Kasse des Vertrauens erlebt im Hofladen eine Neuauflage

Kasse des Vertrauens erlebt im Hofladen eine Neuauflage

Wie aus einem Baufacharbeiter ein Bauer und einer Eierklappe ein besonderes Geschäft wurde. Eine Geschichte aus Dittmannsdorf.

 

Dittmannsdorf. Die Eierklappe in Dittmannsdorf gibt es nicht mehr. Vor zwei Jahren hatte Jörg Wondraczek in die hölzerne Tür zum ehemaligen Lehngericht an der Hauptstraße ein Kästchen eingearbeitet, in dem er die frischen Eier seiner Hühner anbot. Für 2,50 Euro in die Kasse des Vertrauens gab es rund um die Uhr zehnmal Hühnerfleiß.

 

Dass die Box ausgedient hat, habe nichts mit der Unehrlichkeit ihrer Nutzer zu tun. "Ganz im Gegenteil, die Kasse hat immer gestimmt, und oft war auch ein kleines Trinkgeld dabei", betont Jörg Wondraczek. Das sei schließlich auch der Grund für die Eröffnung seines Hofladens gewesen - der auch wieder mit einer Kasse des Vertrauens ausgestattet ist. Denn seit Monatsbeginn gibt es bei ihm nicht nur frische Eier, sondern ein breites Angebot aus dem eigenen Garten und von den Vierbeinern, die sich auf Pachtflächen rund um Klein-Tirol wohl fühlen. Nur wenige Schritte weiter über den Hof steht die Tür zum modern eingerichteten Hofladen ebenso offen, wie einst die Hühnerklappe auch. Damit hat der Gornauer Ortsteil in seiner Dorfmitte gegenüber der Kirche wieder eine Verkaufsstelle.

 

Vor 15 Jahren hat der gebürtige Witzschdorfer das 1863 erbaute Lehngericht von der Treuhand erworben. Der gelernte Baufacharbeiter erledigte mit seiner kleinen Firma Tiefbauarbeiten: "Damals brauchte ich Platz für meine Baumaschinen."

 

Der rund 2000 Quadratmeter große Garten diente dem Eigenbedarf. Zum Bauer sei er nach und nach aus Leidenschaft geworden. "Frische Eier kommen immer gut an", bemerkte er schnell und sah manches Auto mit fremden Kennzeichen Halt machen, dessen Insassen immer öfter nach anderen ökologisch hergestellten Lebensmitteln gefragt haben.

 

 

 

Quelle: Freie Presse vom 27.07.2017, Matthias Degen