In Raum geht Riesen-Solaranlage ans Netz

Chemnitzer Investor baut Kollektoren für größte Sonnenenergie-Fabrik im Erzgebirgskreises auf

STOLLBERG: Am 31. August muss der erste Sonnenstrom aus Raum ins Stromnetz fließen - spätestens. Denn der Termin bedeutet blankes Geld. "Wer erst nach diesem Stichtag Solarstrom einspeist, bekommt sechs Prozent weniger Vergütung vom Staat", sagt Tilo Schilling. Gut, bei derzeit 22,11 Cent pro erzeugter Kilowattstunde klingen sechs Prozent

vernachlässigbar. Aber eben nicht, wenn die Solaranlage satte 1300 Kilowatt in der Stunde leistet. Das nämlich ist die Größenordnung, von der Tilo Schilling, der Bevollmächtigte der Chemnitzer HDS-Schilling GmbH, spricht. Seine Firma nimmt 2,8 Millionen Euro in die Hand, um eine der größten Sonnenenergie-Fabriken im Erzgebirge ans Netz zu schalten. 7200 Module wird das Unternehmen auf 3,3 Hektar Fläche in Raum bei Stollberg aufstellen - die Zehn-Kilovolt-Leitung liegt bereits in der Erde.

Ab 1. Juli sollen die Bauarbeiten losgehen, so Schilling. Ende: Besagter 31. August. Die Kollektoren will seine Firma auf einem derzeit als Acker genutzten Areal im Gewerbegebiet des Ortes aufstellen lassen - an der alten Staatsstraße Richtung Hartenstein. Der Technische Ausschuss des Stollberger Rates hat bereits vor Monaten die letzten Hürden für das Projekt genommen und den Investor von verschiedenen Festsetzungen des Bebauungsplanes befreit. So dürfen Teile des alten Straßenkörpers überbaut werden, konnte HDS Straßenbäume fällen, deren Schatten die Stromausbeute beeinträchtigt hätten. Im Gegenzug soll es Ersatzpflanzungen geben. Schilling hat das Areal von der Stadt gekauft. Pläne der Kommune, auf dem Feld ein Biomassekraftwerk zu bauen, konnten bei den Anwohnern nicht durchgesetzt werden. Etwa 400 Haushalte können mit der geplanten Anlage im Jahr tagtäglich versorgt werden, sagt Schilling. Doch nur, wenn genügend Sonne scheint. Die Investition ist aus Sicht der Sächsischen Energie Agentur durchaus sinnvoll. "Sachsen ist nicht Spanien, aber trotzdem sind hier im Schnitt 1000 bis 1100 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr Globalstrahlung realistisch", sagt Jeanette Kopte von der Agentur. Zudem gebe es richtige Sonneninseln, wie etwa Südwestsachsen. 

Unter Globalstrahlung verstehen die Experten - so das Internetlexikon Wikipedia - die gesamte an der Erdoberfläche auf eine horizontale Empfangsfläche auftreffende Solarstrahlung. Sie setzt sich zusammen aus der auf direktem Weg eintreffenden Sonnenstrahlung, der sogenannten Direktstrahlung. Und der Strahlung, die über Streuung an Wolken, Wasser- und Staubteilchen die Erdoberfläche erreicht. Diese nennt sich Diffusstrahlung. Besagte Globalstrahlung ist besonders stark in Teilen von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern zu finden, so der Deutsche Wetterdienst (DWD). Die Experten messen unter anderen die Intensität in den einzelnen Regionen Deutschlands und stellen dazu Karten ins Internet. Schilling glaubt, dass es gerade zwischen Chemnitz und dem Vogtland genügend Globalstrahlung für eine wirtschaftliche Investition gibt. Diese trägt dazu bei, dass das Erzgebirge aufholt.

Derzeit gibt es Anlagen im Kreis, die bei voller Nutzung und bester Sonne insgesamt gerade mal eine Spitzenleistung von fast acht Megawatt schaffen. Laut dem Energieportal Sachsen sind diesbezüglich die Nachbarkreise besser - Zwickau etwa kann das Dreifache leisten.

Selbst das im Flächenvergleich kleine Chemnitz hat nur zwei Megawatt Leistung weniger als der große Erzgebirgskreis. Was die Solaranlage in Raum leistet, kann übrigens von den Bürgern künftig eingesehen werden. An der alten Staatsstraße, die gerne von Radfahrern und Skatern genutzt wird, sollen bald eine Sitzgruppe sowie ein Infotafel stehen, auf der die aktuelle Stromerzeugung abgelesen werden kann. (Jan Oechsner)

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Stollberger Zeitung, 15.06.2011