Kunstprojekt bringt Schüler und Wirtschaft einander näher

Das größte Unternehmen in Scheibenberg und die örtliche Christian-Lehmann-Mittelschule wollen künftig enger zusammenarbeiten. Den Auftakt hat eine ungewöhnliche Ausstellung gebildet.

VON ANNETT HONSCHA

SCHEIBENBERG - Metallteile von Vollmann finden sich in aller Herren Länder - zum Beispiel in zig verschiedenen Fahrzeugen. Doch dass sie als Collage auf orangefarbenem Untergrund an der Wand hängen, war auch für die weltweit agierende Firma ein Novum. Geschehen ist dies am Scheibenberger Standort der Unternehmensgruppe, der vor allem auf Stanz- und Umformtechnik spezialisiert ist. Schüler der örtlichen Christian-Lehmann-Mittelschule zeigen dort derzeit eine Ausstellung innerhalb des Projekts "Unternehmenserkundungen". Daraus ist nun sogar eine Kooperationsvereinbarung entstanden.

Beide Seiten profitieren

Laut Werksleiter Mathias Brandt können davon beide Seiten profitieren. Während die jungen Leute den Betrieb kennenlernen und hinter die Kulissen schauen dürfen, tut das Unternehmen etwas in Sachen Nachwuchsförderung. "Bei uns sind zum Beispiel Praktika oder Ferienarbeit möglich", sagt Brandt. Zudem suche Vollmann regelmäßig geeignete Auszubildende - vor allem in den Berufen Werkzeugmechaniker und Zerspaner.

Produktion als Vorlage für Bilder

Für das Schulprojekt durfte die Klasse 6 a die Produktion von Vollmann besichtigen und Fotos schießen. Diese dienten als Vorlage für Bilder oder Collagen. Die 6 b war dagegen bei der Baugesellschaft "Am Scheibenberg" zu Gast, wie Kunsterzieherin Anke Liebelt berichtet. Doch auch höhere Klassen wurden in das Projekt eingebunden. So schufen Jenni Wagner, Bianca Schneyer und Frauke Langklotz aus der 9 a zum Beispiel einen riesigen Bauarbeiter aus Draht, Papier und den entsprechenden Klamotten. Er und die anderen Schülerarbeiten werden auch in den nächsten Wochen noch bei Vollmann zu sehen sein. "Sie haben schon für viele Aha-Effekte gesorgt", sagt der Werksleiter.

Der Scheibenberger Standort des Unternehmens ist einer von vier in Deutschland. In der erzgebirgischen Produktionsstätte arbeiten derzeit mehr als 200 feste Mitarbeiter, davon zehn Auszubildende. Auch in diesem Jahr sollen neue Lehrlinge hinzukommen. Etwa 95 Prozent der Produkte aus Scheibenberg werden nach Angaben von Mathias Brandt für die Automobilindustrie hergestellt - zum Beispiel Teile für Fahrwerke und Stoßdämpfer sowie Motorlager und Getriebeabdeckungen. Wichtigstes Rohmaterial ist Stahl, wovon jährlich etwa 20.000 Tonnen verarbeitet werden. Die Firma stellt aber auch kunststoffummantelte Metall-Komponenten her.

Erster Kooperationsvertrag

Die zwischen der Firma Vollmann und der Lehmann-Mittelschule neu getroffene Vereinbarung ist für die Bildungsstätte die erste derartige Kooperation, wie die stellvertretende Schulleiterin Karin Küchler erklärt. Schon in Kürze soll sie erneut in die Praxis umgesetzt werden: Dann besucht die fünfte Klasse den Betrieb. Bei den Schülern kommen solche Schnupperstunden gut an. "Ich fand's interessant. Wir durften ja wirklich alles angucken", sagte zum Beispiel Nils Müller, der mit der 6 b bei Vollmann war.

Ein Tag der offenen Tür findet morgen von 9 bis 12 Uhr in der Scheibenberger Christian-Lehmann-Mittelschule statt. Dann stehen Lehrer und Schulleitung für Gespräche zur Verfügung. Weitere Programmpunkte sind unter anderem Experimente in den Fachkabinetten, Schauturnen sowie Auftritte von Chor und Theatergruppe.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 04.03.2011