Internationale Welterbe-Experten diskutieren in Freiberg

Prof. Dr. Helmuth Albrecht, Leiter der Welterbe-Projektgruppe Montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří, stellt im Rahmen des Workshops des Workshops das deutsch-tschechische Gemeinschaftsprojekt vor.
Prof. Dr. Helmuth Albrecht, Leiter der Welterbe-Projektgruppe Montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří, stellt im Rahmen des Workshops des Workshops das deutsch-tschechische Gemeinschaftsprojekt vor.

Am vergangenen Freitag hat in Freiberg ein internationaler Workshop zum Thema „Industrie- und Bergbaulandschaften im Welterbe-Kontext“ im Senatssaal der TU Bergakademie stattgefunden.

Hintergrund des Experten-Treffens war die Vorbereitung der bevorstehenden Antragstellung des deutsch-tschechischen Gemeinschaftsprojekts „Montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří“ in die Welterbeliste der UNESCO. Organisiert wurde der unter der Schirmherrschaft des sächsischen Innenministeriums sowie des sächsischen Wissenschaftsministeriums stehende Workshop gemeinsam vom Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte (IWTG) der TU Bergakademie Freiberg, von den deutschen Nationalkomitees von ICOMOS und TICCIH sowie der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH in Annaberg.

 

Namhafte nationale und internationale Welterbe-Experten diskutierten auf dem Workshop aktuelle Fragen zur Definition von Industriekulturlandschaften sowie der besonderen Rolle und Funktion von historischen Industrie- und Bergbaulandschaften im Rahmen der Welterbekonvention der UNESCO. Industriedenkmale und Industriekulturlandschaften sind nach Ansicht der Fachleute im Rahmen der Welterbeliste der UNESCO sowohl in Deutschland, wie auch international unterrepräsentiert vertreten.

 

Aufgrund ihres besonderen Charakters als ehemalige Industriestandorte stellen Industriedenkmale und Industriekulturlandschaften besondere Anforderungen. Dies betrifft sowohl das historische Verständnis, als auch ihre Akzeptanz als Kulturgüter in der Öffentlichkeit, wie auch im Rahmen der mehrheitlich von klassischen Kulturgütern geprägten Idee des Weltkulturerbes. Anders als klassische Kulturgüter wie Kirchen oder Schlösser unterliegen sie vielfach einem stärkeren äußeren Druck durch ökonomische und infrastrukturelle Entwicklungen, die ihre Authentizität gefährden.

 

Deutlich wird dies jüngst insbesondere am Beispiel der montanen Kulturlandschaften, die im Zeichen der weltweiten Suche nach Rohstoffen durch neuen Bergbau in das Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Denkmalpflege geraten sind.

 

Der Freiberger Workshop hatte es sich zum Ziel gesetzt, diese Probleme zu diskutieren und Ansätze für eine Lösung zu erarbeiten. Pate dafür standen die im Rahmen des Welterbe-Projekts „Montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří“ in den letzten Jahren erarbeiteten Lösungsstrategien. Dr. Birgitta Ringbeck, deutsche Vertreterin im Welterbekomitee, betonte in ihrem einleitenden Vortrag die Notwendigkeit, möglichst bald zu einer klaren Definition des Begriffs der „Industriekulturlandschaft“ zu gelangen, um deren Chancen für eine Eintragung in die UNESCO-Welterbeliste zu erhöhen. Prof. Dr. Bernhard Cramer, Präsident des Sächsischen Oberbergamtes, erläuterte in seinem Statement die Position der Bergverwaltung zum Thema „neuer Bergbau“ in historischen Bergbaulandschaften. In der sich anschließenden Diskussion waren sich die Experten darin einig, das für die weitere internationale Diskussion dieser Problematik das von TICCIH-International im Juni 2013 vorgelegte Memorandum für montane Welterbe-Kulturlandschaften zur Grundlage gemacht werden sollte.

 

Der Freiberger Workshop bildete in diesem Kontext die Auftaktveranstaltung zu einer geplanten Reihe weiterer Experten-Workshops zur Klärung der Chancen, Probleme und Perspektiven industrieller Kulturlandschaften im UNESCO-Welterbe. Der zweite Workshop ist für 2014 im Ruhrgebiet vorgesehen.

 

Foto: Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH