Immer mehr Tschechen zieht es zum Arbeiten über die Grenze

Innerhalb eines Jahres hat sich im Erzgebirgskreis die Anzahl der ausländischen Beschäftigten nahezu verdoppelt. Ursachen dafür gibt es mehrere.

 

Immer mehr Firmen aus dem Erzgebirgskreis stellen ausländische Arbeiter ein. Laut aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit in Annaberg-Buchholz gehen mehr als 2000 in der Region einem Beruf nach. Eine Steigerung von 48 Prozent innerhalb eines Jahres. "In diesem Fall liegt das aber nicht an der Flüchtlingskrise", sagt Agentur-Chef Siegfried Bäumler.

 

Denn vor allem Fachkräfte und Auszubildende aus der Tschechischen Republik zieht es immer häufiger über die Grenze. Die meisten von ihnen: Pendler. "Mittlerweile dürften es mehr als 1000 tschechische Angestellte in unserem Kreis sein. Zum Vergleich: Vor vier Jahren waren es gerade einmal 97", erklärt der Annaberg-Buchholzer Arbeitsamtsleiter. Gründe für die Entwicklung seien die hohe Nachfrage nach Fachkräften in der Region, die hohe Arbeitslosigkeit im Grenzgebiet der Tschechischen Republik sowie die Einführung des Mindestlohns in Deutschland. "Seitdem verdienen Angestellte bei uns im Schnitt dreimal so viel wie im Nachbarland", erläutert Bäumler. "Es gibt attraktive Arbeitsplätze und das Lohnniveau ist gestiegen. Gerade auch im Bereich der Dienstleistung und Gastronomie ist mit dem Mindestgehalt das Erzgebirge für die tschechischen Nachbarn interessant geworden", ergänzt Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge.

 

Quelle: Patrick Herrl, Freie Presse vom 30.03.2016