Handschuhmacher erobert den verschwundenen Markt

Als Rico Wappler 2006 seine eigene Lederhandschuhwerkstatt eröffnete, glaubte er nicht, davon leben zu können. Heute fertigt er 2500 Paar im Jahr.

VON MARIO ULBRICH

HUNDSHÜBEL - Pelzbesetzte Fäustlinge, Stulpen in Grau, oder knallrote Finger an einem ansonsten pechschwarzem Handschuh: Mit seiner neuen elfteiligen Kollektion will der Lederhandschuhmacher Rico Wappler aus Hundshübel in diesem Winter Akzente setzen. Entworfen wurden alle Modelle von der Chemnitzer Designerin Kathi Halama.

"Wir haben uns bei der alljährlichen Werkkunstausstellung im Wasserschloss Klaffenbach kennengelernt", erzählt Wappler. "Sie zeigte dort ihre Ledertaschen, mein Stand mit Handschuhen war daneben. Wir fanden, dass man beides gut kombinieren könne." Kathi Halama entwarf 30 Modelle, von denen der Hundshübler Handschuhmacher elf zur Produktionsreife brachte. Es ist nicht das erste Mal, dass er mit Designern zusammenarbeitet, doch während er sonst nur deren Vorgaben umsetzt, durfte er diesmal mitreden. "Da ging es vor allem um fertigungstechnische Belange", sagt Wappler. "Kathi wollte sehr lange Handschuhe machen, doch bei denen sind kurze Lederreste kaum unterzubringen. Sie enden als Abfall, was die Kosten hochtreibt. Also einigten wir uns auf eine Mischung aus langen und kurzen Modellen." Eines von ihnen gewann auf der Werkkunstausstellung 2011 in Klaffenbach den Von-Taube-Preis, mit dem hervorragendes Kunsthandwerk anerkannt werden soll.

Als Rico Wappler im Jahr 2006 seine eigene Lederhandschuhwerkstatt eröffnete, war das für ihn ein Hobby gewesen: "Ich liebte das Handwerk. Es machte mir Spaß, Handschuhe zu entwerfen, aber ich glaubte nicht, dass ich damit jemals meine Familie ernähren könnte. Ein Markt war praktisch nicht mehr da."

Denn mit der Massenproduktion aus Fernost kann kein einheimischer Handschuhmacher konkurrieren. "Wenn Sie im Kaufhaus ein Paar für 20 Euro kaufen, ist das bei uns nur der Preis für das Material", sagt Wappler. Aber er fand eine Lösung: Exklusivität. Er schneidert auf Maß und verwendet nur bestes Leder - von Lamm, Hirsch, Ziege oder Pekari, einem südamerikanischen Nabelschwein, dessen Haut nicht unter 70 Euro pro Paar zu haben ist. Dazu kommen die Kosten für Entwurf und Fertigung.

Wappler erfüllt seinen Kunden praktisch jeden Wunsch. Er hat die Handschuhe des Filmhelden Batman nachgebaut, schneidert orthopädische Handschuhe für Versehrte und befriedigt Dominas mit martialischen Modellen. Heute fertigt er 2500 Paar im Jahr und beschäftigt fünf Heimarbeiterinnen. Seine Lieferzeit beträgt mehrere Wochen - ein Resultat der guten Auftragslage.

Die freilich ist nur so gut, weil Wappler sachsenweit der einzige Handschuhmacher ist, der hauptberuflich arbeitet. Mit 38 ist er der jüngste in der Branche. Dazu kommen einige Rentner, die nur nebenher nähen. Auch ist das Geschäft saisonabhängig. "Im Sommer fehlt es an Aufträgen", sagt Wappler. "Aber als der erste Schnee dieses Winters fiel, hatte ich 72 Anrufe an einem Tag."

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Auer Zeitung, 04.01.2012