Investor sieht Kurort als Wachstumsinsel

Es war eine bedeutsame Stadtratssitzung am Montagabend in Wolkenstein: Weichen für einen Hotelneubau in Warmbad wurden gestellt.

VON GUDRUN MÜLLER

WOLKENSTEIN/WARMBAD - Nicht nur seine Pläne für den Hotelneubau hat der Investor Stefan Kiefer dem Stadtrat erläutert, sondern auch Vorzüge, Chancen, aber auch mögliche Risiken der weiteren Entwicklung des Kurortes Warmbad dargelegt. Das Hotel ist "ein tolles Projekt, ich glaube daran und bin guter Dinge", verbreitete Kiefer Optimismus. Mit seinem Vortrag beantwortet er viele Fragen der Wolkensteiner.

Welche Ziele sind beabsichtigt?

Das geplante Medical-Wellness-Resort im Vier-Sterne-Bereich mit angestrebten 50.000 bis 70.000 Übernachtungen pro Jahr soll mit attraktivem Gesundheitstourismus verstärkt Gäste aus ganz Deutschland nach Warmbad locken. Damit könne die überregionale Bekanntheit des Kurortes verstärkt werden. So lassen sich laut Kiefer Betriebsverluste in Warmbad abbauen. Dafür soll die "hervorragende Kurmittelabteilung" genutzt und auf zukünftige Anforderungen ausgerichtet werden. Die Ausstattung von Kurmittelhaus und Therme sei dabei weiter zu verbessern. Und er möchte die Kompetenz von Medizinern und Physiotherapeuten in Warmbad erhöhen. Er betrachte eine ergänzende Investition in Form eines Drei-Sterne-Hotels als machbar, ebenso sieht er für Warmbad Möglichkeiten für Service-Wohnen.

Welche Vorteile bietet der Ort?

Warmbad mit der Silber-Therme und einer guten Infrastruktur bezeichnete Kiefer als "Wachstumsinsel für die Gesundheitswirtschaft". Dass dies funktionieren kann, würden seine Erfahrungen mit dem Hotel in Bad Brambach zeigen: "Da haben wir aufs richtige Pferd gesetzt." Kiefer kalkuliert nicht nur mit der Überalterung der Bevölkerung, sondern auch mit einer größeren Verantwortung des Einzelnen für die künftige Gesundheitsvorsorge. Ein Risiko sei der zu erwartende Fachkräftemangel. Deshalb sollte eventuell auch eine Bildungseinrichtung im Kurort etabliert werden.

Wie groß wird das Hotel?

Das Hotel soll 146 Zimmer erhalten, jedes etwa 30 Quadratmeter groß. 20 Suiten sind vorgesehen. Der jährliche Umsatz wird auf 3,5 Millionen Euro geschätzt. Beschäftigt werden sollen 50 bis 60 Angestellte. Die Investitionssumme betrage knapp 15 Million Euro. Er hoffe auf einen Fördermittelbescheid vom Land in Höhe von sechs Millionen Euro. Das sei aber "noch nicht ganz in trockenen Tüchern", räumte Kiefer ein.

Wie passt die Herberge zum Ort?

Ausführlich erläuterte der Investor Stadträten und Bürgern seine Vorstellung zur Gestaltung des Resorts, das auf der Wiese oberhalb des Hotels Brunnenfee entstehen soll. Vorgesehen ist ein Gebäude in L-Form mit Flachdach und klaren Strukturen. Durch unterschiedliche Materialien wie Holz und Schiefer sowie einer herausgebauten Etage werde die 60 Meter lange Front aufgelockert, und die vierte als oberste Etage erscheine zurückgesetzt. Die Zimmer zum Tal hätten bodentiefe Fenster oder Loggien. Es sei ein Projekt, dass "den Weg in eine neue Zeit weist".

Wer ist der Bauherr?

Stefan Kiefer, 48 Jahre alt, ist Geschäftsführer und Eigentümer des Hotels Ramada Bad Brambach Resort. Er arbeitete ab den 90er-Jahren bis 2005 für ein großes Architekturbüro als Projektentwickler, zuletzt als Geschäftsführer. In dieser Funktion war er beispielsweise beteiligt am Bau des Klinikums Mittleres Erzgebirge, des Flugzeugterminals Leipzig und des Smart Systems Campus in Chemnitz. Er ist Mitbesitzer eines Architekturbüros in München.

Welche Unterstützung gibt es?

Mit Nachdruck betonte Kiefer, dass das Vorhaben keine Ein-Mann-Schau ist, obwohl er das finanzielle Risiko trage. Ohne die Unterstützung der ehemaligen sächsischen Staatsministerin Christine Weber, "ohne ihre Energieleistung", hätte er längst aufgegeben, meinte der Investor. Das Vorhaben umzusetzen, gehe nur in Teamwork mit dem Stadtrat, dem Bürgermeister und der Kurgesellschaft.

 

Was beschloss der Stadtrat?

Einstimmig beschloss der Stadtrat die Änderung des Bebauungsplanes "Kurzentrum Gehringwalde-Warmbad" von 1997. Dadurch werden Baufelder vergrößert und Nutzungsänderungen ermöglicht. Ebenfalls stimmte der Stadtrat zu, dass mit der Befreiung von Festlegungen des Bebauungsplanes die Nutzung als Hotel, der Bau eines Flachdaches und Veränderungen der Baugrenze möglich werden.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Zschopauer Zeitung, 23.11.2011