Junge Tischlerin wagt das Abenteuer Walz

Der Weg ist das Ziel: Für Luzie Hummer beginnt gemäß den Traditionen ihres Handwerks ein neuer Lebensabschnitt. Wohin sie das führt, weiß die 24-Jährige noch nicht. Zweifel kennt sie keine.

Drei Jahre und einen Tag: Solange mindestens ist Luzie Hummer jetzt auf Achse. Am gestrigen Montag ist die 24-Jährige von Schneeberg losgelaufen. Ins Ungewisse. "Der Weg ist das Ziel. Das sagt man doch so schön. Und bei der Walz, finde ich, trifft das den Nagel auf den Kopf", so die gebürtige Schneebergerin und gelernte Tischlerin, die ihren Lebensmittelpunkt seit einigen Jahren in Lauter-Bernsbach hat. Und auch in ihrem Handwerk hat die Walz Tradition.

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Das Telefon ist auf der Walz tabu und für Luzie ohnehin nicht überlebenswichtig. Sie nennt ein altes Tasten-Handy ihr Eigen, kein modernes zum Wischen, wie sie schmunzelnd sagt. Es wegzulegen, fällt ihr nicht schwer. Das gilt auch für den Verzicht auf andere Luxusartikel - Fernseher, Laptop und dergleichen. "Ich trage auf der Walz all meinen Besitz am eigenen Leib. Das ist nicht viel, sonst schleppe ich mich ja kaputt." Nur eine E-Mail-Adresse erlaubt ab und zu den Kontakt zu Familie und Freunden.

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Die Walz-Gemeinschaft ist eine verschworene Truppe, die man nicht einfach im Internet findet. "Ich sprach sie auf der Straße an und baute so den Kontakt auf", sagt Luzie, die nach ihrem Abitur und einem freiwilligen sozialen Jahr im Waldschulheim Conradswiese in Lauter unbedingt ins Handwerk wollte. "Tischler ist vielseitig. Man kann sich fast alles selbst bauen." In der Holzwerkstatt Trommer in Schönheide absolvierte sie ihre Lehre - auf Achse lebt sie nun von dem, was sie selbst verdient.

Trotz aller Unwägbarkeiten freut sie sich riesig darauf. "Ich will raus aus der Bequemlichkeit, die wesentlichen Dinge schätzen lernen", so die 24-Jährige, die hofft, sich beruflich weiterzuentwickeln.

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Quelle: Freie Presse vom 16.04.2019, Anna Neef