Führungswechsel am Fichtelberg

1986 wurde der Oberwiesenthaler Wolfgang Schmiedl zum Direktor von Deutschlands ältester Seilschwebebahn berufen. Heute wird der Chef aller Lifte vom Stadtrat in den Ruhestand verabschiedet.

VON GABI THIEME

OBERWIESENTHAL - In seinem Berufsleben hat Wolfgang Schmiedl einiges gewurmt. Nicht erst seit sein Traum von einer modernen Kabinenumlaufbahn anstelle der alten Seilschwebebahn zum Fichtelberg platzte. 1990 bekam er eine Einladung von Kollegen der Bayerischen Zugspitzbahn. "Und die rühmten sich doch tatsächlich damit, dass ihre 1926 in Betrieb genommene Kreuzeckbahn Deutschlands erste Seilschwebebahn war. Die hatten den Osten völlig ausgeblendet", sagt Schmiedl, dessen Bahn bereits 1924 in Betrieb gegangen war. Höflich, aber bestimmt habe er die Sache geklärt. Seither gilt die Kreuzeckbahn als erste Seilschwebebahn der deutschen Alpen. "Unsere Beziehungen hat das nicht getrübt", so der 63-Jährige. Schließlich hätten die Bayern ihm und seinem VEB große Hilfe geleistet bei der Überführung in eine neue Betriebsform und bei der D-Mark-Eröffnungsbilanz.

1986 war Schmiedl zum Betriebsdirektor berufen worden. Bis 1993 war er auch Leiter des Fremdenverkehrsamtes in Deutschlands höchstgelegener Stadt. Weil man dort glaubte, dass das neue Land auch neue Leute brauchte, wechselte der Diplom-Ingenieur von sich aus in die Wirtschaft: "So ist das halt mit dem Propheten im eigenen Land ... Doch mit dem Herzen hing ich immer an der Bahn."

Vom Bittsteller zum Geldgeber

Als 2004 die Stelle des Geschäftsführers der Fichtelbergschwebebahngesellschaft neu ausgeschrieben wurde, bewarb sich Schmiedl - und mit ihm weitere 41 Interessenten. Der Stadtrat votierte einstimmig für den damals 56-Jährigen. "Ich wusste nicht, dass ich eine städtische Firma vorfinden würde, die finanziell fast am Ende war", erinnert sich der Erzgebirger. Aus zwei Gesellschaften - einer zur Verwaltung und einer zum Betrieb aller Liftanlagen - machte er erst mal eine. "Aber wir blieben lange Zeit Bittsteller bei der Stadt."

Jetzt übergibt der Chef nicht nur die Dienstgeschäfte an einen 39-Jährigen. René Lötzsch übernimmt als ab Januar alleiniger Geschäftsführer eine finanzstarke Gesellschaft, die Rücklagen im siebenstelligen Bereich bilden konnte. "Wir müssen längst nicht mehr bei der Stadt betteln. Im Gegenteil. Heute unterstützen wir die Kommune, in diesem Jahr allein mit 100.000 Euro Gewerbesteuer." Defizitäre Bereiche, wie die Schwebebahn, würden durch effizientere Anlagen ausgeglichen.

Schmiedl räumt auf mit der landläufigen Meinung, dass Liftbetreiber immer im Minus fahren: "Das stimmt nicht. Wir konnten so viele Rücklagen bilden, dass wir daraus sogar den Bau einer modernen Kabinenbahn hätten mitfinanzieren können." Wenn denn die avisierten 30 Prozent Fördermittel geflossen wären. Da es die wegen einer neuen Förderrichtlinie nicht gab, starb das zukunftsträchtige Projekt, für das sich eine Mehrheit im Stadtrat gegen die Minderheit der CDU-Fraktion durchgesetzt hatte.

"Dass ausgerechnet die Gegner dann einen Untersuchungsausschuss forderten, warum das Vorhaben geplatzt ist, zeigt einmal mehr, dass es in Oberwiesenthal nie um eine Sache geht, sondern immer um Kräftemessen." Schmiedl glaubt, dass sein Nachfolger mit diesen schwierigen Gegebenheiten klarkommt. "Ein Fremder würde hier dagegen nie ankommen." Der Noch-Chef gesteht, dass er "gern noch etwas Neues aufgebaut hätte" und in dem Fall auch nicht mit 63 in Rente gegangen wäre. "Aber das permanente Besserwissen einiger nervt unendlich." Zu oft habe er auch anonyme Beschimpfungen und falsche Behauptungen ertragen müssen.

Viele Investitionen geplant

René Lötzsch weiß das. Seit seiner Geburt wohnt er neben der Schwebebahn. Immer habe er den Wunsch gehabt, hier nicht nur als Skifahrer einzusteigen. Als Elektromeister habe er später jedes Jahr die Frühjahrs- und die Herbstrevision mit durchgeführt. Als er dann auch noch ein Betriebswirtschaftsstudium absolvierte, bestätigte ihn der Aufsichtsrat für das neue Amt. Nach der Schwebebahn, deren 1,2 Millionen Euro teure Sanierung nach dem Winter beginnt, will er bis 2020 auch alle anderen Lifte erneuern. Der an der Himmelleiter stehe dabei ganz oben an. "Wir müssen unbedingt investieren, wenn wir im Wettstreit mit den Tschechen mithalten wollen."

 

 

Quelle: Freie Presse, Annaberger Zeitung, 13.12.2011