In Stollberg lagern mehr als 70.000 Ersatzteile fürs Auto

Die Stadt hat sich mit der Ansiedlung eines Händlers für Fahrzeugprodukte zum wohl größten Standort in Südwestsachsen in diesem Bereich entwickelt. Erneut spielte ihr dabei in die Karten, dass andernorts geeignete Flächen fehlen.

 

Stollberg. Scheinwerfer, Kotflügel, Zierleisten, Bremsen, Rücklichter, ganze Motorblöcke: InStollberg lagern auf rund 20.000 Quadratmetern ganze Autos. Nur eben einzeln, als Ersatzteile. "Wenn man ganz viel Zeit hätte, könnte man sich aus unserem Bestand ein Auto zusammenbauen. Nur dass die Teile eben von verschiedenen Marken stammen", sagt Kay Junghans, Leiter des Logistikparks Stollberg, etwas scherzhaft. Dahinter allerdings steckt ein ernsthaftes Geschäft. Denn mit dem Logistikpark, der mehr als 70.000 Ersatzteile für Fahrzeuge aus 23 Marken vorrätig hat, ist im ehemaligen Continentalwerk das wohl größte Ersatzteillager für Kraftfahrzeuge in Südwestsachsen entstanden.

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Beliefert werden Autohäuser, Werkshändler und freie Werkstätten in ganz Deutschland, Schwerpunkte liegen laut Junghans im Karosseriebereich. Für die Marke Opel sei der Logistikpark der größte Teilelieferant in Ostdeutschland. "Wir verkaufen zum Beispiel pro Jahr 45.000 Stoßstangen", so Junghans. 120 Mitarbeiter sind im Zwei-Schicht-System damit beschäftigt, täglich 6000 Artikel an rund 1000 Kunden versandfertig zu machen. Den Versand übernehmen Speditionen und externe Dienstleister, erläutert Junghans. "Wenn ein Händler bis 18 Uhr ein Teil bestellt, hat er es bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr." Allein 25 Mitarbeiter sitzen am Telefon, nehmen Bestellungen entgegen und beraten technisch.

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Für das Unternehmen, das im Jahr mehr als 100 Millionen Euro umsetzt, war der Leerstand in Stollberg ein Glücksgriff. Lange war der Plan, irgendwo im Raum Chemnitz neu zu bauen. "Es gibt zwar viele Grundstücke, die verkauft werden", berichtet Junghans. Doch weil das Land diese Flächen erschließe, um Industrie und Arbeitsplätze zu schaffen und dementsprechend Fördermittel dafür fließen, mussten viele Kommunen die Hände heben. "Wir sind ein Handelsunternehmen, kein Produktionsstandort", beschreibt Junghans das Dilemma. Auf solchen Flächen zu bauen, hätte bedeutet, dass Fördermittel hätten zurückgezahlt werden müssen.

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Quelle: Freie Presse vom 09.08.2018, Kathrin Neumann