Inhalator, mit dem sich die Luft aus dem Inneren eines Bienenstocks ansaugen lässt. "Bis dato existierten nur Geräte, die nicht richtig funktionierten", so der 66-Jährige aus Walthersdorf.

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Um das neu entwickelte System für alle Atemwegspatienten zugänglich zu machen, sollte es als Medizinprodukt zugelassen werden. Dazu musste Schmiedgen eine Studie in Auftrag geben. "Dr. Huber aus Schneeberg und Dr. Stiller vom Helios-Klinikum Aue waren bereit, die Studie durchzuführen", berichtet er. Anschließend errichtete er 2017 im Kurpark Bad Schlema ein erstes Therapiehaus. Doch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte lehnte die Studie plötzlich ab. "Sie sind davon ausgegangen, dass es sich um ein Arzneimittel handelt. Das ist aber falsch", sagt Schmiedgen. Das konnte er dem Bundesamt belegen, schon wegen der Tatsache, dass sich Bienenstockluft zu jeder Tages- und Jahreszeit in ihren physikalischen Eigenschaften unterscheidet. "Deshalb wurde die Studie dann doch genehmigt", erzählt er.

Begonnen wurde mit der Studie, die 200.000 Euro kostete, im Frühjahr 2018 nach der Winterruhe der Bienen. Es meldeten sich 30 Patienten mit einer chronisch obstruktiven Bronchitis (COPD). Eine Hälfte erhielt Bienenstockluft, die andere Hälfte ein Placebo.

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Im Frühjahr 2019 wurde der Inhalator schließlich als Medizinprodukt zugelassen. Um die 100 Geräte hat Jürgen Schmiedgen seitdem verkauft - an Heilpraktiker, Ärzte und Imker.

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Quelle: Freie Presse vom 02.07.2019, Georg Dostmann